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Von Grillgut und Gummistiefeln Team Berge erreicht den „Holy Ground“ von Wacken

Von Hermann Brands | 01.08.2019, 17:57 Uhr

Wenn Wacken ruft, ist das „Team Berge“ startbereit. Alljährlich macht sich die eingeschworene Truppe auf den Weg nach Schleswig-Holstein, um ihrem Hobby zu frönen. Ob der Metal auch beim 30. Festival noch so richtig schön dröhnt, davon berichtet der Berger Arzt Hermann Brands. Hier sein erster Beitrag.

54° 1’′N, 9° 23’ O, das sind die exakten Koordinaten, die das Navi für unser Ziel heute Nacht angibt. Wieder ein Jahr des Wartens vorbei, langsam ist sie spürbar, die Unruhe, die die Fans der harten Musik im nördlichen Landkreis erfasst, wenn das erste Augustwochenende naht. Allerhöchste Zeit, finden die, die es nach Norden ins normalerweise beschauliche Örtchen Wacken zieht, das dann für eine Woche seine Einwohnerzahl von 2000 auf beinahe das Hundertfache steigern kann.

Planungschef Ingo hat die Organisation fest im Griff, alle Aufgabenzettel sind abgearbeitet, überlebenswichtige Grundnahrungsmittel wie Bier und Fleisch sind verstaut. Drei Neulinge sind dieses Jahr dabei, wenn man es genau nimmt, sogar vier. Wir haben den Fahrzeugpark wegen der zusätzlichen Mitreisenden um einen alten Zeltwohnwagen der Marke Klappfix aus der früheren DDR erweitert. „Camptourist“, so die offizielle Bezeichnung. Unser Quotensachse Rocco, schon im letzten Jahr dabei, hat hoffentlich das technische Knowhow für den zugegebenermaßen etwas komplizierten Aufbau.

Team Berge ist internationaler geworden, neben Westfalen und Sachsen haben wir Verstärkung aus Kettenkamp, Lüneburg und Rüsselsheim erhalten. Traut man den Prognosen, fahren wir in den Regen, wir sind gespannt, ob wir mal wieder an andere Jahre anknüpfen können – sicher ist sicher, einige haben Gummistiefel dabei.

Die Autobahn ist frei, die Fahrt beinahe komplikationslos, sieht man davon ab, dass am Horster Dreieck zwei Autos verloren gehen. Auf dem letzten Rastplatz vor Wacken finden wir uns alle wieder. Christian und Rocco mischen noch eine Horde Erdwespen auf, die den Parkplatz als ihr Revier betrachten. Zum Glück gibt es auf allen Seiten nur leicht Verletzte. Gemeinsam gehts dann in der Kolonne auf den „Holy Ground“ von Wacken.

Die Zeit drängt: Bis das Camp steht, dauert es immer etwas länger – zu viele Stangen, die man auf veschiedenste Weise zusammenstecken kann. Es ist Regen gemeldet. Der kommt auch, gerade, als wir uns ziemlich erfolglos bemühen, den DDR-Wohnwagen aufzubauen. Als der endlich steht, ist er ziemlich voll gelaufen, an Schlafen ist für heute Nacht in diesem Wohnwagen nicht zu denken.

Zum Glück will niemand schlafen, unser Wohnzimmer ist regendicht, das erste Fass angestochen, Pech, wenn man Becher vergessen hat. An der Tanke haben wir uns wohlweislich am Kaffeeautomaten mit Papierbechern eingedeckt, darin sieht das Bier aus wie Kaffee crema… Gegen fünf Uhr brechen wir auf zur Bändchenausgabe, dann tritt Team Berge geschlossen am einzigen offenen Beckspavillon an: Leute kennenlernen, den Morgen begrüssen und was dort sonst so möglich ist.

Ägypten und Metal?!

Ich lerne Selema kennen, den Bassisten einer Ägyptischen Metalband, die hier am Donnerstag auftritt. Ägypten und Metal, eine Kombination, die mir nicht sofort in den Sinn gekommen wäre. Aber in Ägypten, sagt Selema, gibt es eine sehr rührige Szene, die immer größer wird. Ich verspreche, mir den Auftritt anzuschauen.

Allmählich bröckelt die Anzahl der Standhaften, der Morgen ist zum Tag geworden, die Sonne brennt, der Durst immer weniger, gegen zehn kehren die letzten von uns ins Camp zurück. Irgendwer schnarcht. Mittlerweile ist selbst der Klappfix wieder trocken und bewohnbar…

Mit wenig Schlaf und großem Appetit widmet sich Team Berge seiner zweiten großen Aufgabe, dem Grillen. Es gibt etwas besonderes heute, Reh aus Christians Tiefkühltruhe, von mir eigenhändig gesalzen und gepfeffert, in Buttermilch eingelegt. Mit Olafs Grilltalent wird daraus ein sehr erfreuliches Geschmackserlebnis.

Ach ja, Musik gibt es natürlich auch auf Wacken. Zum Einstand etwas für ältere Ohren, wir hören UFO, The Sweet und Sisters of Mercy, irgendwer findet, dass die Musiker ganz schön alt geworden sind. Vielleicht ja nicht nur die Musiker. Unsere Wackenneulinge Fabian, Christian und Peter stellen fest, dass es sich auch wegen der Musik lohnt, nach Wacken zu fahren. Irgendwann geht der erste Mittwoch zu Ende, gegen ein Uhr gehen die meisten zurück ins Camp, es ist immer wieder bemerkenswert, wie viele unterschiedliche Wege es dorthin gibt. Und wie unterschiedlich lange manch einer dafür braucht. Aber bislang ist noch jeder zurück gekommen.

Aufstehen am zweiten Mittwoch dieser Woche, die anderen Tage haben wir für diese Woche schon vor Jahren abgeschafft. Es ist zu verwirrend, jedes mal nachzudenken, welcher Wochentag gerade ist. Ich beginne meinen Bericht, Ingo das traditionelle Rühreifrühstück, heut mit Krabben. Eine Kaffeemaschine haben wir vergessen, es gibt Prüttkaffee, das geht auch. Die Sonne brennt schon wieder, das Camp steht noch, die letzten freien Plätze füllen sich, auch wir warten noch auf Nachzügler.

Wer jetzt den Eindruck hat, es geht uns gut, dem würde ich zwar nicht völlig wiedersprechen, aber etwas fehlt uns doch. Es ist, von gestern Nacht abgesehen, völlig trocken auf Wacken! Team Berge grüßt Dietmar und Jens, die zu Hause bleiben mussten, wir werden sehen, ob sich im Laufe des Tages noch etwas gegen die Trockenheit machen lässt. Mehr davon morgen…