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„Wir waren doch alle Freiwild“ Bernhard Süskind liest in Fürstenau aus seinem Buch

11.07.2014, 16:16 Uhr

jesc Fürstenau. Seine Lebensgeschichte hat der Fürstenauer Ehrenbürger Bernhard Süskind niedergeschrieben. „Wir waren doch alle Freiwild“ heißt das lesenswerte Buch. Es wird am Donnerstag, 17. Juli, um 19.30 Uhr im Alten Rathaus zu Fürstenau vorgestellt.

Das Vorwort zu diesem Zeitzeugenbericht schrieb Bernd Kruse. „Bernhard Süskind schildert in dem vorliegenden Buch auf eindrückliche Weise seinen Lebensweg von der behüteten Kindheit in dem beschaulichen Städtchen Fürstenau (...) über die traumatischen Erfahrungen während der nationalsozialistischen Zeit bis hin zu den Jahrzehnten in den Vereinigen Staaten von Amerika“, schreib Kruse.

In den Vereinigten Staaten fand Süskind zunächst Asyl und schließlich eine neue Heimat. Kruse, der seit Jahrzehnten Forschungen zur ehemaligen jüdischen Gemeinde Fürstenau betreibt, hebt besonders die Versöhnungsbereitschaft Bernhard Süskinds trotz seiner schlimmen Erfahrungen in Deutschland in den Jahren von 1933 bis 1939 hervor. In vielen Gesprächen in Fürstenau erschloss Süskind zahlreichen Bürgern Fürstenaus das schwierige und jahrzehntelang verdrängte Kapitel von 1933 bis 1939 der Geschichte.

Aus diesem Geist der Versöhnung heraus nahm Bernhard Süskind im Jahre 2000 die ihm von der Stadt Fürstenau angetragene Ehrenbürgerschaft an.

„Die Geschichten, die Bernhard Süskind schriftlich fixiert hat, sind ein bleibendes Vermächtnis“, betont Bernd Kruse. Das im Eigenverlag erscheinende Buch ist seiner Familie gewidmet und erinnert an die ermordeten jüdischen Bürger der Stadt Fürstenau.

„Viele Stationen meines Lebens finden sich in den Lebensläufen der zahlreichen jüdischen Familien wieder, die vor dem Zweiten Weltkrieg in den kleinen Dörfern in Deutschland und Europa gelebt haben. Ich empfand die Auswirkungen des Nationalsozialismus dort als besonders schlimm, da sich jeder persönlich kannte und die jüdischen Familien auf gute Beziehungen und Kontakte mit ihren christlichen Mitbewohnern angewiesen waren“, schreibt der Autor in seinem Vorwort. Eindringlich schildert er in seinem Buch das Verhalten der Nationalsozialisten gegenüber den Bürgern jüdischen Glaubens. Er geht dabei auf die Vorkommnisse in Fürstenau ebenso ein wie auf die Erlebnisse im Konzentrationslager Buchenwald und die erzwungene Auswanderung über Schweden in die USA. Nicht nur in Buchenwald wurden Mord, Totschlag und Schikane seine ständigen Begleiter. Weiterhin stellt Bernhard Süskind die sich anschließenden Lebensabschnitte dar.

Bernhard Süskind wurde am 6. Oktober 1921 in Fürstenau geboren und besuchte hier die Schule. In Hamburg begann er eine Schlosserlehre. Die Nationalsozialisten verhinderten einen Abschluss. Im Zusammenhang der Wirrungen der Reichspogromnacht am 10. November 1938 wurde er in Fürstenau gefangen genommen, im Alten Rathaus eingesperrt und später nach Osnabrück überführt. Dort wurde er in den Gestapokeller gesperrt und sodann dem Konzentrationslager Buchenwald zugeführt. Er wurde mit der Auflage, Deutschland innerhalb von zehn Tagen zu verlassen, entlassen. Es gelang ihm 1939, über Schweden in die USA zu gelangen. In den Vereinigten Staaten bürgte jemand für ihn. 1945 kam er als amerikanischer Soldat nach Deutschland zurück. Jetzt lebt er auf Long Island im Staat New York.

Der Autor wird aus seinem Werk lesen und anschließend für ein Gespräch zur Verfügung stehen. Die von der Stadt und vom Heimatverein veranstaltete Buchpräsentation wird musikalisch begleitet von Elena Pushkareva . Im Anschluss sorgt die Gemeinnützige Initiative Jugendarbeitslosigkeit (Gija) für einen kleinen Imbiss.