Vortrag zur Torfindustrie in Geeste Emsland Moormuseum beteiligt sich am Europäischen Kulturerbejahr 2018

Von Stefanie Müller


Geeste. Mit dem Vortrag „Industrialisierung der Torfindustrie“ ist das Emsland Moormuseum in das Europäische Kulturerbejahr 2018 gestartet. Das ganze Jahr über wird es Ausstellungen, Veranstaltungen und Wanderungen für Kultur- und Naturinteressierte geben. So sollen die Spuren der Industriekultur im ehemaligen Bourtanger Moor sichtbar gemacht werden.

„Ich freue mich über das große Interesse, was bei einem Thema wie diesem nicht selbstverständlich ist“, sagte Michael Haverkamp, Leiter des Emsland Moormuseums, in seiner Begrüßung. In seinem Vortrag gab der Museumsleiter den 30 Interessierten Einblicke in die Entwicklung der nordwestdeutschen Moore im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Sonderausstellung zum Thema ist noch bis Ende des Jahres im Moormuseum zu sehen.

Moor einst eine Industrielandschaft

Das Moor, das heute für viele nicht mehr als eine idyllische Landschaft ist, war vor mehr als 100 Jahren eine Industrie zwischen Handarbeit und Modernisierung. Laut Haverkamp habe es im Jahr 1925 hunderte Betriebe gegeben, die im Emsland tätig waren. Während Kohle langsam den Schwarztorf als Heizmittel ablöste, sei das Potenzial von Weißtorf als Wirtschaftsgut plötzlich bedeutend geworden. „Es gab eine regelrechte Explosion an Fabriken und Betrieben, die in Weißtorf einen Ersatz für Stroh sahen“, erklärte Haverkamp.

Weißtorf als Pferdefutter

Um 1900 habe es ungefähr 4,5 Millionen Pferde allein in den Großstädten gegeben und Stroh war ein knappes Gut. Der Weißtorf war eine Art Wundermittel in der Haltung von Pferden, er enthielt wenig Säure, Bakterien konnten sich daher nicht ausbreiten. Heutzutage wird er noch in Rinder- und Hühnerställen genutzt, und danach als Dünger verkauft. „Es gibt heute kaum eine Gurke, die nicht mit diesem Material gezogen wurde“, ergänzte Haverkamp. Auch zur Herstellung von Decken, Stoffen, Garnen oder als Isoliermaterial wird er heute verwendet.

Niederlande einen Schritt voraus

Bis zum modernen Dünger und Isoliermaterial war es aber ein langer Weg. Der Torfabbau war im Emsland lange eine Handarbeit und die Industrialisierung schritt nur sehr langsam voran. Während im niederländischen Teil des Bourtanger Moors die Menschen schon im 17. Jahrhundert das Moor nutzten, bauten die ersten Bauern im Emsland erst um 1788 Torf ab. Es gab keine Infrastruktur wie in den Niederlanden und so konnten die emsländischen Bauern ihren Torf nicht verkaufen.

Moorbrand sorgt für Ascheregen

Es siedelten trotzdem immer mehr Menschen auf den Hochmooren, den abgebauten Schwarztorf nutzten sie zum Heizen. Auf den neu gewonnen Flächen bauten sie Buchweizen an. Nutzen konnten die Bauern den Boden erst, nachdem sie die Fläche abgebrannt hatten. „Dies führte mit der Zeit zu dem sogenannten Moorrauch. Um 1848 hatte Mitteleuropa eine ähnliche Situation wie wir im Jahr 2010, als der Vulkan Eyjafjallajökull in Island ausbrach“, verglich Haverkamp. Von Wien, über Lyon bis nach England hatte sich eine Rauchdecke ausgebreitet. Bei Regen seien sogar die Straßen voller Asche gewesen und die Menschen hätten ihre Wäsche nicht mehr aufhängen können. Dies führte zur Gründung der zentralen Moorkommission.

Neue Maschinen entwickelt

In dieser Zeit rückte die wissenschaftliche Untersuchung der Moore immer mehr in den Fokus. In Moorversuchsstationen untersuchten Forscher, welche Bepflanzung für welche Fläche die beste war. „Der Torfabbau war immer ein Geschäft von Versuch und Irrtum. Dies war auch während der Industrialisierung um 1900 zu sehen“, sagte Haverkamp. Es habe eine ganze Reihe von immer wieder neuen Maschinen gegeben, die den Torf abbauten, verdichteten und das Trocknen erleichterten.

Torfkraftwerke liefern Strom

Im Zuge der Industrialisierung sollte zudem ein Netz aus Torfkraftwerken zur Stromerzeugung gebaut werden. Im ostfriesischem Wiesmoor wurde im Jahr 1909 und im emsländischen Rühle 1926 ein Torfkraftwerk in Betrieb genommen, weitere geplante Kraftwerke wurden nicht gebaut oder durch Kohlekraftwerke ersetzt. Torf konnte sich als Energielieferant gegenüber der Kohle nicht behaupten. Die Kraftwerke in Wiesmoor und Rühle wurden stillgelegt, führten aber dazu, dass die Region heute wirtschaftlich genutzt werden kann. „Die energetische Nutzung von Torf kann man aber trotzdem nicht als gescheitert sehen. Der Elektrifizierungsgrad in unserer Region ist hoch, der Strom ist in den Mooren verfügbar und die Diskussion um das Thema ist da“, ergänzte Haverkamp abschließend.