Acht bis zehn Prozent? Frerener Ratsherr Wintering kandidiert für die AfD

Wendelin Wintering aus Freren kandidiert am 15. Oktober 2017 im Wahlkreis 80 für die AfD (Alternative für Deutschland). Foto: Carsten van BevernWendelin Wintering aus Freren kandidiert am 15. Oktober 2017 im Wahlkreis 80 für die AfD (Alternative für Deutschland). Foto: Carsten van Bevern

Freren. Acht bis zehn Prozent. Die erhofft sich der Frerener Wendelin Wintering bei der Landtagswahl für die „Alternative für Deutschland“. Seit 2013 AfD-Mitglied und seit 2016 für die Partei auch im Stadtrat Freren ist er am 15. Oktober 2017 Direktkandidat im Wahlkreis 80 Lingen.

Innere Sicherheit, Recht und Ordnung, Familien- und Schul- sprich Bildungspolitik, Kritik am Euro sowie die Wahrung der Umwelt. Dies sind die politischen Schwerpunkte, die den Frerener CDU-Vorsitzenden und das Stadtratsmitglied der frühen 80er-Jahre 2013 bewogen haben, in die AfD einzutreten. Mit weiteren Mitgliedern gründete Wendelin Wintering schließlich die Kreisverbände „Ems-Weser“ und nach der Aufteilung „Ems-Vechte“. Drei Jahre war er AfD-Kreisverbandsvorsitzender, bevor Wintering 2016 in den Frerener Stadtrat gewählt wurde. Nun ist er im Wahlkreis 80 zum Direktkandidaten für die niedersächsischen Landtagswahlen nominiert worden.

Vertreter des „gemäßigten“ AfD-Flügels

Doch die AfD des Jahres 2017 hat doch mit der eurokritischen AfD aus dem Jahr 2013 mit dem Bundessprecher Bernd Lucke an der Spitze nicht mehr viel zu tun? „Das stimmt. Aussagen wie die des thüringischen AfD-Abgeordneten Björn Höcke vom rechten Rand lehne ich auch ab, die machen uns hier viel kaputt. Aber gerade in so einer Zeit müssen wir vom gemäßigten Flügel dabei bleiben. Wenn wir uns derzeit schon nicht durchsetzen können, so wollen wir doch ein möglichst starkes Gegengewicht zu den Rechten in unserer Partei bilden“, erklärte Wintering in einem Gespräch mit unserer Redaktion zu seinem weiter starken Engagement in der Partei, die jüngst bei den Bundestagswahlen bundesweit 12,6 Prozent der Stimmen erhielt – im Emsland waren es 5,42 Prozent.

„Am Bürger vorbei regiert“

Und weshalb sollte man laut Wintering am 15. Oktober nun die AfD wählen? Der Grund für die heutige Entwicklung liegt nach Meinung von Wendelin Wintering hauptsächlich darin, „dass die Regierenden der Altparteien in den vergangenen Jahren den Menschen Geschichte, Traditionen, Sinn, Ordnung, Struktur und die Legitimität politischen Handelns genommen und sie durch Chaos, Willkür, eine relativierende Wohlfühlethik und ein demokratisch nicht legitimiertes, reines Vorbeiregieren am Bürger ersetzt hat“.

Und Schwerpunkte in der Landespolitik? Das ist zum einen das Thema Innere Sicherheit und Ordnung: „Wir müssen die Polizei stärken. Bürger haben ein Recht darauf, geschützt zu werden.“ Zudem befürwortet Wintering die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Einwanderung ist ein weiteres wichtiges Thema sowohl für die AfD als auch für den Kandidaten aus Freren: „Da hat Alice Weidel schon recht, wenn sie sagt, dass dort ein rechtsfreier Raum entstanden ist. Flüchtlinge sollen bei uns weiter Schutz erhalten. Einwanderer, die nur aus sozialen Gründen kommen wie viele Menschen aus afrikanischen Ländern und auch nur eher selten eine Duldung erhalten, sollen bei uns aber kein Recht auf eine Klage haben.“

Umweltschutz ja, aber...

Und im Bereich Landwirtschaft will Wintering sich dafür einsetzen, auch die kleineren und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe in der Region zu erhalten. Dazu sollten Betrieben unter anderen mehr steuerfreie Rückstellungen erlaubt sein. Auch seien Natur- und Landschaftsschutzgebiete wertvoll. „Ihre Ausweitung oder Neuanlage darf aber nicht zu einer Existenzbedrohung für die Landwirte werden“, ergänzte Wintering.

So ist ihm Umweltschutz als „Beitrag für eine lebenswerte Zukunft für unsere Kinder“ auch wichtig. Wintering unterscheidet dabei aber zwischen Umwelt- und Klimaschutz: „Mit den Klimaveränderungen haben wir Menschen aber nicht viel zu tun, Temperaturschwankungen gab es auch früher schon. Wir sollten vielmehr überlegen, wie wir das veränderte Klima besser für uns und unsere Gesellschaft nutzen können.“


Wendelin Wintering ist 1945 in Freren geboren worden und seit 45 Jahren mit einer Australierin verheiratet, sie haben zwei Töchter und zwei Enkelsöhne. Von Beruf ist er Kaufmann und Molkereimeister. Nach beruflichen Stationen in Haselünne, Oldenburg und Berlin arbeitete er zweimal für längere Zeit in Australien, errichtete eine Diskothek in Friesoythe und produzierte Müllcontainer. Seit 1991 führt er eine Immobilien- und Unternehmensberatung und ist Vorsitzender einer Wohnungsbaugenossenschaft. Anfang der 80er-Jahre war Wintering Vorsitzender der Frerener CDU und Mitglied des Stadtrates. 2013 kam er zur AfD, war drei Jahre Kreisvorsitzender und ist seit 2016 für die AfD im Stadtrat.

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