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125 Jahre Schornsteinfeger-Innung Glücksbringer vom Dach feiern Geburtstag

09.09.2011, 06:00 Uhr

Ihnen sagt man nach, dass sie das Glück ins Haus bringen: Schornsteinfeger sind demnach gern gesehene Gäste. 104 Betriebe haben sich mittlerweile im Osnabrücker Land und im Emsland etabliert. Sie alle haben heute etwas zu feiern: Vor 125 Jahren haben sich 15 ihrer Vorgänger zur Schornsteinfeger-Innung Osnabrück zusammengeschlossen. Heute ist die Innung fast siebenmal so groß und umfasst das gesamte Gebiet zwischen Osnabrück und Papenburg.

Damals ging es um das, was alle Handwerksbetriebe zur Zeit der Innungsbildungen verfolgten: sich als Einzelkämpfer zusammenzuschließen, um ihre Interessen gemeinsam effektiver zu vertreten und zu fördern. Natürlich gehe es darum auch heute noch, sagt der Sprecher der Schornsteinfeger-Innung Osnabrück-Emsland, Jens Wagener: „Aber die Innung ist heute auch aus einem anderen Grund wichtiger denn je.“ Sämtliche Schulungen und Fortbildungen sowie auch die Ausbildung der jungen Schornsteinfeger und Schornsteinfegerinnen – alles laufe über die Innung.

Seit 1993 gebe es ein gemeinsames Innungshaus in Fürstenau. Wagener: „Wir haben hier zwei top ausgestattete Schulungsräume.“ Alle Fortbildungs- und Schulungsangebote könnten hier zentral abgewickelt werden. Und davon gebe es angesichts der umfangreichen Neuerungen auf dem Energiemarkt jede Menge. „Bis 1965 war das noch anders“, bemerkt Wagener. Der meist verwandte Brennstoff sei damals noch Kohle gewesen. Die Schornsteinfeger seien also zu 95 Prozent mit dem Reinigen von Schornsteinen, Rauchrohren und Öfen beschäftigt gewesen.

Immer mehr Frauen

Mit dem Einzug der Öl- und Gasheizungen in den Häusern habe sich auch das Aufgabenspektrum der Schornsteinfeger verändert. „Umweltschutz ist damit ein zentraler Begriff geworden“, sagt der Innungssprecher und nennt Bestimmungen, Emissionsgrenzen und Grenzwerte, die durch die Haushalte eingehalten und durch die Schornsteinfeger kontrolliert werden müssten. Somit seien Schornsteinfeger mit den Jahren auch immer mehr zu unabhängigen Beratern in Sachen Wärmeerzeugung geworden. „Wir kontrollieren nur und verkaufen nicht“, sagt Wagener.

Derzeit umfasst die Schornsteinfeger-Innung Osnabrück-Emsland sieben Kreisgruppen. Und auch vor Ort in den Betrieben hat sich seit 1886 einiges getan: War es damals noch nicht mal denkbar, dass eine schwarz gekleidete Frau samt Werkzeug aufs Dach stieg und den Schornstein säuberte, ist es heute fast schon keine Ausnahme mehr. „Rund ein Viertel der Auszubildenden sind Frauen“, berichtet Wagener weiter. Während er sich mit dieser Zahl schon recht zufrieden zeigt, sieht es mit der Gesamtzahl der neuen Auszubildenden nicht ganz so rosig aus. „Als ich 1981 gelernt habe, waren wir noch 90 Lehrlinge in unserem Jahrgang“, erzählt der Experte. Heute belaufe sich die Zahl der Jugendlichen, die eine Ausbildung zum Schornsteinfeger begännen, eher auf 60 pro Jahr. „Das ist zu wenig. Wir suchen händeringend motivierte und gute Mitarbeiter“, sagt der Schornsteinfeger, der seinen eigenen Betrieb in Bad Essen hat. Was vielen Schulabsolventen wohl offensichtlich nicht klar sei: „Der Beruf ist heute nicht mehr einfach nur schwarz und rauchig. Inzwischen geht es auch um sehr viel Technik“, erklärt der Innungssprecher.

In der Osnabrückhalle kommen heute Abend Besucher aus allen 104 Betrieben aus den Kreisgruppen Osnabrück, Osnabrück-Land, Bersenbrück, Grafschaft Bentheim, Lingen, Meppen und Aschendorf-Hümmling und selbstverständlich Obermeister Alois Grafe zusammen, um ausgiebig den 125. Geburtstag der Innung zu feiern.