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Interbelt freut sich über Experten Syrer ein Glücksfall für Fürstenauer Gürtelfabrikant

Von PM. | 04.06.2018, 17:56 Uhr

Der aus dem syrischen Aleppo stammende Lederfachmann Mahmoud Sido hat beim Fürstenauer Gürtel-Hersteller Interbelt eine neue Arbeitsstelle gefunden. „Ein Glücksfall für uns“, freut sich Unternehmenschef Rolf Ihmels.

Das Material Leder begleitet Mahmoud Sido seit seinem neunten Lebensjahr. Damals begann der heute 34-Jährige damit, in einer Schuhfabrik in Syrien Geld für seine Familie zu verdienen. Nun geht der syrische Flüchtling auch in seiner neuen Heimat wieder jeden Tag mit dem hochwertigen Naturprodukt um: Bei der Firma Interbelt in Fürstenau stellt er vor allem Ledertaschen her. Geschäftsführer Rolf Ihmels ist begeistert: „Mahmoud ist handwerklich ein absoluter Fachmann. Ich hoffe, dass er künftig einmal die Abteilung Taschenmanufaktur leiten wird“, so der Unternehmer.

Eigenes Unternehmen in Aleppo

In Syrien hatte sich Mahmoud Sido mit seinem Handwerk eine solide Existenz aufgebaut: In den letzten fünf Jahren vor seiner Flucht produzierte er mit 22 Mitarbeitern Schuhe im eigenen Unternehmen in Aleppo. Doch der Bürgerkrieg machte ein Leben in der syrischen Großstadt unmöglich: Schweren Herzens verkaufte er seinen Betrieb und machte sich mit seiner Frau und zwei kleinen Kinder auf den Weg nach Europa. Zunächst lebte die Familie einige Zeit in Istanbul, bevor sie im August 2015 nach einer gefährlichen Reise übers Mittelmeer in Griechenland ankam. Von dort ging es weiter über Mazedonien, Serbien und Ungarn bis nach Deutschland. Ein langer, mühseliger Weg zu Fuß, mit dem Bus oder der Bahn – besonders für die damals fünfjährige Tochter und den dreijährigen Sohn. Inzwischen ist die Familie gewachsen: Ein weiterer Sohn ist in Deutschland zur Welt gekommen.

„Keiner sprach mit uns“

Zunächst lebte die Familie in Bippen, dann zogen sie nach Osnabrück: „Wir wollten gern städtischer Leben“, erzählt Mahmoud Sido. Doch die Ernüchterung kam schnell: „Keiner sprach mit uns und wir saßen den ganzen Tag in der Wohnung“, erinnert er sich. Zurück in Fürstenau fand die Familie schnell Kontakte und lebte sich gut ein. Bei der beruflichen Eingliederung wurde Mahmoud Sido von der Maßarbeit unterstützt. Vermittler Daniel Haarannen hatte aufgrund der Biografie des Syrers sofort die Firma Interbelt als Arbeitgeber im Kopf, doch zunächst stand die Sprachvermittlung im Vordergrund. Ende 2016 startete der Familienvater in einen vom Land geförderten Sprachkurs, dann in ein ehrenamtliches Sprachangebot. Da er in seiner Heimat nur drei Jahre lang zur Schule gehen konnte, nimmt er nun seit rund einem Jahr an einem Alphabetisierungs- und Integrationskurs in Bersenbrück teil.

Geld für die Familie verdienen

„Mahmoud Sido wollte gern schnell wieder arbeiten: Deshalb nahm ich Kontakt zur Firma Interbelt auf, sobald erste Grundkenntnisse der deutschen Sprache da waren“, berichtet Maßarbeit-Vermittler Haarannen. Ein Verfahren, das häufig bei der Maßarbeit praktiziert wird: „Eine Mehrheit der Flüchtlinge will schnell auf eigenen Beinen stehen und selbst Geld für die Familie verdienen“, so auch die Erfahrung von Maßarbeit-Bereichsleiter Lars Hellmers. Durch gute Begleitung der Bewerber und der Unternehmen sei es dann sehr häufig möglich, den Spracherwerb nebenberuflich oder bei größeren Unternehmen auch im Betrieb zu gewährleisten.

Aussicht: ab Dezember in Vollzeit

So auch im Fall von Mahmoud Sido: Nach einem erfolgreichen Praktikum stellte Interbelt ihn zum 1. Januar 2018 auf Teilzeitbasis ein. „So kann er seinen Sprachkurs fortführen. Doch ab Dezember wird er Vollzeit arbeiten“, sagt Haarannen. Auch das Unternehmen ist damit zufrieden: „Für uns ist die Beschäftigung von Mahmoud Sido ein Glücksfall“, ist Firmeninhaber Ihmels überzeugt. Daran ändern auch die eigentlich noch nicht ausreichenden Sprachkenntnisse nicht: „Wir haben mit unserem Mitarbeiter Jusuf Bayrak einen kompetenten Übersetzer an Bord“, lacht Ihmels. Der junge Kurde aus der Türkei spricht ebenso wie Mahmoud Sido Kurdisch, sodass die Verständigung auch dann gewährleistet ist, wenn es auf Deutsch mal nicht so gut klappt.

Interbelt mit ökologischer Produktionslinie

Der Interbelt-Chef legt viel Wert darauf, dass seine Mitarbeiter sich wohlfühlen. Ihmels selbst begann seine berufliche Laufbahn 1979 im Familienunternehmen, einem Kunststoffgürtelhersteller. „Mein Versuch, die Produktion auf das Naturprodukt Leder umzustellen, scheiterte“, schildert er. Nach verschiedenen Zwischenstationen machte er sich schließlich 2005 mit dem Unternehmen Interbelt selbstständig. Wichtig ist ihm vor allem die ökologische Produktionslinie, die unter dem Namen Greenbelts am Markt bekannt ist. „Wir stellen die Gürtel und Taschen aus 100 Prozent pflanzlich gegerbtem Leder in unserer eigenen Fabrik her – dabei gibt es keine Chrom- oder beschichteten Leder“, skizziert Ihmels. Das Leder komme von europäischen Firmen – das garantiere alle Umweltstandards.

Schon selbst Taschen entworfen

Die Taschenproduktion ist dabei ein eher junger Geschäftszweig. Jedes Stück ist eine Einzelanfertigung. Die Mitarbeiterin, die hier eigentlich federführend tätig war, hatte den Betrieb im vergangenen Jahr verlassen – Mahmoud Sido füllt diese Lücke mehr als gut aus. „Er ist nicht nur handwerklich exzellent, sondern hat auch schon eigene Taschen entworfen“, betont der Chef.