„Wenn das ein Kind gegessen hätte“ ... Hundehalterin findet Giftköder bei Gassirunde in Dalum

Von Carola Alge


Geeste. Den Spaziergang mit ihrem Hund in der Industriestraße in Dalum wird Birgit Ridder immer in Erinnerung behalten. In sehr schlechter, Sie entdeckte dort bei der Abendgassirunde einen Giftköder. „Er lag hier in dem Grün“, deutet die 54-Jährige auf eine Stelle nur ein paar Meter von ihrer Wohnung entfernt am dortigen Radweg.

  • Bei einer Gassirunde findet eine Hundehalterin einen Giftköder in Dalum
  • Er lag im Grün an dem Radweg an der Industriestraße
  • Die Hundehalterin erstattet Anzeige
  • Die Polizei sucht weiter Zeugen

Wie immer, wenn ihr Hund Lenny noch mal zum Lösen kurz raus soll, war Ridder gegen 19.45 Uhr auf dem Radweg an der Industriestraße unterwegs. Von ihrer Wohnung sind es bis dahin nur wenige Meter. Dort gibt es Grünstreifen und rechts brach liegendes Feld. Eine ideale Strecke für kurze Spaziergänge. An jenem Abend sei die Industriekauffrau ganze 30 Meter weit gekommen. Plötzlich habe ihr angeleinter Collie-Pudel-Dackel-Mischling nach links in das Gras gezogen. „Das ist zu Anfang der Runde noch nicht so ungewöhnlich. Auf einmal aber hatte er die Schnauze im Gras, fing an zu schlingen.“ Ridder hatte ein schlechtes Gefühl, vermutete, dass Lenny etwas aufgenommen hatte, gab den Befehl „Pfui“. „Darauf hat er das, was er im Maul hatte, ausgelassen.“

Frikadellenförmiges Stück

„Das“ beschreibt die Hundebesitzerin, während sie ein Foto davon auf ihrem Handy zeigt, als frikadellenförmiges Stück, das von außen wie eine Kartoffel ausgesehen und sehr stark nach Vanille und Chemie gerochen habe. „Dass mein Hund da so gierig dran war, ist ungewöhnlich. Er schlingt nicht mal bei einem Würstchen so.“

Ridder brach das, was Lenny aus seinem Maul freigab auf, vermutete, einen Giftköder in den bloßen Händen zu halten. Sie kehrte mit ihrem Vierbeiner in die Wohnung zurück, packte den Fund in eine Tüte und fuhr sofort zum Tierarzt. „Ich wusste ja nicht, wie viel er davon gefressen hatte.“ Dort bekam der Mischling eine Spritze, die ihn zwang, sich zu erbrechen, und eine weitere zur Beruhigung des Magen-Darm-Systems.

Tierarzt rät zum Gang zur Polizei

Dem Veterinär, einem Niederländer, kam der Rest des Gassi-Fundes verdächtig vor. Solche bröselnden leicht schwammartigen Teile würden in seiner Heimat mit Gift besprüht, gebacken und als Giftköder ausgelegt. Er habe deshalb dazu geraten, die Polizei einzuschalten. Das tat die Hundehalterin am nächsten Tag. Sie gab den Beutel samt Inhalt ab, erstattete Anzeige. Untersucht worden sei der Köder, so Ridders aktueller Kenntnisstand, wohl nicht. „Ich rief bei der Polizei ein paar Tage später noch einmal an und erfuhr, die Staatsanwaltschaft habe das abgelehnt.“

„Weitere Fälle“

Verstehen kann Lennys Frauchen das nicht. Vor allem nicht mit Blick darauf, dass in Dalum nicht zum ersten Mal ein Giftköder gefunden worden sei. „Unter Hundebesitzern sind weitere Fälle bekannt. Die werden nur meist nicht zur Anzeige gebracht.“ Auch dafür fehlt Ridder jegliches Verständnis. „Dann sind die Täter doch von vornherein irgendwie in Sicherheit und wiederholen so etwas eher.“

Dass der dreijährige Lenny Opfer eines gezielten Anschlags werden sollte, glaubt seine Besitzerin nicht. „Das Ding wurde entweder im Vorbeifahren aus dem Auto Richtung Radweg geworfen oder ist dort in dem Wissen hingelegt worden, dass hier viele Hundebesitzer mitihren Tieren spazieren gehen.“

Zeugen weiter gesucht

Ob der oder die Täter nicht darüber nachgedacht hätten, welch verheerende Wirkung ein Giftköder haben kann, überlegt Ridder einen kurzen Moment. Ihr Blick wird ernst, nachdenklich, ja traurig. „Es geht ja nicht nur darum, was meinem oder einem anderen Hund hätte passieren können. Was wäre gewesen, wenn ein Kind das in den Mund genommen und gekaut hätte? Es roch so verlockend und intensiv nach Vanille.“

Im Giftköderfall an der Industriestraße in Dalum sucht die Polizei, die zu erhöhter Vorsicht mahnt, weiter nach Zeugen, die Hinweise auf den oder die Täter geben können. Die nimmt sie unter Telefon 05937/8326 entgegen.


Was man bei einem Giftköderfund tun sollte

Zu Giftköder-Anschlägen kommt es im mittleren Emsland immer wieder. Manche enden tödlich. Welchen Schutz aber gibt es? Unsere Redaktion fragte bei der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim nach.

„Wer einen vermeintlichen Giftköder findet, sollte umgehend die Polizei informieren“. Nur so könnten die zuständigen Beamten die Ermittlungen aufnehmen und möglicherweise den oder die Täter fassen. Der Köder sollte vorsichtshalber nicht ungeschützt angefasst werden, Hautkontakt sollte unbedingt vermieden werden, da er eventuell mit Giftstoffen versehen ist, die über die Haut aufgenommen werden können“, rät Pressesprecherin Inga Graber.

Hundehalter sollten bei Spaziergängen sehr aufmerksam sein, vor allem, wenn sie in Gebieten unterwegs sind, in denen es eine starke Vegetation gibt. Dort ließen sich Giftköder noch schlechter entdecken als in freiem Gelände. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es aber auch dann leider kaum.

Unterschiedliche Arten

Bei den Giftködern sind zwei unterschiedliche Arten gängig: Solche mit Fremdkörpern wie Nadeln, Nägeln sowie Heftzwecken und solche, die Rattengift oder Schneckenkorn enthalten. Wenn der Vierbeiner einen Köder gefressen hat und Anzeichen einer Vergiftung zeigt, kann nur ein Tierarzt helfen – oder im schlimmsten Fall die Leiden verkürzen. Proben vom Erbrochenem, Kot oder des Köders helfen dem Veterinär bei der schnellen Diagnose. Um festzustellen, ob ein Hund mit dem Köder Fremdkörper verschluckt hat, wird er beim Tierarzt geröntgt. Denn: Während die Fremdkörper die Speiseröhre meistens nicht verletzten, sind sie vor allem für den Darm der Vierbeiner gefährlich. Dann hilft in der Regel nur noch eine Operation. cw