Ausstellung mit Fotos von Hermann Reichling Moormuseum zeigt „Bilder des Emslandes“

Von Werner Scholz

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Geeste. Hermann Reichling (1880-1948) zählt nicht nur zu den Wegbereitern des Naturschutzes in Nordwestdeutschland. Er war vor allem ein leidenschaftlicher Landschafts- und Naturfotograf. Ab sofort ist eine Auswahl seiner Aufnahmen aus der hiesigen Region, bei denen seinerzeit noch beschichtete Glasplatten belichtet wurden, im Emsland-Moormuseum in Groß Hesepe zu sehen.

Die Bilder sind „in Abbildung und Qualität rare Dokumente und zeigen eine Region, die noch im Alten zu verharren scheint. Ich sage bewusst scheint, denn die Moderne steht unzweifelhaft bevor“, erläuterte der Leiter des Museums, Michael Haverkamp, in seiner Eröffnungsrede und fügte hinzu: „Reichling wurde zudem nicht müde, sich für den Schutz der bedrohten Moore und Heiden in vielfältiger Form einzusetzen.“

Über 10.000 Bilder umfasst das Lebenswerk Reichlings. Jahrzehntelang war der größte Teil der Aufnahmen im Familienbesitz verblieben und kam erst vor wenigen Jahren an den Landschaftsverband Westfalen Lippe.

Mit Reisekamera und Steigeisen

Nach weiteren einführenden Worten des Ersten Kreisrats Martin Gerenkamp führte der Botaniker Bernd Tenbergen vom Westfälischen Landesmuseum für Naturkunde mit einem Dia-Vortrag in die Ausstellung ein. „Was Sie in dieser Ausstellung sehen, kann angesichts der enormen Menge an Bildern nur ein ganz kleiner Ausschnitt sein“, gab der Experte zu bedenken und erläuterte etliche Details zu den Arbeiten Reichlings, die für so manches Schmunzeln sorgten.

Wenn ein Mann im Anzug mit einer hölzernen Reisekamera, wie sie um 1920 üblich war, auf dem Rücken mithilfe von Steigeisen einen Baum hochklettert, um ein Vogelnest von oben fotografieren zu können, ergibt solch ein Arbeitsfoto bereits selbst ein außergewöhnliches Motiv. Für Reichling was dieses Vorgehen andererseits nicht unüblich – wenn nötig, stieg er auch auf Dächer.

(Weiterlesen: Hier geht es zum Porträt von Hermann Reichling)

Die Aufnahmen zeigen nicht nur diverse Vogelarten oder einen strickenden Schäfer oder auch Vogelfänger, sie sind auch fotografisch wohl durchdachte Bildkompositionen, die die Beschaffenheit und Weite der Landschaft zeigen. Sie veranschaulichen ebenso, dass das Emsland seinerzeit noch längst nicht die wohlhabende Region war, die es heute ist. Dabei ist der Detailreichtum seiner 18-mal-24-cm-Großformat-Aufnahmen auch für heutige Verhältnisse verblüffend. So ist es lohnend, die Bilder, die oft auf Formate wie DIN A2 vergrößert sind, auch aus unmittelbare Nähe zu betrachten.

Typische Bewegungsdynamik

Angesichts der damals geringeren Lichtempfindlichkeit der Platten und der längeren Belichtungszeiten zeigen die Aufnahmen nicht selten eine typische Bewegungsdynamik. Trotz Stativ erscheinen etwa Zweige eines Baumes, die sich im Wind bewegen, leicht verwischt. Maschinen, die arbeiten, offenbaren ebenso ihre Bewegung wie schwimmende Enten.

Wegen kritischer Äußerungen von den Nationalsozialisten als Leiter des Provinzialmuseums für Naturkunde in Münster abgesetzt und zeitweise in Esterwegen interniert, erlag Reichling, der nach dem Krieg wieder als Museumsleiter eingesetzt wurde, 1948 den Spätfolgen seiner Internierung.

Die Ausstellung ist noch bis zum 4. November 2018 zu sehen. Der Eintritt ist frei.


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