Behandlung von Säugling Mutter ist sauer auf das Krankenhaus in Thuine

Eine Frau aus Freren war mit ihrer acht Monate alten Tochter im Krankenhaus Thuine. Diagnose: „Prellungen“. Doch das Kind hatte einen Oberschenkelanbruch. Symbolfoto: colourbox.deEine Frau aus Freren war mit ihrer acht Monate alten Tochter im Krankenhaus Thuine. Diagnose: „Prellungen“. Doch das Kind hatte einen Oberschenkelanbruch. Symbolfoto: colourbox.de

Freren. Eine Frau aus Freren ist sauer auf das St. Elisabeth Krankenhaus Thuine. Mit ihrer verletzten acht Monate alten Tochter war sie in der Notaufnahme. Mit der Diagnose „Sturz mit Prellungen“ wurde sie nach Hause geschickt. Doch das Kind hatte weiterhin Schmerzen. Die Mutter fuhr mit ihrem Kind ins Bonifatius Hospital nach Lingen. Dort wurde ein Oberschenkelanbruch diagnostiziert.

„Ich habe Mist gebaut“, sagt Nadine Kreuzer*. Die 27-jährige Frau aus Freren schaut betroffen zu Boden, dann streichelt sie zärtlich über das Bein ihrer acht Monate alten Tochter. Viel zu sehen ist von dem rechten Bein der kleinen Sarah* nicht. Ein weißer Gips umhüllt es. Seit knapp einer Woche muss Sarah den Gips tragen, seit im Bonifatius Hospital in Lingen bei dem Mädchen ein Oberschenkelanbruch festgestellt worden ist.

Sturz aus 1,10 Meter Höhe

Der Unfall hatte sich am 8. Mai dieses Jahres ereignet. Nadine Kreuzer war gegen 18 Uhr dabei, ihre Küche zu wischen. Die acht Monate alte Sarah lag wie gewohnt in einem Maxi Cosi, der auf dem Boden stand. Als sie die Teppiche ausklopfen wollte, stellte Kreuzer ihre Tochter mit dem Sitz auf den Küchentisch – und verließ die Küche. Dann passierte es. Sarah fing immer mehr an zu schaukeln, der Maxi Cosi wippte immer mehr – so sehr, dass die Sitzschale vom 1,10 Meter hohen Tisch fiel. „Es war meine Schuld, ich hätte sie niemals auf dem Tisch ablegen dürfen“, sagt Nadine Kreuzer und erinnert sich, wie sie völlig aufgelöst ihre Mutter anrief und ihr von dem Unfall erzählte. Zusammen fuhren die beiden Frauen direkt mit der weinenden Sarah in die Notaufnahme des Thuiner Krankenhauses.

Arztbericht: „Keine Knochenverletzungen“

Was dann passierte, macht Nadine Kreuzer auch heute noch sauer. Laut den Schilderungen der 27-Jährigen wurde Sarah von dem diensthabenden Arzt untersucht. „Er hat meiner Tochter ein wenig auf den Bauch gedrückt und die Beine vor- und zurückbewegt, das war’s“, sagt die junge Mutter. Ihr sei gesagt worden, dass ihre Tochter keinerlei Verletzungen habe und vermutlich aufgrund des Schocks so sehr weinen würde. Das bestätigt auch der Arztbericht, den Kreuzer als Abschluss der Untersuchung erhielt. Dort heißt es, dass „keine Hämatome oder Prellungen “ sowie „keine Knochenverletzungen“ festzustellen waren. „Mir wurde gesagt, ich soll meiner Tochter Zäpfchen geben und sie die Nacht über zu Hause beobachten“, sagt Kreuzer. In ihren Augen wurden die Sorgen um ihr Kind von dem diensthaben Arzt und seiner Kollegin an dem Abend nicht für voll genommen. Sie sei „belächelt“ worden.

Hüfte gebrochen?

Nadine Kreuzer war beunruhigt, hatte weiter ein schlechtes Gefühl. Die ganze Nacht über habe Sarah nicht geschlafen, nur geweint. „Sie war blass, bewegte ihr rechtes Bein kaum und strampelte auch nicht“, sagt die Mutter. Bis zum Mittag des nächsten Tages rang Kreuzer damit, ob sie noch einmal mit ihrer Tochter einen Mediziner aufsuchen sollte. Sie entschied sich dann für den Besuch beim Hausarzt. Dann der Schock: Mit dem Verdacht, dass Sarahs Hüfte gebrochen ist, wurde ihre Tochter ins Bonifatius Hospital nach Lingen überwiesen.

Oberschenkelbruch und Schädelprellung

Ein Hüftbruch wurde im Lingener Krankenhaus ausgeschlossen, dafür wurde aber nach einer Röntgenaufnahme ein Oberschenkelanbruch bei dem Mädchen diagnostiziert. Und zusätzlich eine Schädelprellung, wie es in dem Arztbericht aus Lingen heißt. Zwei Tage musste Sarah im Bonifatius Hospital bleiben, wurde beobachtet. Eine Erleichterung für Sarahs Mutter. „Endlich wusste ich, was Sarah fehlt“, sagt Nadine Kreuzer. Wütend ist die 27-Jährige vor allem wütend darüber, dass ihre Tochter nicht zur Beobachtung im Krankenhaus aufgenommen wurde. „Was wäre gewesen, wenn sich ihr Zustand in der Nacht verschlechtert hätte?“

Kinder und die Grünholzfraktur

Die Kritik von Nadine Kreuzer kann das Krankenhaus Thuine nicht nachvollziehen. Aus medizinischer Sicht habe man sich nichts vorzuwerfen, sagt Chefarzt Dr. Konrad Grambach. Der Kollege, der Sarah am 8. Mai behandelt habe, sei seit mehreren Jahren medizinisch tätig. Man habe keine Hämatome, sprich „blaue Flecken“, und Schwellungen bei dem Kind feststellen können. Es hätte keinen Hinweis auf eine lokale Verletzung und somit keinen Grund gegeben, das Kind den gefährlichen Strahlungen, durch das Röntgen auszusetzen. Angesprochen auf die Diagnose Oberschenkelanbruch, die in Lingen festgestellt wurde, zeigt sich der Chefarzt nicht überrascht. Es sei nicht ungewöhnlich, dass diese Verletzung bei Kindern erst verzögert festzustellen sei.

Eine Einschätzung, die eine Quelle, die ebenfalls medizinisch geschult ist, unserer Redaktion bestätigt. Knochenbrüche zwischen Erwachsenen und Kindern unterscheiden sich eklatant – gerade auch bei der Diagnose, heißt es. Während bei Erwachsenen ein Bruch durch Schiefstellung, Blutergüsse und Schwellungen deutlich wird, können diese Anzeichen bei Kindern mit zwei Tagen Verzögerung auftreten. Während ein offener Bruch eindeutig zu erkennen ist, ist eine Grünholzfraktur, wie in Sarahs Fall, schwer zu diagnostizieren. Der Grund: Der kindliche Knochen hat die Eigenschaft, sich wie ein grüner Zweig zu verhalten. Er bricht also nicht komplett durch, sondern biegt auseinander ohne zu brechen – daher der Name Grünholzfraktur.

24 Stunden Beobachtung keine Pflicht

Eine solche Fraktur ohne Röntgenaufnahmen festzustellen, ist sehr schwer bis unmöglich, sagt die Quelle. Da Sarah laut dem Arztbericht an dem Abend keine Fehlstellung des Beines und keine Schwellung aufzeigte, sei es nicht verwunderlich gewesen, dass auf eine Röntgenaufnahme verzichtet wurde. Auch eine 24-stündige Beobachtung des Mädchens im Krankenhaus sei nicht zwingend notwendig oder gar vorgeschrieben gewesen. Schließlich habe das Mädchen laut dem Lingener Arztbericht eine Schädelprellung, also eine äußerliche Verletzung, und keine inneren Verletzung wie eine Gehirnerschütterung gehabt. Ausfallerscheinungen habe es offensichtlich nicht gegeben.

„Ich fühlte mich im Stich gelassen“

Aus medizinischer Sicht hat das Krankenhaus Thuine richtig gehandelt, ist sich die Quelle sicher, kann jedoch auch Nadine Kreuzer verstehen, die sich von den Medizinern unzureichend informiert fühlt. Sie wusste von der möglichen Grünholzfraktur nichts: „Ich bin keine Ärztin und kann doch nur dem Krankenhauspersonals vertrauen. An dem Abend habe ich mich einfach im Stich gelassen, nicht ernst genommen und viel zu wenig informiert gefühlt.“

Den Eindruck, dass Kreuzer nicht ernst genommen wird, will das Krankenhaus Thuine gerade rücken. „Wir werden auf jeden Fall mit ihr das Gespräch suchen. Ob persönlich oder telefonisch – wie es die Mutter möchte“, sagt Verwaltungsleiterin Maria Elisabeth Straten-Barlag.

*Namen von der Redaktion geändert


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