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Overhoff im Ruhestand Abschied vom „lebenden Inventar“ im Bersenbrücker Amtsgericht

Von Josef Pohl | 11.09.2011, 09:30 Uhr

Für Heinz-Georg Overhoff ist es schon ein ungewohntes Gefühl, als er an diesem Tag die vor ihm liegende Akte schließt. Ein letztes Mal schweift der Blick über die vor ihm stehenden Gesetzbücher und Kommentare, denn nunmehr ist nach mehr als48 Jahren im Dienste der Justiz Schluss.

Mehr als 100000 Akten dürften in den zurückliegenden fast fünf Jahrzehnten über seinen Schreibtisch gegangen sein. Für viele war der Fürstenauer „lebendes Inventar“ des Bersenbrücker Amtsgerichtes. Das Spezialgebiet des erfahrenen Diplom-Rechtspflegers waren Zwangsversteigerungen sowie Zwangsverwaltungs- und Grundbuchsachen. „Ich habe versucht, den Schuldnern zu helfen“, meint Overhoff bei seinem Blick zurück.

An seinem letzten Arbeitstag im Gericht kann sich Overhoff noch an so manche Anekdote aus früheren Zeiten erinnern, denn schließlich hatte er ja bereits am 1. April 1963 eine Ausbildung als Kanzleilehrling beim damaligen Fürstenauer Amtsgericht angetreten. Da habe er als Lehrling auch den Schlosspark harken oder auch schon mal Schafe durch die Stadt treiben müssen. Dann kommt die Sprache auf den Dackel von Richter Parisius. „Wenn der Dackel bellte, war der Angeklagte so gut wie verurteilt“, berichtet Overhoff. Und dann war da ja auch noch die Geschichte mit dem Oberstaatsanwalt, dem der Hund die Hose zerrissen hatte, oder mit dem Esel von Dr. Parisius – der angehende Ruheständler wusste so einiges zu erzählen.

Auch seine Erinnerungen von der täglichen Arbeit im Bersenbrücker Amtsgericht könnten Bücher füllen. Seit 1973 war er dort als Rechtspfleger tätig, denn da wurden die Amtsgerichte des Altkreises zusammengelegt. Neben Fürstenau und Quakenbrück verlor auch Bramsche, wo Overhoff 1972 als Justizin-spektor seine erste Planstelle angetreten hatte, den Gerichtssitz. Zuvor hatte er bereits die Ausbildung zum mittleren Beamten und ein Studium als Rechtspfleger erfolgreich abgeschlossen.

Und in Bersenbrück hatte er dann ein umfassendes Arbeitsfeld. Neben Insolvenzen befasste sich der Fürstenauer mit Nachlassangelegenheiten und war zudem noch über Jahre der örtliche Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft Osnabrück in Verhandlungen vor dem Einzelstrafrichter. Da ging es dann nicht nur um Trunkenheitsfahrten oder Diebstahl, sondern auch um Betrug. Dabei musste sich Overhoff auch mit der Herstellung von Wurstwaren auseinandersetzen und feststellen, dass der Norddeutsche seine Wurst nicht so fettig haben möchte wie zum Beispiel die Bayern.

Heute sei vieles im Internetzeitalter einfacher geworden, auch für die Rechtspflege, weiß Overhoff, der selbst in einem Italien-Urlaub noch für Prüfungen gepaukt hatte. Und auch in Zukunft wird er sich auch im Ruhestand neben seinen Oldtimern –BMW-Isetta und 2002 tii – mit der Rechtspflege befassen. Ein Mitteilungsblatt aus Bayern und eine Fachzeitschrift sollen ihn auf dem Laufenden halten.

Bei einer Verabschiedungsfeier, als Überraschung von den Mitarbeitern des Amtgerichtes organisiert, hatte Oliver Sporré, Direktor des Amtsgerichtes, die Verdienste des scheidenden Justizoberamtsrats gewürdigt. Und daran knüpft Sporré bei der Überreichung der Entlassungskurkunde aus dem aktiven Dienst noch einmal an. Er bescheinigt Overhoff neben hervorragenden Fachkenntnissen – die der eine oder andere Kollege bestimmt vermisse werde – ein großes persönliches Engagement sowie größtmögliche Flexibilität. Er entlasse seinen „obersten Rechtspfleger“ ungern in den Ruhestand.