Serie „Mein Job und Ich“ Geester Busfahrer über Touren durch ganz Europa

Von David Hartmann

Dirk Wessels ist der Sohn von Karl-Heinz Wessels und mittlerweile in dritter Generation im Familienbetrieb. Foto: David HartmannDirk Wessels ist der Sohn von Karl-Heinz Wessels und mittlerweile in dritter Generation im Familienbetrieb. Foto: David Hartmann

Geeste. Für die Serie „Mein Job und Ich“ steht Karl-Heinz Wessels, Geschäftsführer der Wessels-Touren GmbH Rede und Antwort. Dabei berichtet der Busfahrer über Ärger mit der Polizei, Blitzerfotos und die bisher längste Reise.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Busreisen zu Ihrem Beruf zu machen?

Angefangen hat mein Vater schon mit den Busreisen. Wir haben es immer weiter ausgebaut und nun ist mit meinem Sohn schon die dritte Generation im Betrieb vertreten. Über die Jahre standen aber auch viele Veränderungen innerhalb unseres Berufes an. Früher fuhren wir Touren vorwiegend im lokalen Bereich, aber mittlerweile sind wir international unterwegs, durch ganz Europa.

Wenn Sie eine Reisegruppe begleiten, ist es wie Urlaub oder nimmt der Stress Überhand?

Also für alle unserer Fahrer sind die Reisen mit Stress verbunden, denn sie übernehmen die Verantwortung für die Reisenden. Angefangen beim Einchecken im Hotel oder Tagesausflügen, der jeweilige Fahrer muss die Reisenden rundum betreuen. Von Urlaub kann man da nicht wirklich reden.

Was war die bisher längste Reise oder die größte Reisegruppe, die Sie betreuten?

Vor einigen Jahren haben wir häufiger Teams aus ganz Deutschland zu Sportveranstaltungen nach Spanien gefahren, da waren es bestimmt 600 oder 700 Passagiere, die wir dorthin gefahren haben. Die weitesten Touren waren das aber nicht. Auf Reisen nach Russland, Griechenland oder in die Türkei haben wir noch ein paar Kilometer mehr gemacht und mussten zusätzlich noch mit Fähren übergesetzt werden.

Gab es auf Reisen schon Ärger mit der Polizei?

Nein, von Ärger kann man nicht sprechen, das waren allgemeine Verkehrskontrollen. Vor allem im Ausland. Mittlerweile hat es sich normalisiert, aber in den ersten Jahren als neues Busunternehmen muss man sich erst etablieren. Es fiel extrem auf, dass, sobald die Polizei das deutsche Kennzeichen gesehen hat, man rausgewunken wurde. In der letzten Zeit war es aber zum Glück weniger mit den Kontrollen. An Bord hatten wir aber Gott sei Dank bisher niemanden, der gesucht wurde oder irgendwelche Sachen geschmuggelt hat.

Was halten Sie von Essen und Trinken im Bus? Herrscht während den Fahrten Verbot?

Auf keinen Fall, verbieten können wir das nicht. Bei langen Fahrten kann der Fahrer ja nicht an jeder Raststätte halten, damit sich die Reisenden verpflegen können. Bei dem einen kommt der Hunger eben schneller, bei dem anderen braucht es hingegen etwas mehr Zeit. Kleinigkeiten werden im Bus seitens des Fahrers ebenfalls angeboten. Da kann man auf der einen Seite ja nicht das Essen für die Gäste verbieten und auf der anderen Seite selbst etwas anbieten. Vor allem bei diesem Wetter muss drauf geachtet werden, dass genügend getrunken wird, da sind wir die letzten, die das verbieten würden. Nach den Touren wird der Bus dann erst einmal gründlich gereinigt, das kann schon so drei bis vier Stunden dauern.

Welches Erlebnis ist Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben?

2005 hatten wir mit einem unserer Busse einen Unfall durch einen technischen Defekt, der vom Hersteller verschleiert wurde. Der Hersteller sah sich nicht in der Verantwortung und für uns als kleiner Betrieb gab es nicht einmal die Möglichkeiten, Informationen zu bestimmten Details zu bekommen. Da sind wir im Endeffekt auf den Kosten des Unfalls selber sitzengeblieben.

Wenn Sie die Wahl hätten: Flug- oder Busreise?

Das kann man so pauschal nicht sagen, es kommt ganz auf den Urlaub an. Wenn wir was erleben möchten, machen wir eine Busreise. Zum Beispiel durch Amerika und durch Mexiko haben wir das schon gemacht. Aber bei einem normalen Badeurlaub nehmen wir das Flugzeug oder machen eine Schiffsreise. Zum Erleben und Sehen ist der Bus ideal, zum reinen Ausruhen dann eher die Flugreise. Aber das ist bei uns ganz unterschiedlich.

Haben sich schon Passagiere über Ihren Fahrstil beschwert?

Es kann schon mal vorkommen, dass einer der Fahrgäste möchte, dass ich etwas schneller fahre. Während der Hinreise ist alles entspannt, aber auf der Rückreise einer mehrtägigen Tour wollen die Fahrgäste gerne schnell ans Ziel. Aber über den Fahrstil gab es bis heute keine Beschwerden.

Hand aufs Herz: Wurde schon ein Blitzerfoto gesammelt?

Oh, das ein oder andere. Unsere Fahrer machen im Jahr etwa 100.000 Kilometer, da kann man Mal ein Schild übersehen. Das ist unumgänglich. Vor allem wenn man sich in fremden Ländern befindet oder durch die Reisegruppe etwas abgelenkt ist. Innerhalb Deutschlands gehen die Strafen noch einigermaßen, aber in fremden Ländern kann es schon richtig teuer werden.


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