Reise in die Region vor 100 Jahren Beeindruckende Fotodokumente im Emsland-Moormuseum erläutert

Von Gerd Mecklenborg

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Geeste. Im Rahmen einer aktuellen Ausstellung im Emsland-Moormuseum in Groß Hesepe hat Bernd Tenbergen vom Westfälischen Landesmuseum für Naturkunde (LWL) in Münster einen gut besuchten Vortrag über den Zoologen und Fotografen Hermann Reichling gehalten.

Unter dem Motto „Vogelfänger, Plaggenstecher und Venntüten – Natur und Landschaft vor 100 Jahren in Nordwestdeutschland“, berichtete Tenbergen über Leben und Werk des Naturschutzpioniers und Fotografen Hermann Reichling (1890 - 1948). „Unsere Landschaft hat sich in den letzten 100 Jahren stark verändert“, sagte Tenbergen in seiner Einleitung, nachdem er zuvor einen der wenigen noch existierenden Filme mit bewegten Bildern des berühmten Fotografen im Kino des Moormuseums gezeigt hatte. Im Anschluss kommentierte der Referent eine Auswahl der beeindruckenden naturhistorischen Fotografien Reichlings.

Im Mittelpunkt der Bildershow standen natürlich Naturaufnahmen, die der Naturfotograf zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch überall im Emsland und in der Grafschaft Bentheim sehr aufwendig produziert hat. Die Bilderreise führte die Vortragsbesucher auch durch Westfalen, durch die Dümmer Region bis auf die Insel Fehmarn, wo der Zoologe und Museumsdirektor Reichling als Tierfilmer, Fotograf und Naturschützer tätig war.

(Weiterlesen: Hier geht es zum Porträt über Hermann Reichling)

Die Zuschauer konnten so die Leidenschaft des Fotografen und den für damalige Verhältnisse enormen technischen Aufwand, den Reichling für seine schon fast Kunstwerke benötigte, erahnen. Dabei gab es nur eine winzig kleine Auswahl des mehr als 10.000 Bilder umfassenden Lebenswerk Reichlings zu bewundern. Man fühlte sich in die „nicht immer gute alte Zeit“, wie Tenbergen kommentierte, versetzt, denn die Aufnahmen zeigten nicht nur diverse Vogelarten oder den Vergleich der Landschaft von damals und heute. Auch fahrendes Volk auf mystisch wirkenden Sandwegen, teilweise von Wallhecken umrahmt, ein Socken strickenden Schäfer oder verwegene Vogelfänger wurden auf die Leinwand projiziert und vom Vortragenden detailliert kommentiert.

Dazu beeindruckende Aufnahmen von Plaggenstechern in Vreden aus dem Jahr 1917, oder Adam und Eva, das damals berühmteste „Landstreicherpaar“ der Region, abgelichtet 1928. Und sogar die Landung eines Flugzeuges, 1926 in der Heide bei Klein Berßen, hat Reichling fotografisch festgehalten.


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