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Dankgottesdienst zum Abschied Thuiner Schwestern haben Fürstenau verlassen

Von Cristina Schwietert | 29.09.2019, 18:15 Uhr

Der Konvent der Thuiner Franziskanerinnen vom heiligen Märtyrer Georg zu Thuine im Alten- und Pflegeheim St. Reginenstift ist kurz vor dem Abriss der alten Gebäude aufgelöst worden, weil es zu wenig Nachwuchs gibt. Die letzten Schwestern sind mit einem Gottesdienst verabschiedet worden.

„Das Haus ohne die Schwestern kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen“, sagte Angelika Wencker, ehemaliges Kuratoriumsmitglied des Fürstenauer St. Reginenstiftes, als die Schwestern, begleitet von zahlreichen Mitschwestern, mit einem Dankgottesdienst in der voll besetzten Katharinenkirche verabschiedet wurden. Vielen alteingesessenen Fürstenauern in der Kirche ging es ähnlich wie Angelika Wencker.

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Emotional wurde es, als die pastorale Koordinatorin Christiane Becker mit den Mitgliedern des Kirchenvorstandes Bernd Haferkamp und Burkhard von Schorlemer sowie Rendant Gregor Wegemester den Ordensfrauen zum Abschied Blumen überreicht. Zuvor hatte es nach der Ansprache des ehemaligen Kuratoriumsmitgliedes Reinhard von Schorlemer stehende Ovationen für die Ordensfrauen gegeben.

127 Jahre sei es her gewesen, so von Schorlemer, dass die ersten drei Franziskanerinnen vom heiligen Märtyrer Georg zu Thuine nach Fürstenau kamen, um im damaligen katholischen Krankenhaus ihren Dienst zu tun. „Weit über 100 Ordensfrauen haben so seit 1892 segensreich und aufopferungsvoll in Pflege und Seelsorge gewirkt. Zuerst im Krankenhaus und später im Alten-und Pflegeheim. Sie haben zwei Weltkriege und eine Diktatur erlebt – ihre Grundhaltung aber blieb immer die gleiche,“ umschreibt von Schorlemer das Wirken der Ordensfrauen.

Hilfe für Juden

Zwei Ereignisse aus der Nazizeit bedürften einer speziellen Erwähnung: Zahlreichen verfolgten jüdischen Fürstenauern hätten die Ordensfrauen im Krankenhaus heimlich Unterschlupf gewährt und Essen gebracht, so habe es der damals 17-jährige Fürstenauer Bernhard Süskind berichtet. Und als die Alliierten in den letzten Kriegstagen anrückten, da sei es Schwester Assunta gewesen, die in bestem Englisch und einer weißen Fahne die Soldaten bat, Fürstenau zu verschonen, was ihr auch gelungen sei. Von Schorlemer: „Die Thuiner Schwestern haben damals wie heute Verantwortung übernommen, das wird nicht vergessen“.

Hubert Schütte, leitender Pfarrer an St.Katharina zu Fürstenau, dankte den Ordensfrauen, „die hier gelebt, gearbeitet und gebetet haben.“ So viele Jahre hätten sie sich abgemüht in der Stadt und Samtgemeinde Fürstenau, dass es nicht leicht sei, nun davon Abschied nehmen zu müssen. „Aber alles hat seine Zeit, auch das Loslassen“, so Pastor Schütte.

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Christiane Becker verlas einen Brief von Bischof Franz-Josef Bode, der den Thuiner Schwestern dankte, sie hätten Geist und Gesicht der Region geprägt. Gisela Snöink, Hausleitung des St. Reginenstiftes, bekräftigte: „Sie sind der gute Geist des Hauses gewesen. Wir werden sie vermissen und uns an diese Zeit erinnern.“

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