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Verwaltungsleiterin zieht Bilanz Graf: Krankenhausstandort Thuine ist gestärkt worden

Von Carsten van Bevern | 31.12.2015, 08:53 Uhr

Neben dem Aufbau einer eigenen Anästhesie gibt es zum neuen Jahr weitere Veränderungen am Elisabeth-Krankenhaus Thuine (EKT): Nach 13 Jahren als Verwaltungsleiterin geht Klara Graf in den Ruhestand, Nachfolgerin wird die Diplom-Kauffrau (FH) und langjährige AOK-Krankenhausfachberaterin Maria Elisabeth Straten-Barlag. Über wesentliche Änderungen im Gesundheitswesen und Besonderheiten am EKT äußerte sich Klara Graf in einem Interview mit unserer Redaktion.

 Viele Krankenhäuser schreiben rote Zahlen, gerade für viele kleinere Häuser sind die Aussichten nicht gut. Wie sehen Sie das EKT jetzt zu Ihrem Abschied aufgestellt? 

Es sind zwei wesentliche Gründe, warum das Elisabeth-Krankenhaus wirtschaftlich gut aufgestellt ist. Zunächst haben wir immer darauf geachtet, dass die patientenfernen Bereiche möglichst schlank aufgestellt sind. Bei uns ist es für alle Mitarbeiter selbstverständlich, dass man bei Bedarf auch Aufgaben übernimmt, die vielleicht nicht als klassische Tätigkeit für die jeweilige Position verstanden werden können. Wichtig ist auch die hohe Loyalität der Mitarbeiter, und das Mitdenken bei der Arbeit ist für das Krankenhaus ein wirtschaftlich nicht zu unterschätzender Faktor. Der zweite Grund ist, dass der Träger in den vergangenen Jahren zum Beispiel durch die Einrichtung von St. Katharina als Fachpflegeeinrichtung für demenziell erkrankte Menschen und dem Hospiz St. Veronika den Krankenhausstandort gestärkt hat. Dies ergibt für alle Einrichtungen des Trägers eine bessere Nutzung der Ressourcen.

 Sie waren jetzt 13 Jahre Verwaltungsleiterin, was waren in dieser Zeit die größten Herausforderungen? 

Rückblickend waren die wesentlichen Herausforderungen für das Elisabeth-Krankenhaus unter den sich verändernden Rahmenbedingungen zum Beispiel bei der Finanzierung, der Verlagerung von stationären Leistungen in den ambulanten Bereich und des zunehmenden Wettbewerbs als relativ kleines Krankenhaus das Leistungsangebot so weiterzuentwickeln, dass das Krankenhaus auch auf Dauer von der Bevölkerung angenommen wird.

 Zur aktuellen Reform der Krankenhausfinanzierung: Ein paar Worte dazu aus der Sicht eines kleineren Krankenhauses... 

Die Krankenhausreform bedeutet für alle Krankenhäuser eine zusätzliche Herausforderung. Der Aufwand, der im Zusammenhang mit neuen Qualitätsvorgaben entstehen wird, kann allerdings noch nicht abschließend beurteilt werden. Unsere Sorge ist, dass weitere Kosten auf die Krankenhäuser zu kommen, die nicht zwingend zu einer Verbesserung der Patientenversorgung führen werden. Die zusätzliche Finanzierung von Pflegekräften wird sich für unser Krankenhaus allerdings nicht erheblich auswirken. Wir haben schon in der Vergangenheit immer darauf geachtet, das ausreichend Fachpersonal zur Verfügung stand. So haben wir in den letzten Jahren, anders als in vielen anderen Krankenhäusern, die Zahl der Stellen im Pflegedienst auch erhöht.

 Die Menschen werden durchschnittlich immer älter. Wird es künftig eigentlich noch möglich sein, dass alles, was medizinisch möglich ist, auch noch bezahlt werden kann? 

Ich glaube, dass künftig nicht das „Mögliche“ sondern das „Nötige“ – und zwar immer abgestimmt auf und unter Einbeziehung des Patienten selbst – auch bezahlt werden kann. Nicht nur der Fortschritt in der Medizin ist der Grund, dass wir alle älter werden, sondern auch die geänderten Lebensumstände und das gestiegene Gesundheitsbewusstsein. Und: Nicht alle älteren Menschen sind auch krank.

 Was wünschen Sie sich in Bezug auf die künftige medizinische Versorgung in der Region? 

Ich wünsche mir für die Bevölkerung im Emsland, das sie bei der Auswahl eines Krankenhauses auch auf Dauer aus einem vielfältigen Angebot wählen können. Das bedeutet für mich, dass sie entsprechend ihrer Erkrankung zwischen Fachabteilungen mit dem Einsatz von medizin-technischen Großgeräten und solchen mit intensiver persönlicher Betreuung entscheiden können. Dabei ist es selbstverständlich, dass in allen Krankenhäusern auf dem Stand des aktuellen medizinischen und pflegerischen Wissenstandes gearbeitet wird.

 Zum Abschluss: Was war ein besonders schönes Erlebnis in Ihrer Zeit am EKT? 

Es gab viele schöne Erlebnisse, insbesondere an vielen Tagen in der Begegnung mit Patienten und Mitarbeitern des Hauses. Die Eröffnung der Palliativstation, des Palliativstützpunktes, der Fachpflegeeinrichtung St. Katharina , der Franziskusakademie und im letzten Jahr des Hospizes St. Veronika waren sicherlich ganz besondere Erlebnisses. Wenn ich mich für ein Erlebnis entscheiden müsste, würde ich die 100-Jahr- Feier des Elisabeth-Krankenhauses mit dem Festakt, dem Tag der offenen Tür und als besonderen Höhepunkt die Mitarbeiterfeier auswählen.