Mein Job und ich: Fahrlehrer Sind Männer tatsächlich die besseren Autofahrer?

Von David Hartmann

Seit mehr als 30 Jahren ist Johannes Robben Fahrlehrer in Geeste und Osterbrock. Foto: David HartmannSeit mehr als 30 Jahren ist Johannes Robben Fahrlehrer in Geeste und Osterbrock. Foto: David Hartmann

Geeste. Seit mehr als 30 Jahren ist Johannes Robben Fahrlehrer in Geeste und Osterbrock. In der Serie „Mein Job und ich“ berichtet er, welches Geschlecht besser Auto fährt, ob er während einer Fahrstunde schon in einen Unfall verwickelt wurde und wie die Zukunft von Fahrschulen aussehen könnte.

Herr Robben, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Fahrlehrer zu werden?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich zum Fahrlehrer gemacht wurde. Ich bin eigentlich gelernter Kfz-Schlosser mit Meisterabschluss und habe bei der Bundeswehr gedient. Eines Tages kam der Kompaniechef zu mir und fragte, ob ich Lust hätte, Fahrlehrer zu werden. Bedingung war allerdings, dass ich anstatt meiner 18 Monate, mich auf vier Jahre verpflichten musste. Ich habe das Angebot daraufhin angenommen und war 1973 bei der Bundeswehr Fahrlehrer für alle Klassen. Nach acht Jahren bin ich ausgestiegen und habe mich hier in Geeste selbstständig gemacht. Aber seitdem habe ich große Freude an meinem Beruf. Vor allem die Arbeit mit den jungen Menschen und die Möglichkeit, sein Wissen zu vermitteln machen einfach Spaß. Von Zufall kann man bei meiner Berufswahl also nicht sprechen, aber von Anfang an geplant war es auf gar keinen Fall.

Auf den Dörfern herrscht eher weniger Verkehr. Wo finden Ihre Fahrstunden statt?

Ja das stimmt, viel Verkehr herrscht hier wirklich nicht. Die Theoriestunden mit den Schülern mache ich hier in Geeste bei mir zu Hause. Zudem habe ich noch eine Filiale in Osterbrock, wo meine Fahrschüler hinkommen können. Die Fahrstunden finden in den jeweiligen Prüfungsorten statt. Also in Meppen, Lingen oder Papenburg.

Sie als Fahrlehrer müssen es ja wissen. Welches Geschlecht fährt besser Auto?

Von einem eindeutig besseren Geschlecht kann man nicht reden. Es kommt immer ganz auf die jeweilige Person an. Es ist aber so, dass Männer eine eher draufgängerische Art beim Autofahren haben, das zeigt sich auch schon hier in der Fahrschule. Für mich ist es häufig angenehmer während der Fahrstunden mit Frauen zu fahren, da ich merke, dass sie sich leichter unterrichten lassen und schneller die Tipps und Anweisungen umsetzen können. Das Klischee, dass Frauen nicht Auto fahren können, kann ich keineswegs bestätigen. Aber von einem eindeutig besseren Autofahrer kann ich bei beiden Geschlechtern nicht sprechen.

Gab es in Ihrer Fahrschule einen besonders harten Fall?

Natürlich gibt es mal mehr oder minder begabte Fahrschüler, aber an diesen Aufgaben wächst man, da zeigt sich die Erfahrung. Ich habe auch schon Schüler gehabt, die 60, 70 oder auch einmal 80 Stunden brauchten. Sie haben aber genauso ein Anrecht auf die Fahrstunden, wie jeder andere Schüler. Einen besonderen Fall hatte ich aber schon. Vor ein paar Jahren hatte ich einen etwas älteren Fahrschüler, so um die 30, und er brauchte ebenfalls viel Zeit für Theorie und Praxis. Es gibt manchmal Menschen in deren Leben einfach nichts gelingen will, die Pech mit so ziemlich allem haben. Da passieren Dinge im Leben, die unaussprechlich sind. Bei meinem Schüler war es leider auch der Fall. Nach geraumer Zeit fand seine praktische Prüfung statt und er bestand sie auch tatsächlich. Ich habe noch nie in meinem Leben gesehen, wie jemand vor Freude so weinen konnte. Diese Prüfung hatte so viel Bedeutung für ihn, das lässt sich gar nicht in Worte fassen.

Haben Sie einen Geheimtipp gegen die Nervosität für die Fahrschüler?

Was heißt Geheimtipp. Wichtig ist, dass die Fahrschüler Routine entwickeln. Sie müssen sich bei dem, was sie machen, sicher sein. Und genau das hilft ihnen auch während der Fahrprüfung. Wenn sie es schaffen Sicherheit auszustrahlen und für eine ruhige Atmosphäre sorgen, macht es schon einen sehr guten Eindruck auf alle Beteiligten. Wer steigt auch schon gerne in ein Auto mit unsicherem und aufgeregtem Fahrer? Da herrscht schon von Anfang an eine sehr angespannte Stimmung und genau das sollte während einer Fahrprüfung immer vermieden werden.

Hatten Sie während einer Fahrstunde schon einen Unfall?

Ja, tatsächlich vor ein paar Jahren. Genau genommen war es nicht während einer Fahrstunde, sondern kurze Zeit später. Ich habe den Fahrschüler zurück nach Hause bringen wollen und ein anderer Verkehrsteilnehmer nahm uns die Vorfahrt. Wir sind also frontal in das Auto reingefahren, haben aber ordentlich Glück gehabt. Unser Auto war zwar einen Meter kürzer und ich habe mir eine Rippe gebrochen, was ziemlich schmerzhaft war, aber dem Fahrschüler ist Gott sei Dank nichts passiert. Sowas muss ich nicht noch mal erleben.

Kommen wir nun weg von den jungen Fahrschülern. Gibt es auch Auffrischungs- oder Seniorenkurse bei Ihnen?

Nein, Extrakurse bieten wir hierfür nicht an. Vor einigen Jahren wurde ich von ein paar Leuten aus dem Ort zum Kaffeetrinken eingeladen und habe in dem Zusammenhang über die Neuerungen im Straßenverkehr berichtet. Häufig hört man von den Männern, dass sie ohne Probleme Auto fahren können. Bei den Frauen ist es allerdings anders. Sie sind vorsichtiger und können sich und ihre Fähigkeiten besser einschätzen. Aber in der Regel findet so etwas nicht bei uns statt. Vielleicht in den nächsten Jahren, wenn ich als Rentner mehr Zeit für so etwas habe. Allerdings halte ich Nachprüfungen in bestimmten Jahresabständen für sinnvoll. Vor allem in den Bereichen Erste Hilfe und Sehstärke wären regelmäßige Auffrischungen und Kontrollen abseits der Fahrschule äußerst wichtig.

Wie sehen Sie die Zukunft von Fahrschulen? Werden Fahrschulen durch autonomes Fahren verdrängt?

Die ganzen Assistenzsysteme, seien es Tempomat oder Spurhalteassistent, erleichtern den Fahrzeughaltern die Fahrt. In zehn oder 20 Jahren wird die Technik noch um ein Vielfaches weiter sein. Da stellt sich tatsächlich die Frage, ob und inwieweit Fahrschulen noch benötigt werden. Ich denke schon, dass es Fahrschulen noch lange Zeit geben wird, aber vielleicht nur noch in abgeschwächter Form. Durch die immer fortschreitende Entwicklung glaube ich, dass es hier zum Wandel, in welcher Form auch immer, kommen wird.