„Ein Wildtier kehrt zurück“ Ausstellung mit Problemwolf Kurti im Moormuseum

Meine Nachrichten

Um das Thema Geeste Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Geeste. Das Emsland Moormuseum widmet der Rückkehr des Wolfes eine umfangreiche Ausstellung. Noch bis zum 13. Mai können Besucher sich über ein Tier informieren, das polarisiert. Hauptattraktion der Ausstellung ist „Kurti“, der erste sogenannte offizielle „Problemwolf“ Deutschlands.

Selbstverständlich, und das zeigt das Dilemma der Wolfsrückkehr, weilt Kurti nicht mehr unter den Lebenden. Er hatte sich 2016 bei Lüneburg wiederholt Menschen genähert – möglicherweise hatte man ihn zuvor gefüttert – und war deshalb als erstes Tier seit der Rückkehr des Wolfes in staatlichem Auftrag vorsorglich erschossen worden.

Eigentlich hieß er nach der Ausstattung mit einem Sendehalsband offiziell „MT6“, aber Wolfsfreunde hatten ihn als „Kurti“ bekannt gemacht und gegen seinen Abschuss geklagt. Jetzt steht er, etwas hager und mit spitz-grimmigem Blick, in der oberen Etage der neuen Halle des Emsland Moormuseums. „Pfoten weg“ steht dort geschrieben, weil viele Menschen „Kurti“ sonst durchs Fell streicheln würden. So war es jedenfalls im Landesmuseum Hannover, zu dessen Ausstellung „Der Wolf. Ein Wildtier kehrt zurück“ der Wolfsrüde inzwischen zählt, und die jetzt im Moormuseum zu sehen ist.

Dessen Direktor Michael Haverkamp freute sich am Sonntagmittag über 80 Gäste, die schon zur Eröffnung der Ausstellung erschienen waren. Drei Teilbereiche sollen Besucher über ein Thema informieren, zu dem jeder eine Meinung habe, wie Erster Kreisrat Martin Gerenkamp in seiner Begrüßungsrede sagte. „Entweder man ist für den Wolf oder gegen ihn. Es gibt keine offensichtliche Konsenslinie.“ Entweder man sehe seine Rückkehr als Erfolg des Artenschutzes oder als Untergang des Abendlandes.

Schwarz oder weiß

Nicht alle Gegensätze, die es angesichts der Sorgen von Weidetierhaltern oder angesichts von vielleicht möglichen Gefahren gebe, könne die Ausstellung auflösen oder zufriedenstellend die damit zusammenhängenden Fragen beantworten, sagte der Erste Kreisrat. Aber fest stehe, dass der Wolf die Menschen bewege und Informationen notwendig seien.

Ein Teil der Ausstellung widmet sich deshalb der Rückkehr des einst ausgerotteten Raubtiers. Die vielen Texttafeln, Videos und Hörstationen stammen ebenso wie interaktive Computeranimationen aus dem Landesmuseum. Sie vermitteln Grundlagenwissen über Wölfe, ihre (Fress-)Gewohnheiten und ihre Lebensweise. Der immer häufiger notwendige Schutz von Nutztieren – und damit eine der wesentlichen Konfliktlinien – wird kurz erläutert.

3000 gegen einen

Ein weiterer Teil der Ausstellung zeigt diesen als wichtigen Bestandteil von Mythen und Sagen und versucht zu ergründen, woher die Urangst des Menschen vor dem Räuber stammt. Außerdem geht es um die Ausrottung des Tieres, die auch im Emsland einst systematisch betrieben worden war.

Einen hoch informativen Vortrag dazu hielt der Historiker Gerd van den Heuvel. Er hatte sich intensiv mit der Vernichtung des Wolfes beschäftigt und stellte fest, dessen Rückkehr habe heute einen kleinen Kulturkampf ausgelöst. Dem Raubtier sei jedenfalls spätestens seit dem 9. Jahrhundert gezielt nachgestellt worden – jahrhundertelang habe er keine Fürsprecher gehabt. Schon damals stellten Könige eigene Jäger ein, deren einzige Aufgabe es war, den Wolf auszuschalten. Spätestens mit der Waldrodung und der Ausbreitung der Nutztierhaltung im Mittelalter habe es keine Gnade mehr gegeben.

Hauptgrund seien die vielen Nutztierrisse gewesen, die die Menschen in große Not stürzen konnten. Nebeneffekt der Wolfshatz: das dem Adel vorbehaltene Jagdwild (Hirsche und Wildschweine etwa) machte sich ohne tierischen Jäger prächtig. „Die Wolfsjagd wurde zum Staatsziel, die Fürsten konnten die Menschen ganzer Landstriche dazu zwangsverpflichten“, sagte van den Heuvel. Bis zu 3000 Menschen seien für einen einzelnen Wolf eingespannt worden.

Nach dem 30-jährigen Krieg, währenddessen sich der Wolf stark vermehren konnte, habe man ihm angesichts unüberschaubarer Schäden am Nutzvieh noch stärker nachgestellt. Etwa ab 1850 galt er als ausgerottet, wenngleich Einzeltiere immer wieder auftauchten. Wichtig noch: „Menschen wurden praktisch nie zum Opfer des Wolfes. Angriffe waren die absolute Ausnahme.“

Nun also ist der einst als „Raubgeselle und Untier“ verschriene Wolf wieder da und einer der wenigen Menschen, die ihn schon oft beobachten konnten, ist der Naturfotograf Jürgen Borris aus Holzminden. Er hat die Tiere in der Lüneburger Heide porträtiert und von ihm stammen die vielen prachtvollen Fotos, mit denen das Moormuseum die Ausstellung ergänzt hat. Einige zeigen auch „Kurti“ zu einer Zeit, als er mit seinem Sendehalsband noch durch die Heide streifte.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN