Ein Artikel der Redaktion

Verein „Hortus animalis“ Das Haus der Hunde in Fürstenau

21.01.2016, 17:01 Uhr

Ich werde von Hundebellen begrüßt, als ich den Hof in Fürstenau betrete. Skeptisch, neugierig, aufgeregt. Vielleicht ein bisschen angsteinflößend für den ein oder anderen. Auf der riesigen Fläche rund um das Haus stehen umzäunte Ausläufe, in denen große Hunde an die Zäune springen, wedelnd und bellend. Sie begutachten mich aus der Ferne und verteidigen ihr Revier. Direkt daneben befindet sich eine Wiese mit Schafen, die seelenruhig grasen. Zugegeben, es war nicht ganz einfach herzufinden. Weit außerhalb mitten im Nirgendwo.

Eine Frau kommt lächelnd aus dem Haus gelaufen und reicht mir die Hand. Andrea Wachsmann, die Vorsitzende des Tierschutzvereins „Hortus animalis“ in Fürstenau und des Tierheims, vor dem ich gerade stehe. Ich habe es mir ein wenig anders vorgestellt. Kleinere Zwinger und weniger Auslauf.

Wir gehen über den zugeschneiten Hof, und ich beginne sie, direkt mit meinen Fragen zu löchern. Seit 2003 gäbe es diesen kleinen Verein, der sich um tierische Notfälle und insbesondere Hunde kümmere. Fälle, meist mit einer traurigen Vergangenheit, die Misshandlungen erfahren haben und deshalb Verhaltensauffälligkeiten zeigten. Schicksale, die aufgegeben wurden, sei es vom Halter oder anderen Tierheimen.

Die Tiere haben viel durchgemacht

Der Verein „Hortus animalis“ nimmt Hunde auf, die als gefährlich eingestuft wurden. Kampfhunde beispielsweise, die Maulkorb oder Leinenzwang haben und im schlimmsten Falle vor ihrer Einschläferung standen, wie sie mir erzählt. Acht Hunde habe sie zurzeit in der Vermittlung, doch es sei oft schwer, das richtige Zuhause zu finden. Viele von ihnen müssten erst wieder Vertrauen aufbauen und bräuchten deshalb eine erfahrene Hand, die sich nicht sofort einschüchtern lasse, wenn die Hunde sich ausprobierten. „Jedes Tier hat doch ein gutes Wesen, man müsse nur Zugang finden. Wer weiß, was ein solches Tier in seinem Leben schon durchmachen musste“, sagt Andrea Wachsmann.

Und tatsächlich: Zu jedem Hund hat sie offenbar Vertrauen aufgebaut, denn als wir vor den Ausläufen stehen, fangen die Hunde wie wild an zu wedeln. Plötzlich wirken die großen Tiere gar nicht mehr so angsteinflößend, und am liebsten hätte ich sogar ein paar gestreichelt. Ich erfahre, dass es auch ihr manchmal nicht ganz einfach falle, Zugang zu den Hunden zu finden: „Aber mit etwas Erfahrung, sehr viel Zuwendung und strammen Zügeln kann man zu jedem Hund Vertrauen aufbauen.“ Und: Es gebe keine Kampfhunde. Sie würden vielmehr von Menschen dazu gemacht. Sie könnten auch zu freundlichen Tieren erzogen werden.

Der Arzt muss manchmal Geduld haben

Das spiegelt auch das wieder, was ich denke. Und wenn ich mich so umsehe, finde ich keine blutrünstigen Bestien, die mit ihren Zähnen fletschen, sondern Hunde, die sich freuen, ihre Pflegerin zu sehen. Obwohl ich eine völlig fremde Person bin, werde ich kein einziges Mal angeknurrt. „Leider können wir nicht jedem Hund die Zuwendung geben, die er benötigt, nicht jedes Tier bekommt genug Auslauf oder Verhaltenstraining“, erklärt Andrea Wachmann weiter. Dafür habe sie leider zu wenig Unterstützung. Auch Impfungen und bei einigen Hunden erforderliche Operationen seien sehr kostspielig. „Der Arzt muss manchmal sehr viel Geduld haben, bis wir ihm sein Geld vollständig zurückzahlen können.“

Deshalb bemüht sich die Tierschützerin, die Hunde so schnell wie möglich zu vermitteln, und zwar bundesweit. Egal, ob München oder Berlin – sie fahre zu jedem infrage kommenden Halter selbst, um sich zu vergewissern, dass die Chemie zwischen Mensch und Hund stimme.

Ich bin bewegt, wie viel Engagement diese Frau aufbringt. Trotzdem ist sie ganz bescheiden, möchte für ihre Arbeit nicht mal Anerkennung oder Lob. Ihr ist es eher unangenehm, als ich ihr meinen größten Respekt ausspreche. Nachts arbeite sie, damit sie am Tag für die Tiere sorgen kann, sagt sie. Trotzdem sei ihre Zeit einfach zu knapp. Und auch sonst fließe das meiste Geld, das sie verdiene, in den Verein und das Tierheim, in dem sie außerdem wohne, um sich intensiver kümmern zu können. Viele wüssten zudem nicht, dass der Verein in Fürstenau existiere. Er habe auch nur wenige Mitglieder.

Unterstützung willkommen

Auch ich wusste nichts von dem Verein, bis ich vor einigen Tagen angefangen habe, das Thema zu recherchieren. So viel steht fest: Der Hof könnte viel mehr Unterstützung gebrauchen – nicht nur in Form von Geld. Auch Futterspenden oder Hilfe bei der täglichen Arbeit, wie dem Bau neuer Hundehütten, wären wichtig. „Wir bräuchten mehr Erfahrene, die sich bereit erklärten, einzelne Hunde auszuführen. Besonders wichtig wäre aber auch das Verständnis für unsere Arbeit”, erzählt Andrea Wachsmann.

Als ich zum Schluss nach einem Foto frage, ist Andrea Wachsmann zuerst unsicher, denn sie sei nicht der Mensch, der gerne in der Öffentlichkeit stehe, außerdem sei das, was sie mache, nichts Besonderes. Doch dann willigt sie ein und holt einen Hund aus dem Auslauf. „Nea”, erklärt sie mir. „Eine verspielte Kaukasin, mit ordentlich Zugkraft.” Die junge Hündin schnüffelt kurz an meiner Hand, dann bin ich Luft und mache mein Foto. „Wenn wir Glück haben, wird Nea schon am Samstag vermittelt.” Das kann ich nur hoffen, verabschiede ich mich. Ein wirklich tolles Tier und eine wirklich tolle Frau, denke.

 Weitere Infos: wwww.hortusanimalis.de