Vortrag im Moormuseum Wolfsberater auf Spurensuche im Emsland

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Geeste. Die Rückkehr des Wolfes beschäftigt viele Emsländer und sorgt vor allem bei den ehrenamtlichen Wolfsberatern für Arbeit. Mit Hermann Fehnker hat nun einer von ihnen über seine Arbeit berichtet.

Fehnker arbeitet für die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Emsland und hat sich vor einigen Jahren zum Wolfsberater ausbilden lassen. Im Emsland Moormuseum berichtete er jetzt im Rahmen der Ausstellung „Der Wolf – Ein Wildtier kehrt zurück“, was das bedeutet.

Seinen Ausführungen vor etwa 30 Zuhörern stellte er voran, dass er weder für noch gegen den Wolf sei und deshalb auch nur gesicherte Erkenntnisse und keine Spekulationen wiedergeben werde. Die eigenständige Rückkehr des Raubtieres sei dennoch ein hoch emotionales Thema für viele und oftmals seien Interessen ganzer Bevölkerungsgruppen berührt.

Fehnker berichtete Grundzüge aus Biologie und Lebensweise der Tiere. Wolfsberater haben unter anderem die Aufgabe, Sichtmeldungen zu begutachten. Ein Problem dabei sei das schnelle Wachstum der Welpen – schon nach sechs Monaten seien sie so groß wie ihre Eltern und von weitem nicht mehr von diesen zu unterscheiden. „Im Freiland gibt es unter Wölfen auch keine Rangordnung“, sagte Fehnker. Die beiden Eltern seien der Kopf eines Rudels und alle Nachkommen müssten sich nach ihnen richten.

Fehnker berichtete, derzeit gebe es im Emsland gesicherte Nachweise von zwei Wölfen, die sich auf der WTD 91 aufhielten. Ob es sich um ein Paar oder zwei Geschwister handele, wisse man nicht. Außerdem habe es inzwischen mehrere Risse von Nutztieren auch im Emsland gegeben, zuletzt Ende 2017 in Spahnharrenstätte.

Nutztiere schützen

Nutztierhalter sind nach Fehnkers Einschätzung am stärksten von der Rückkehr des Wolfes betroffen, da sie ihre Tiere schützen müssten, was selten einfach und manchmal unmöglich sei. Allerdings sei dieses Thema alleine abendfüllend, weshalb er auf entsprechende Fachliteratur verwies.

Der Wolf sei nicht nur nach europäischem Recht, sondern auch nach Bundes- und Landesrecht streng geschützt – eine Änderung dieses Status, wie er bisweilen gefordert werde, beträfe Dutzende von Gesetzen, sagte er.

Als Wolfsberater muss Fehnker so wie eine Kollegin und drei Kollegen im Emsland und wie 120 in Niedersachsen Risse begutachten, Spuren auswerten, Fotos bewerten oder DNA-Proben nehmen, die dann weiter untersucht werden – ehrenamtlich, wohl gemerkt. So soll ein möglichst dichtes Netz von Nachweisen des Wolfes gewoben werden – auch um zu erfahren, ob und wann der gesetzlich vorgeschriebene sogenannte gute Erhaltungszustand der Population in Deutschland erreicht ist.

Fehnker berichtete von echten und vermeintlichen Nutztierrissen im Emsland, vom Wanderwolf, der 2015 durch das Emsland zog und in Herzlake von einem Bernhardiner gebissen wurde und von einem Wolf, der vor kurzem in Börger in der Ortsmitte fotografiert worden sei.

Reviersuche

Allerdings seien Wölfe, die sich tagsüber zeigten, nicht unbedingt gefährlich, sondern meistens jung, neugierig und auf der Suche nach einem eigenen Revier. Dass Menschen zu schaden kämen, sei extrem unwahrscheinlich aber wie andere Naturereignisse auch nicht auszuschließen. Fehnker war sich aber sicher in der Einschätzung, dass sich der Wolf etablieren werde.

Ein für diesen Donnerstag geplanter weiterer Vortrag zum Wolf mit Fotos von Jürgen Borris fällt wegen Erkrankung des Referenten aus.


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