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Hennig von Bar-Langelage Nachfolger Ludwig von Bar hört nach 27 Jahren an der Spitze der Landschaft auf

Von Jürgen Ackmann | 25.09.2018, 12:01 Uhr

27 Jahre hatte Ludwig von Bar das Amt des Präsidenten der Landschaft des ehemaligen Fürstentums Osnabrück inne. Nun hat der Meller es an den 62-jährigen Hennig von Bar-Langelage aus Bohmte übergeben.

Der Ursprung der Landschaften – insgesamt sechs gibt es in Niedersachsen – reicht bis ins Mittelalter zurück. Da traf es sich gut, dass die Amtsübergabe im altehrwürdigen Schloss in Fürstenau während des Landtages erfolgte. Im großen Sitzungssaal – gerahmt von den Porträts früherer Fürsten und Bischöfe in vollem Ornat – wickelte der Rechtsanwalt und Notar Ludwig von Bar zunächst ebenso entspannt wie routiniert die Tagesordnung ab. Die widmet sich neben den üblichen Regularien vor allem dem Hauptzweck der Landschaft – der Förderung des Gemeinwohls, ob es um Geschichte, Kunst, Wissenschaft oder Mildtätigkeit geht.

25.500 Euro schüttete die Landschaft für ihr Verbreitungsgebiet aus. So gehen in diesem Jahr 5000 Euro an die Stadt Fürstenau für die Restaurierung von Teilen der Schlossanlage. Weitere 5000 Euro erhält die Stadt Quakenbrück für die Restaurierung der Eingangstür zum Rathaus, das vor 200 Jahren errichtet worden ist. Die Stadt Bramsche wiederum bekommt 1500 Euro für die Reparatur der Kartschlagmaschine im Tuchmachermuseum, die Stadt Osnabrück darf sich unterdessen über 5000 Euro für das traditionelle Steckenpferdreiten freuen. 1500 Euro erhält das „Centrale ländliche Archiv im Altkreis Wittlage“ für den Aufbau einer digitalen Archiv-Bestandsführung. Auch die Stadt Melle geht nicht leer aus. Sie bekommt einen Zuschuss von 1500 Euro für die Restaurierung von alten Trachten. Schließlich gehen 3000 Euro an den Verein für Geschichte und Landeskunde, um die Osnabrücker Mitteilungen zu unterstützen, sowie 3000 Euro an den Landschaftsverband für die Justus-Möser-Tagung.

Auch Reinhard von Schorlemer verabschiedet sich

Nachdem die Mitglieder der Landschaft einmütig den Vorschlägen ihre Zustimmung erteilt hatten, war es an der Zeit, von der Routine abzuweichen – erst einmal nicht wegen Ludwig von Bar. Vielmehr galt es, den aus der Landschaft ausscheidenden Reinhard von Schorlemer aus dem Bippener Ortsteil Lonnerbecke zu würdigen. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete hat 54 Jahre mit seiner Frau Monika in der Landschaft mitgewirkt – mithin das älteste aktive Mitglied. Nun übernimmt Sohn Burghard. Ludwig von Bar würdigte Reinhard von Schorlemer als Mann der „alten Schule des Pflichtbewusstseins“, als Freund, der stets gute Ratschläge gegeben habe, und als großen Netzwerker, der viel Gutes für die Landschaft bewegte.

Der so Gelobte hatte wenig später Gelegenheit, sich zu revanchieren. Er tat dies in Abwesenheit des Landschaftsrates der Städtekurie der Landschaft, Wolfgang Griesert. Der hätte den Abschied von Ludwig von Bar würdigen sollen, doch ein Trauerfall hinderte ihn daran. Also sprang Reinhard von Schorlemer kurz entschlossen ein – die letzte Amtshandlung eines alten Freundes für einen alten Freund. Nach einem kleinen Streifzug durch die jüngere Geschichte der Landschaft – angefangen vom Verfassungsstatus für die Landschaft, den 1875 Kaiser Wilhelm I unterzeichnete, bis hin zur Umwandlung der Landschaften in Körperschaften des öffentlichen Rechtes nach dem Zweiten Weltkrieg – würdigte er die Verdienste von Ludwig von Bar. Er habe immer gut zuhören können, habe Gedanken anderer aufgenommen und sei nicht einfach der „vorwegreitende Präsident“ gewesen. Für die Landschaft sei der Abschied eine Zäsur, betonte Reinhard von Schorlemer. Ein erfolgreicher Zeitabschnitt gehe für die Landschaft zu Ende. Er sei sich aber sicher, dass der Nachfolger Hennig von Bar-Langelage – ebenfalls Rechtsanwalt und Notar sowie zudem Steuerberater – sich stets den Rat von Ludwig von Bar einholen könne. Nach diesen Sätzen standen die Mitglieder der Landschaft auf und spendeten lang anhaltenden Applaus. Dankbarkeit schwang mit, ein wenig Rührung ebenfalls.

Stehende Ovationen für den ehemaligen Präsidenten

Mit von der Partie im Fürstenauer Schloss waren auch Hermann Kasten, Vorstandsvorsitzender der VGH, und Friedrich von Lenth, Aufsichtsratsvorsitzender der VGH. Aus Hannover angereist, würdigten sie ebenfalls die Verdienste von Ludwig von Bar, der unter anderem in den Aufsichtsgremien der landwirtschaftlichen Brandkasse, der Provinzial Lebensversicherung, die zur VGH gehören, tätig war. Mit Herzblut und großen Engagement sei Ludwig von Bar stets bei der Sache gewesen, betonte Friedrich von Lenth.

Natürlich ergriff auch Ludwig von Bar das Wort. Er dankte allen, die ihm in den vergangenen 27 Jahren mit Sympathie und Wohlwollen begegnet seien und die ihm die Ausübung des Amtes leicht gemacht hätten. „Die Aufgabe war schön“, so Ludwig von Bar. Schlichter und treffender hätte er es nicht ausdrücken können.