Verdorrte Ernte Trockenheit im Emsland - "Für einige Landwirte wird es jetzt existenzbedrohend"

Von Harry de Winter

Verdorrte Ernte: Auf vielen Feldern im Emsland vertrocknen die Pflanzen. Landwirt Helmut Schwering hofft, dass es bald ergiebig regnet. Foto: Harry de WinterVerdorrte Ernte: Auf vielen Feldern im Emsland vertrocknen die Pflanzen. Landwirt Helmut Schwering hofft, dass es bald ergiebig regnet. Foto: Harry de Winter

Geeste. Die Trockenheit macht der Landwirtschaft im Emsland zu schaffen. Die Situation ist angespannt. Für einige Landwirte wird es nun existenzbedrohend. Helmut Schwering, Landwirt und Vorsitzender des Landvolk-Kreisverein Meppen, erklärt, was die Dürre für Konsequenzen hat – auch für die Verbraucher.

Sommer, Sonne, Wärme – eigentlich kann man aktuell seinen Urlaub zu Hause verbringen und das Wetter in vollen Zügen genießen. Doch des einen Freud ist des anderen Leid. Besonders leiden aktuell die Landwirte unter der Trockenheit in der Region. Seit Wochen hat es nicht mehr ergiebig geregnet. Viele Felder sind ausgetrocknet und die Pflanzen darauf verdorrt. Mit bis zu 20 Prozent Ernteausfällen rechnet Landwirt Helmut Schwering in diesem Jahr beim Getreide. "Vergangenes Jahr sind wir abgesoffen, in diesem Jahr vertrocknen uns die Felder", sagt der 60-Jährige aus Geeste-Groß Hesepe. 

Weiderinder müssen zugefüttert werden

Die Rinder finden auf ihrer Weider nicht mehr genügend Gras zum fressen. Deshalb muss mit Maissilage zugefüttert werden. Foto: Harry de Winter

Betroffen seien vor allem die Landwirte mit Weideviehhaltung. "Die Tiere finden auf den Feldern nicht mehr genug zu fressen", erklärt Schwering. "Die Weiden sind gelb und vertrocknet. Deshalb muss hier zugefüttert werden. Einige meiner Kollegen müssen deshalb schon die Winterreserven dafür nutzen." Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erklärt, dass Alternativen zu Mais- und Grassilage teuer seien. Die Fütterung der Milchkühe werde also kostspieliger. Für einige Betriebe bleibe als Ausweg nur die Reduzierung der Tierzahlen.

Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben

Wenige und nur kleine Kartoffeln sind die Folge der Trockenheit auf den Feldern. Foto: Harry de Winter

Schlecht geht es aktuell auch den Kartoffeln und den Zuckerrüben. "Sie wachsen derzeit nicht richtig und bleiben klein. Beiden Pflanzen fehlt das Wasser", schildert Schwering. Hier seien vor allem Sandböden betroffen. Das zusätzliche Wässern der Felder bringe nur bedingt etwas und sei mit hohen Kosten verbunden. Nicht anders ergehe es auch dem Mais, der auf vielen Feldern gar keine Kolben mehr austreibe. "Wir brauchen jetzt dringend Regen. Wenn es so weiter geht, dann könnte es bei Kartoffeln, Rüben und Mais zu einem Ernteausfall von bis zu 50 Prozent kommen." Dass hier mit massiven Mindererträgen zu rechnen sei, bestätigt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. 

Bei Zuckerrüben sehe es ebenfalls nicht gut aus, sagt Landwirt Helmut Schwering. Foto: Harry de Winter

Zwei schlechte Erntejahre hintereinander

Schon im vergangenen Jahr fiel die Ernte der Landwirte nicht üppig aus. Allerdings war es nicht zu trocken, sondern zu nass, sodass einige Böden so aufgeweicht waren, dass das Arbeitsgerät nicht über die Felder fahren konnte. "Das ist jetzt das zweite Jahr in Folge, dass das Wetter nicht mitspielt", sagt Schwering. "Für einige Landwirte wird es jetzt existenzbedrohend. Aber das ist das unternehmerische Risiko, schließlich müssen wir mit dem Wetter leben. Steuern können wir es nicht, und das ist auch gut so. Wer jetzt finanziell schlecht dasteht, muss sich selbst die Frage stellen, ob er richtig gewirtschaftet hat."


Wer jetzt finanziell schlecht dasteht, muss sich selbst die Frage stellen, ob er richtig gewirtschaftet hat.Helmut Schwering, Landwirt aus Groß Hesepe

Keine staatlichen Hilfen

Staatliche Hilfen lehnt der Kreisvorsitzende ab. "Das wollen wir nicht." Es sei zwar gut gemeint, lasse sich aber nicht vor den Verbrauchern rechtfertigen. Man habe in den vergangenen Jahren auf sehr hohem Niveau produziert und gute Umsätze erwirtschaftet. Nun müsse man auf Rücklagen zurückgreifen und Investitionen hinten anstellen. Einzig die vorzeitige Zahlung der EU-Prämien befürwortet Schwering. "Das wäre ein guter Kompromiss. Damit könnten viele die Pacht für die Ländereien bezahlen."

Der Mais gedeiht auf vielen Feldern nicht gut. Ihm fehlt akut das Wasser. Foto: Harry de Winter

Was kommt auf den Verbraucher zu?

Für den Verbraucher habe die aktuelle Situation im Prinzip keine Konsequenzen. Schwering rechne derzeit nicht damit, dass es zu steigenden Brot- und Milchpreisen komme. Kartoffeln und Zucker könnten aber teurer werden, da die Ernteprognosen nicht gut seien. Mit Sicherheit könne man das aber nicht sagen. "Wenn jetzt bald ergiebiger Regen kommt, sieht die Situation schon wieder ganz anders aus."


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN