Staatssekretär in Thuine Kleine Krankenhäuser künftig Zentren für Altersmedizin?


Thuine. Haben kleinere Krankenhäuser eine Zukunft als Zentren für Altersmedizin, und wie kann der Bereich der Krankenpflege gestärkt werden? Diese und weitere Fragen haben Mitarbeiter des Elisabeth-Krankenhauses und des Hospizes St. Veronika in Thuine jetzt mit dem Gesundheits-Staatssekretär Karl-Josef Laumann diskutiert.

Vor allem die Versorgung von unheilbar Kranken auf der Palliativstation, durch Mitarbeiter der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung sowie im ebenfalls am Thuiner Elisabeth-Krankenhaus bestehenden Hospiz St. Veronika standen beim aktuellen Besuch Laumanns, der auch Patienten und Pflegebeauftragter der Bundesregierung ist, im Vordergrund.

Haus mit 122 Betten

Erst im Oktober 2016 hatte sich Laumann in Thuine über die Versorgung von an Demenz erkrankten Personen auf der Station St. Raphael und im Pflegeheim Haus St. Katharina informiert. Mit diesen Schwerpunkten befindet sich das 122-Betten-Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung laut Laumann auf dem richtigen Weg: „Ich sehe die Zukunft solch im bundesweiten Vergleich eher kleiner Kliniken schon mit Sorge. Vielleicht haben sie aber eine gute Zukunft als Zentren für Altersmedizin.“

Abrechnung per Fallpauschale

Er verwies dabei auf die Entstehungsgeschichte von Krankenhäusern, die aus dem Pflegegedanken heraus entstanden seien: „Und heute führt die Abrechnung per Fallpauschale dazu, dass wir den 85-jährigen Patienten nach einem Fußbruch möglichst schnell wieder nach Hause entlassen. Dabei ist dies doch gerade ein typischer Patient, der weitere Pflege benötigt.“ Und diese Pflege bekomme ein solcher Patient eher in einem kleineren und wohnortnahen Haus wie in Thuine, lobte Laumann die Einrichtung der Thuiner Franziskanerinnen.

Kritik an der Politik

Selbstkritisch ergänzte der langjährige Landtags- und Bundestagsabgeordnete: „Wenn wir solche überschaubaren und patientennahen Häuser wollen, dann müssen wir in der Politik auch dafür sorgen, dass solche Häuser wirtschaftlich zumindest eine schwarze Null schreiben können.“ So muss auch das Elisabeth-Krankenhaus seit Jahren darum kämpfen, diese Schwelle zur „schwarzen Null“ zu erreichen.

Lob für die Hospizarbeit

Lob zollte der Gesundheitspolitiker bei seinem Besuch auf Einladung der regionalen CDU dem Orden der Franziskanerinnen auch für die Entscheidung, eine Palliativstation sowie ein Hospiz einzurichten: „Das ist landesweit eine gute Entwicklung. Gut ist dabei auch die sehr enge Verzahnung von haupt- und ehrenamtlich in diesem Bereich arbeitenden Personen.“

Der Palliativmediziner Richard Kröger verwies in diesem Zusammenhang zudem auf die „außerordentlich gute Vernetzung“ mit vielen niedergelassenen und entsprechend weitergebildeten Ärzten in der Region.

Geringe Löhne in der Pflege in Niedersachsen

Eine Herausforderung dabei ist für Laumann künftig, dass zu wenig Personen in der Pflege arbeiten wollen: „Die Löhne haben Krankenkassen, aber auch Sozialdezernenten in Niedersachsen aber auch in Grund und Boden verhandelt. In Niedersachsen verdient eine Pflegekraft für die gleiche Arbeit rund 500 Euro weniger als in meinem Wahlkreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen. Das geht einfach nicht, das ist unanständig.“


Das Hospiz St. Veronika in Thuine

In Hospizen werden unheilbar Kranke in ihrer letzten Lebensphase versorgt. Im Vordergrund steht daher nicht eine auf Heilung gerichtete Behandlung, sondern Schmerzfreiheit und Lebensqualität.

Außerdem wird für Angehörige Trauerbegleitung angeboten.

Das erste stationäre Hospiz ist 1967 in Großbritannien und 1986 in Deutschland eröffnet worden, das erste Kinderhospiz in Deutschland entstand 1998.

Das Hospiz St. Veronika in Trägerschaft der Thuiner Franziskanerinnen ist mit seinen acht Plätzen die einzige Einrichtung ihrer Art im Emsland. Seit April 2014 sind dort fast 200 Gäste aus dem Emsland, der Grafschaft Bentheim, Recke und dem Osnabrücker Land betreut worden, die durchschnittliche Verweildauer betrug bisher 30 Tage (wenige Tage bis fünf Monate) und das Durchschnittsalter 70 Jahre.

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