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Keine Extrawürstchen Mimi aus Bippen und die Welt des Voltigierens

Von Jürgen Ackmann | 20.08.2014, 09:45 Uhr

2007 wäre Mimi fast gestorben. An multiplem Organversagen. Drei Jahre alt war sie da. Gesund ist sie auch heute noch nicht. Aber dafür mutig, fröhlich und der Welt mit vollem Herzen zugewandt. Sie möchte Leben. Und wie.

Seit 2005 lebt Mimi bei ihren Pflegeeltern in Bippen – der Familie Weeke. Die inzwischen Neunjährige – im Oktober wird sie zehn Jahre alt – hat einen Gen-Defekt und deshalb schon viel durchgemacht in ihrem Leben. Sie konnte sich motorisch nicht so schnell entwickeln wie andere Kinder ihres Alters. Und ihr Immunsystem funktioniert nicht richtig. Deshalb musste sie viele Infekte aushalten, die fast zu ihrem Tod geführt hätten.

Vor diesem Hintergrund war es schon fast ein kleines Wunder, dass Michelle Sabrina Schön – so ihr vollständiger Name – 2011 die Grundschule in Bippen besuchen konnte. In der Integrationsklasse lebte sie sich schnell ein. „Mimi will es wissen“, hieß damals die Überschrift im „Bersenbrücker Kreisblatt“.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Das zeigt auch ihre neue Leidenschaft – das Voltigieren. Wer auf dem Hof Küthe in Eggermühlen – den Ralf und Ulrike Böhmann gepachtet haben – in der Reithalle vorbeischaut, der wird staunen, mit welcher Selbstverständlichkeit Mimi auf Zoro turnt oder sich auf den Voltibock schwingt. Und das trotz der motorischen Probleme.

Mimi lässt sich nicht beirren, probiert aus und übt immer wieder. Ihre Liebe zum Voltigieren hat sie entdeckt, nachdem die Familie für ihr Pony Bronco auf dem Hof Küthe einen neuen Stall gefunden hatte. Sie schaute zunächst Kindern in der Reithalle einfach zu, wenn sie sich auf Volti-Turniere vorbereiteten. Eines Tages fasste sie ihren Mut zusammen und sprach Trainerin Tanja Evers an. „Darf ich mitmachen“, habe sie gefragt. Sie durfte. Es war der Anfang eines keineswegs alltäglichen Inklusionsprojektes.

Inzwischen ist Mimi festes Mitglied im Voltiteam. Unter der Regie von Tanja Evers, die Trainerin bei den Reitvereinen in Schwagstorf, Ankum und Eggermühlen ist und leistungsorientiert arbeitet, hat Mimi gleich beim ersten Turnier am 15. Juni in Ankum mit ihrer Mannschaft den ersten Platz belegt.

Besondere Extrawürstchen bekommt Mimi nicht. Lediglich das Auf- und Absteigen auf das Pferd muss sie nicht aus dem Lauf heraus machen. Und da sie manchmal etwas wackelig auf den Beinen ist, muss sie am Anfang und am Ende von Übungen auch nicht in Reih und Glied mitjoggen und mit durchgedrücktem Rücken still stehen. Mimi darf hinterhergehen, um sich dann einzureihen, sagt Tanja Evers. „Manchmal müssen wir da einfach ein bisschen erfinderisch sein, um solche Sachen hinzukriegen“, sagt Tanja Evers. Ansonsten aber werde Mimi wie alle anderen Turnierteilnehmer bewertet.

Das ist nicht nur Tanja Evers wichtig, sondern auch der Pflegemutter Elke Weeke. Sie hat in der Vergangenheit viel gekämpft, um ihrem Zögling ein Leben in der Mitte der Gesellschaft zu ermöglichen. Dank der engagierten Trainerin aus Schwagstorf, eines besonderen Teamgeistes unter den jungen Leuten und vieler Helfer ist Mimi nun auch beim Voltigieren voll integriert. Davon profitierten alle – behinderte und nicht behinderte Menschen, sind sich Tanja Evers und Elke Weeke sicher.

Nun steht für Mimi nach den Sommerferien der nächste große Schritt an. Nach ihrer Grundschulzeit wird sie die Waldorfschule in Evinghausen besuchen. Eine weitere Herausforderung. Mimi wird sie meistern.