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Auf Nikolausfeier angegriffen Attacke in Beesten: Verletzter Schapener würde Täter verzeihen

Von Thomas Pertz | 11.12.2015, 18:20 Uhr

Seine Freundin will nur noch eben ihre Jacke an der Garderobe abholen, während Henrik am Ausgang des Saales wartet. Als sie wiederkommt, steht der 24-jährige Schapener da, blutdurchtränkte Papiertaschentücher vor das linke Auge gedrückt. Innerhalb von Sekunden hat ein Unbekannter fröhliche Unbeschwertheit in Schmerz und Fassungslosigkeit verwandelt.

Knapp eine Woche ist die Tat am frühen Sonntagmorgen bei einer Nikolausfeier im Gasthof Pelle in Beesten her. Während die Ermittlungen der Polizei laufen, hat Henrik bereits zwei Operationen am schwer verletzten Auge hinter sich. Weitere werden folgen.

Im Krankenzimmer des Marienhospitals in Osnabrück sind am Freitag seine Eltern, der Bruder und natürlich die Freundin an seiner Seite. Wie jeden Tag seit letztem Sonntag. Ein speziell geformtes Stück Plastik schützt das operierte und geschwollene Auge. Wie groß die Beeinträchtigung der Sehkraft sein werde, sei noch offen, sagt er. „Es sieht aber so aus, dass das Auge gerettet werden kann und nicht entfernt werden muss“, erklärt sein Vater.

Am fünften Tag nach der schlimmen Verletzung ist das mehr, als die Familie nach den ersten Befunden zu hoffen gewagt hat. Henrik war am frühen Sonntagmorgen zunächst ins Lingener Bonifatius-Hospital und von dort aus sofort mit dem Rettungswagen weiter ins Marienhospital nach Osnabrück gebracht worden. „An die Tat selbst kann ich mich nicht mehr erinnern“, sagt der junge Mann.

Kriminalhauptkommissar Helmut Knieper von der Speller Polizei verweist am Freitag auf Anfrage der Redaktion auf erste Ermittlungserfolge. So hätten Zeugen geschildert, dass der 24-Jährige nicht von einem geworfenen Glas getroffen worden sei, sondern durch einen Schlag von einem Unbekannten. Dieser habe möglicherweise ein Glas in der Hand gehalten. Und dann zugeschlagen.

Henrik, die Eltern, sein Bruder, die Freundin – niemand aus seinem Verwandten- und Freundeskreis kann begreifen, was jemanden zu so einer Tat veranlassen kann. „Ich bin keiner, der einen Streit anfängt“, betont der junge Mann. Er trägt ein T-Shirt des FC 27 Schapen, dessen Kapitän er in der 3. Mannschaft ist. Über das soziale Netzwerk Facebook hat seine Freundin einen Aufruf an den Unbekannten gerichtet, sich zu melden. Henrik lächelt ein wenig. „Ich würd ihm das auch verzeihen, aber er soll sich melden.“

„Wenn er ein Gewissen hat, dann wird er schwer daran tragen“, meint Rechtsanwalt Jens Bremenkamp. Der Fachanwalt für Verkehrs- und Strafrecht vertritt die Familie. Sollte der Unbekannte sich nicht stellen, habe er keine Chance, glaubwürdig zu machen, dass er diese schwere Verletzung nicht gewollt habe, betont der Jurist. „Wir appellieren an ihn, zu seiner Tat zu stehen, juristisch und moralisch“. Auf „schwere Körperverletzung“ steht nach seinen Angaben eine Freiheitsstrafe „ab einem Jahr aufwärts“.

Ein Leben lang wird Henrik mit dieser Verletzung und Beeinträchtigung des Sehvermögens zurechtkommen müssen. Der Schapener studiert Deutsch und Geschichte auf Lehramt für die Sekundarstufe 1. Er wollte im Sommer nächsten Jahres eigentlich mit seiner Masterarbeit fertig sein und dann ein Referendariat in einer Schule antreten.

Dieser Zeitplan ist nun erst einmal über den Haufen geworfen. Das ist ärgerlich – aber nichts gegen die große Sorge um ihn, die die Familie, seine Freundin und alle, die ihn kennen, in den letzten Tagen hatten und noch weiterhin haben.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei sucht weitere Zeugen und bittet sie, sich mit ihr unter 05977/929210 in Verbindung zu setzen. Der Gasthof Pelle hat 500 Euro zur Ergreifung des Täters zur Verfügung gestellt.

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