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Rücklage-Töpfe Finanzen: Offene Fragen beim Kirchenkreis Bramsche

Von Jürgen Ackmann | 25.09.2014, 20:31 Uhr

Der 1. Januar 2013 war ein wichtiger Tag für den evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Bramsche. Da ist er um jene acht Gemeinden gewachsen, die bis dahin zum Kirchenkreis Melle gehörten. Dass die Eingliederung auch eine Herausforderung sein würde, war allen klar. Sie ist bis heute geblieben. Auch in finanzieller Hinsicht. Hier gibt es derzeit deutlich mehr offene Fragen als klare Antworten, wie die jüngste Sitzung des Kirchenkreistages im Gemeindehaus St. Georg in Fürstenau zeigte.

Die Ausgangsfrage ist eigentlich simpel. „Wie viel Geld bekommen die acht Kirchengemeinden aus dem Wittlager Land anteilig aus den Rücklage-Töpfen des ehemaligen Kirchenkreises Melle, der jetzt zu GMHütte gehört? Im Normalfall werfen da die Finanzexperten von beiden Seiten einen Blick in die Bücher, rechnen die Dinge auseinander und klären damit alle offenen Fragen. Das haben die Fachleute des Kirchenkreises Bramsche auch versucht. Doch alsbald schlugen die Eurowellen hoch. Wie sich herausstellte, waren in dem vorliegenden Zahlenmaterial aus dem Kirchenkreis Melle von 2010 bereits getätigte Ausgaben noch nicht eingepflegt worden, wie die zuständige Fachfrau vom Kirchenamt, Petra Burrey, in der Sitzung erläuterte. Es befinde sich also weniger Geld in den Rücklagen als zunächst angenommen. Beispielsweise seien Ausgaben für den Umbau eines Gemeindehauses in Höhe von 260000 Euro noch nicht verbucht gewesen. Kurzum: Die vorliegende Liste mit der Übersicht zu den Rücklagen – angefangen von der Baurücklage bis hin zur Partnerschaftsrücklage – habe so keine Aussagekraft, wie Petra Burrey betonte. Die insgesamt aufgelisteten 1,6 Millionen Euro seien von vornherein in dieser Höhe gar nicht vorhanden gewesen.

Was tun? Abwarten. Durch die vergleichsweise rasch vollzogenen Neuzuschnitte der Kirchenkreise im Osnabrücker Land sowie die Umstellung von der Kameralistik auf die kaufmännische Buchführung sind auch die Zeitpläne für die Verabschiedung der Finanzhaushalte ins Rutschen geraten. Bisher ist erst das Zahlenwerk für 2011 komplett abgearbeitet. Im Februar 2015 soll der Jahresabschluss für 2012 vorliegen. Erst dann gebe es eine verlässliche Diskussionsgrundlage, wie Petra Burrey den Mitgliedern des Kirchenkreistages erklärte. „Es ist gefährlich, zum jetzigen Zeitpunkt über Zahlenwerke zu reden“, betonte die Finanzfachfrau. Irritationen und Enttäuschungen seien programmiert. Es helfe auch nicht, sich beispielsweise die Daten aus den Jahren zuvor anzuschauen, um so erste Anhaltswerte zur Höhe der Rücklagen zu bekommen. Die Zahlen könnten sich stark verändert haben.

Dies erklärte Petra Burrey auch auf Nachfrage von Mitgliedern des Kirchenkreistages. Die hatten angeregt, eben die Zahlenwerke früherer Jahre als Orientierungshilfe heranzuziehen, was die Finanzexpertin aber mit dem wiederholten Verweis auf den fehlenden Abschluss für 2012 für problematisch hielt.

Also schweigen? Nein. Der Kirchenkreistag fasste nach einer längeren – trotz der Brisanz des Themas – sehr sachlichen Debatte den einstimmigen Beschluss, dass die Finanzausschüsse der Kirchenkreise Bramsche und Melle/GMHütte Kontakt miteinander aufnehmen sollten, um im Zuge der Gespräche ein einvernehmliches Ergebnis zu erzielen. Das Kirchenamt wird dafür zu gegebener Zeit alle relevanten Zahlen zur Verfügung stellen.

Superintendent Hans Hentschel freute sich über das Diskussionsergebnis – auch mit Blick darauf, dass die Kirchenkreise in der Region auch künftig miteinander gut auskommen müssen.