Kein Dauerwohnen am See Gemeinde Geeste fordert Landkreis zum Handeln auf

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Geeste. Der Gemeinderat Geeste hat den Landkreis Emsland aufgefordert, sich mit dem Thema Dauerwohnen in den Ferienhausgebieten Am Tierpark in Klein Hesepe und Emspark Auenwald am Speichersee in Geeste zu befassen.

Im Planungs- und Bauausschuss hatte die Gemeindeverwaltung eine Statistik vorgelegt, nach der ein wesentlicher Anteil der Wochenendhäuser in beiden Gebieten zum Dauerwohnen genutzt wird. Dies entspricht nicht den Festsetzungen in den Bebauungsplänen, es „ist daher unzulässig und rechtswidrig“, wie Bürgermeister Helmut Höke erläuterte. Der Landkreis Emsland sei als Bauaufsichtsbehörde zuständig, mutmaßliche Verstöße seien gemeldet worden. Erwerber dieser Gebäude und Personen, die sich hier mit erstem Wohnsitz anmelden wollten, habe die Gemeindeverwaltung über die Rechtslage informiert.

Der Bürgermeister sieht besonders die Entwicklung am Speicherbecken mit Sorge, denn die Gemeinde will hier den Tourismus entwickeln. „Daher muss das Dauerwohnen zurückgeführt werden.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Thorsten Lammers sagte, dass die Gemeinde mutmaßliche Verstöße nur melden kann, aber der Landkreis als Aufsichtsbehörde darauf reagieren muss. Dies gehe eindeutig aus den Bestimmungen des Verwaltungsrechts hervor, erklärte der Jurist. Die größte Sorge gelte dem Gebiet am Speichersee: „Dauerwohnen gehört nicht zu einem Ferienhausgebiet.“ Für das Gebiet Am Tierpark in Klein Hesepe benötige die Gemeinde eine Bestandsaufnahme, um den rechtlichen Status gegebenenfalls anpassen zu können.

Der Landkreis sei immer wieder informiert worden, „geschehen ist nichts“, stellte der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Kramer fest. Der Speichersee sei seit 1986 für eine touristische Entwicklung vorgesehen. Hier habe der Projektentwickler 2004 viel versprochen, geschehen sei wenig. Hier gelte es eine Entwicklung wie im Gebiet Am Tierpark zu verhindern, wo fast alle touristischen Attraktionen verschwunden sind.

Heiner Brockhaus (UWG) sagte, dass die Situation in Klein Hesepe anders zu beurteilen ist. Hier seien in mehr als 40 Jahren seitens der Behörden viele Fehler gemacht worden. Darunter sollten die Bewohner nicht zu leiden haben.

Lothar Achenbach (SPD) schlug eine Änderung des Bebauungsplans für das Gebiet Am Tierpark vor. Franz-Josef Sahnen (CDU) sagte, hierfür benötige man die Bestandsaufnahme, die die Gemeinde vom Landkreis fordert. Es gelte Fragen zum Brandschutz, die Qualität von Wegen und bauliche Veränderungen zu berücksichtigen. Die Aufforderung an den Landkreis wurde bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme beschlossen.

Unter den Zuhörern der Ratssitzung befanden sich einige ältere Bewohner des Gebiets Am Tierpark. Sie beklagen, dass sie seit Langem von den Behörden geduldet in den Häusern wohnen, teils seit 40 Jahren. Sie seien weder von der Gemeinde noch vom Landkreis Emsland ausreichend informiert worden. Alternativen zum kostengünstigen Wohnen im Wochenendhaus gebe es für sie als Rentner nicht.


Das Gebiet „Am Tierpark“ ist von der damaligen Gemeinde Groß Hesepe 1971 mit einem Bebauungsplan zum „Wochenend- und Erholungsgebiet“ erklärt worden. Ein Meppener Unternehmer hatte hier an im Wald gelegenen Seen einen Tierpark, einen Ponyhof mit Restaurant und ein Freibad, sowie ein Wochenendhausgebiet und einen Campingplatz angelegt. Von Anfang an gab es Rechtsstreitigkeiten, weil Erwerber die kleinen Gebäude mit 70 bis 90 Quadratmetern Wohnfläche dauerhaft bewohnten. Einzelne Erwerber setzten in Gerichtsverfahren ein Dauerwohnrecht durch. Weitere Verfahren wurden wegen illegaler Anbauten an die Gebäude geführt. Der Landkreis Emsland setzte 1989 einen Abriss von 15 illegalen Anbauten durch, außerdem wurden 130 Rechtsverstöße auf dem Campingplatz festgestellt, die beseitigt werden mussten. Damals forderten die Betroffenen von der Gemeinde Geeste vergeblich die Umwandlung in ein Wohngebiet. Die Attraktionen des Feriengebiets, der Tierpark und der Ponyhof wurden in den 1980er Jahren geschlossen, die Teilflächen verkauft. 1993 sperrte der Erwerber des größten Sees den Zugang zum Gewässer.

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