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Die Sache mit dem Mercedes GTS Wie Björn Weber in Fürstenau Autos tunt und aufbereitet

Von Jürgen Ackmann | 10.01.2022, 14:53 Uhr

Er hatte einen sicheren Job beim Landkreis Emsland, nun tunt und bereitet Björn Weber in Fürstenau Autos und Lkw auf. Reifendressing, Folierung, Armaturenpflege – all das gehört dazu. Und Chemie-Kenntnisse.

Björn Weber kommt aus der Tuningszene. Er erkennt beispielsweise bei einem Audi A4 auf den ersten Blick, ob es sich um einen B8 oder um einen B7 handelt. Für ihn kein Buchstaben- und Zahlensalat, sondern zusätzliches Wissen. Natürlich ist er auch beim Saisonauftakt der Tuningszene am Wörthersee in Österreich dabei. Und bei der Essener Motorshow sowieso, wo er im vergangenen Jahr einen vom ihm aufbereiteten Audi vorgestellt hat. Tuner durch und durch.

Die Leidenschaft für Autos teilt er mit seinem Vater Werner. Der gelernte Kfz-Meister habe ihn schon mit fünf, sechs Jahren "autoverrückt" gemacht, sagt Björn Weber. Habe mit ihm Formel 1 geschaut. Und habe ihn außerdem beim Kartclub in Holdorf angemeldet. Auch die Pflege von Autos ist ihm seit Kindesbeinen an vertraut. "Mein Vater hat jede Woche sein Auto gewaschen und poliert. Ich war immer dabei", sagt der 38-Jährige, der in Lengerich im Emsland wohnt.

Das hielt ihn aber nicht davon ab, eine Ausbildung zum Verwaltungsfachmann beim Landkreis Emsland zu machen. Bis zum 31. Dezember 2021 hat er dort noch gearbeitet. Jetzt ist er endgültig sein eigener Chef. "B.W. Detailing" heißt seine Firma, die ihren Sitz an der Werner-von-Siemens-Straße 11 in Fürstenau hat. 2019 hat er sie gegründet – zunächst in der heimischen Garage.

2019 Halle angemietet

Das war notwendig geworden, weil sich in den Jahren zuvor immer mehr herumgesprochen hatte, dass Björn Weber ein Händchen und das notwendige Fachwissen für die Aufbereitung von Autos aller Art hatte. "Es kamen immer mehr Leute zu mir", erzählt der 38-Jährige. Da habe er etwas machen müssen.

Also meldete er zunächst ein Kleingewerbe an, zog 2019 mit seinem Betrieb nach Fürstenau in eine Halle um. Auch dort reichte der Platz nicht lange. Er mietete einen weiteren Teil des Gebäudes dazu. Der besondere Vorteil: die Werkstatträume haben Fußbodenheizung. Das sei für das Aufbereiten von Fahrzeugen ideal, erklärt der 38-Jährige.

Auch Autohändler melden sich

Fünf Mitarbeiter hat Björn Weber inzwischen. Auch seine Frau Sarah arbeitet im Betrieb und kümmert sich um die Büroarbeiten. Noch immer ist der 38-Jährige ein wenig überrascht, wie gut sich der Betrieb in so kurzer Zeit entwickelt hat. "Das ging ab wie eine Rakete, wir sind ständig ausgebucht", sagt er. Die Kunden kämen unter anderem aus den Landkreisen Cloppenburg, Vechta, Emsland und Steinfurt – und natürlich aus dem Osnabrücker Land.

Auch Autohäuser meldeten sich beim ihm, um Fahrzeuge aufpolieren zu lassen. Darunter sei ein SUV der Mercedes-G-Klasse gewesen – das Ausstellungsstück eines Cloppenburger Autohauses mit mattem Lack. Den aufzubereiten, sei eine besondere Herausforderung gewesen und erfordere spezielles Wissen.

Es kämen aber keineswegs nur Tuningfans. Von der Oma Else mit ihrem Corsa bis zum Mercedesfahrer sei alles dabei, betont Björn Weber. Manche wollten nur eine Schnellpflege, andere das komplette Programm mit Polierung, Motorreinigung und Armaturenpflege. Zu allen versuche er ein freundschaftliches Verhältnis aufzubauen. "Keiner ist eine Nummer", betont er.

Darüber hinaus gebe es Kunden, die Besonderes wünschten. So hat Björn Weber vor einigen Wochen einen Mercedes GTS 63s AMG in der Farbe "Liquid Green Mamba" foliert – also mit einer besonders dünnen Fahrzeugfolie überzogen. Dazu habe er das Auto mit neuen, maßgefertigten und mehrteiligen-22 Zoll-Felgen ausgestattet.

Damit nicht genug. Die komplette Bremsanlage des Mercedes sei zerlegt und in Gold lackiert worden. "Das war schon ein Highlight", sagt Björn Weber. Der Gesamtpreis: 13.000 Euro. Eine Sache für Liebhaber.

Björn Weber selbst fährt einen Golf 7 GTD Variant mit besonders tiefem Gewindefahrwerk. Er sei zugleich ein Aushängeschild für die Firma. Björn Weber überlegt allerdings, ob er sich im kommenden Jahr eventuell ein Elektroauto zulegt, beispielsweise einen Tesla Model 3. Wichtig sei ihm, dass das Auto kein typisches E-Auto-Design habe und dass es über eine ausreichende Reichweite verfüge. "Wenn ich nach Hamburg fahre, möchte ich nicht unterwegs einen Lade-Stopp einlegen müssen", sagt Björn Weber. Überdies überlege er, auf dem Firmengelände eine Ladesäule einzurichten.

"Car-Freitag" am 15. April geplant

Bereits Mitte Januar wird der 38-Jährige neben der Werkstatt einen neuen Shop mit 400 Pflegeprodukten und Düften eröffnen. Die gebe es nicht in Baumärkten, erklärt Björn Weber. Im Shop zeige er außerdem via Bildschirm, wie die richtige Pflege von Lack und Leder bei Autos funktioniere. Da gebe es einiges zu beachten – so wie bei seiner Arbeit auch. Richtiges Polieren oder das Abkneten von Teerresten, Vogelkot oder Flugrost auf dem Lack von Autos habe viel mit Chemie zu tun. Er habe eine ganze Reihe von Fachseminaren besucht, um sich weiterzubilden – auch zum Thema Folieren.

Weiterhin möchte Björn Weber am 15. April einen "Car-Freitag" veranstalten. Dazu hatte er Kontakt zum Freizeit- und Ferienpark Fürsten Forest aufgenommen. Ob die Veranstaltung dort nach dem Besitzerwechsel im Dezember noch stattfinden könne, müsse er abwarten, so Björn Weber. Er habe aber auch noch einen anderen Standort im Blick. Beim "Car-Freitag" könnten sich unter anderem Clubs wie die Käferfreunde aus Fürstenau präsentieren. Außerdem seien Autobewertungen geplant.

Darüber hinaus werde es im August 2022 wieder eine Oldtimer-Show geben – nicht in der Innenstadt, die saniert wird, sondern im Bereich des Bürgerparks am Schloss. Das sei eine ideale Kulisse, freut sich Björn Weber. Gespräche mit der Stadt Fürstenau seien bereits geführt worden. Er freue sich bereits jetzt. In der Zwischenzeit wird er weiter an seinem Unternehmen arbeiten.