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Elfjährige voltigiert Mimi aus Bippen fährt zu den Special Olympics nach Hannover

Von Christoph Schillingmann | 03.06.2016, 20:56 Uhr

Seit knapp zwei Jahren voltigiert Mimi Schön aus Bippen inklusiv im Reitverein Eggermühlen. Die Elfjährige ist trotz einer Entwicklungsverzögerung und gestörter Motorik festes Bestandteil des Volti-Teams. Nun nimmt sie vom 6. bis zum 10. Juni 2016 an den Special Olympics in Hannover teil.

Mimi ist nicht aufzuhalten. Wenn Pflegemutter Elke Weeke mit Michelle Sabrina Schön – so ist ihr vollständiger Name – auf dem Hof Küthe in Eggermühlen ankommt, läuft sie sofort zu ihrem Pferd Dobby Dumbledore. Es ist Dienstag. Mimi hat Volti-Training. Etwa zweimal pro Woche kommt sie dafür am Nachmittag nach Eggermühlen. Vormittags geht sie zur Schule. Inzwischen besucht sie die Johannes-Schule in Evinghausen – eine Förderschule mit Waldorf-Pädagogik. (Weiterlesen: Wenn ein behindertes Kind zur Grundschule gehen möchte)

Pflicht und Kür

Die beiden Trainerinnen Tanja Evers-Bünker und Annika Senff haben für Mimi schon alles vorbereitet, um zu starten. Sie übt fleißig, ist sehr ehrgeizig beim Training. In Hannover muss sie die Pflicht bestehend aus Grundsitz, Fahne, Innensitz, Außensitz und Knie voltigieren. Bei der Kür darf sie sich ihr Programm selbst zusammenstellen.

Schmusig und weise

Seit Oktober des vergangenen Jahres voltigiert sie auf dem Pferd Dobby Dumbledore. „Dobby ist zehn Jahre alt. Er ist so schmusig, ich kuschele gerne mit ihm“, sagt Mimi. Den Namen hat Dobby Dumbledore von Elke Weeke bekommen. „Ich bin fasziniert von den Harry-Potter-Büchern. Auf der einen Seite ist das Pferd so verschmitzt wie der Hauself Dobby, auf der anderen Seite hat er die Weisheit von dem Schulleiter Albus Dumbledore“, erklärt die Pflegemutter.

Mimi will ihr Bestes geben

Für Mimi ist es das erste große Turnier, an dem sie teilnimmt. „Ich freue mich schon riesig darauf und möchte mein Bestes geben“, sagt sie. Für Mimi und ihre Pflegeeltern kommt es nicht darauf an, welchen Platz die Elfjährige belegt. „Dass sie überhaupt teilnehmen kann und Spaß hat, das ist die Hauptsache“, sagt Elke Weeke. Am Montag steht zunächst ein freies Training auf dem Plan. Am Dienstag werden bei den Klassifizierungswettbewerben die Teilnehmerinnen in Gruppen eingeteilt, ehe am Mittwoch der Tag für Mimi kommt, auf den sie schon lange hinfiebert: das Finale. (Weiterlesen: Mimi und die Welt des Voltigierens)

Pflegeeltern feuern Mimi an

Mimi wird am Montagmorgen gemeinsam mit ihren beiden Trainerinnen, ihrem Pferd und Hund Paul nach Hannover fahren – ohne ihre Pflegeeltern. „Wir wollten erst mitfahren und haben hin- und herüberlegt. Aber dann haben wir uns gedacht, dass Mimi ihre eigenen Erfahrungen machen muss“, sagt Elke Weeke. „Sie kann uns aber immer anrufen und uns ihre Erlebnisse erzählen.“ Zum Finale am Mittwoch sind die Pflegeeltern dann aber natürlich vor Ort, um Mimi anzufeuern.

Fast gestorben

Sie lebt seit 2005 bei ihren Pflegeeltern Eckhardt und Elke Weeke in Bippen. Inzwischen ist sie elf Jahre alt, wird im Oktober zwölf. Sie hat in ihrem noch jungen Leben bereits viel durchstehen müssen. Sie hat einen Gen-Defekt, konnte sich motorisch nicht so schnell entwickeln wie andere Kinder in ihrem Alter und ihr Immunsystem funktioniert nicht richtig. 2007 wäre sie fast an multiplem Organversagen gestorben.