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Ein Neuanfang im Süden Harald Münch schließt seine Gärtnerei in Fürstenau

Von Jürgen Ackmann | 20.09.2019, 17:01 Uhr

Harald Münch wagt einen Neuanfang. Der 48-jährige Fürstenauer wird zum 30. Oktober 2019 seine Gärtnerei an den Schanzen in Fürstenau schließen, die die Familie seit fast 50 Jahren führt.

Über den Jahreswechsel wird Harald Münch nach Stuttgart ziehen, wo sein Partner Jens Renne in Kürze eine Stelle als Leiter der Notfallaufnahme im dortigen Klinikum antreten wird. Was Münch selbst machen wird? Das lässt er auf sich zukommen.

Es ist ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Dort, wo in den Gewächshäusern schon die Weihnachtssterne leuchten und die Priemeln sprießen müssten, sind die langen Pflanztischreihen weitgehend leer. Auch sonst muss alles bis zum 30. Oktober 2019 raus. Die Kräuter, die Blumentöpfe, die Deko, das Mobiliar. Die Kundschaft bedauert das. Viele Fürstenauer waren fassungslos, als sie hörten, dass der Traditionsbetrieb schließt. Nun können beispielsweise die Kegelvereine nicht mehr am Samstagabend noch schnell Blumensträuße ordern, die sie vergessen haben, rechtzeitig zu bestellen. Service, der heute rar ist. „Wir haben uns stets bemüht, den Kunden entgegenzukommen“, sagt Harald Münch. Eine Untertreibung.

Verändertes Kaufverhalten

Warum Harald Münch schließt, hat er an der Eingangstür zum Geschäft und auf dem Verkaufstresen schwarz auf weiß hinterlegt. „Sowohl die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als auch das Kaufverhalten unserer Kunden haben sich im Lauf der Zeit so stark verändert, dass wir den Betrieb nicht mehr kostendeckend fortführen können“, heißt es da. Was Harald Münch damit meint, erläutert er bildlich. Als er vor 13 Jahren das Geschäft von seinem Vater Hartmuth und seiner Mutter Renate übernommen habe, habe er einen Euro mit dem Binden von Schnittblumen verdient, einen Euro mit Topfblumen, einen Euro mit saisonale Pfanzen und einen Euro mit Friedhof und Beerdigung.

Vier Säulen, auf die Verlass gewesen sei. Inzwischen verdiene er mit der Trauerbinderei und dem Bepflanzen von Gräbern praktisch nichts mehr – Blumenschmuck werde immer weniger genutzt, die Gräber würden mit Steinen bedeckt. Auch bei den saisonalen Pflanzen sowie bei den Topfblumen komme er nur noch auf 75 Cent, bei den Schnittblumen seien es zwei Euro. Das reiche wirtschaftlich nicht mehr, zumal sich das Kaufverhalten weiter ändere, so Harald Münch. Er habe deshalb beschlossen, das Geschäft zu schließen, und zwar bevor er in wirtschaftliche Not gerate. Ohnehin gebe es in der Region eine Reihe weiterer Betriebe, die bald schließen würden – aus ähnlichen Gründen.

Abrissbagger wird kommen...

Und wie geht es mit den Gebäuden weiter? Es gebe inzwischen einen Interessenten für das Ladenlokal, berichtet Harald Münch. Die beiden anderen Flächen, auf denen die Gewächshäuser stünden, würden geräumt, sprich, der Abrissbagger wird kommen. Die Friedhofsgärtnerei wird Harald Münch unterdessen noch bis zum Ende des Jahres weiterbetreiben, wie er versichert. Dann werde ein Nachfolger seine Arbeit übernehmen.

Und er selbst? Er gehe wieder in den Süden. Dort habe er schon einmal gelebt und gearbeitet. In Neu-Ulm sei das gewesen. Eine Lehre als Gärtner habe der dort gemacht. Es sei zwar bedauerlich, dass er nun nicht mehr in der Nähe seiner Eltern wohnen könne, gleichwohl habe die „totale Neuerfindung“ ihre Reize, so Harald Münch und zitiert einen Song von Max Giesinger und Lotte: „Auf das, was kommt.“

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