Persönliche Begegnungen Polnische Zeitzeugen werkeln in der Spuk Freren

Zeitzeugen aus Polen haben unter der Leitung von Karen Prekel (stehend) und begleitet von Markus Wellmann (LWH) und Marianne Drechsel-Gillner vom Maximilian-Kolbe Werk (2. und 3. von rechts) einen kreativen Nachmittag in der SpuK in Freren verbracht. Foto: TonderaZeitzeugen aus Polen haben unter der Leitung von Karen Prekel (stehend) und begleitet von Markus Wellmann (LWH) und Marianne Drechsel-Gillner vom Maximilian-Kolbe Werk (2. und 3. von rechts) einen kreativen Nachmittag in der SpuK in Freren verbracht. Foto: Tondera

to Freren . „Das ist mein Picasso“ – Janina Reklajtis betrachtet zufrieden ihr Werk. Blaue, grüne und violette Flächen verbinden sich zu einer gelungenen Farbkomposition. „Das ist nicht Picasso, das bist du“, wendet Marianne Drechsel-Gillner ein. Irena Jaszczuk schlägt einen Kompromiss vor: „Sagen wir: Picassino“.

Entspannt und vergnügt sitzen fünf Gäste aus Polen mit ihrer Dolmetscherin und Begleiterin Marianne Drechsel-Gillner rund um einen großen Tisch in der Kunstschule SpuK in Freren und verwandeln weiße Papierbögen in farbenfrohe Bilder. Es sind Zeitzeugen, die zum wiederholten Mal auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werkes zwei Wochen im Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) verbringen.

Überlebende verschiedener Konzentrationslager

Nicht immer geht es während ihres Aufenthaltes so gelassen und heiter zu, denn die insgesamt sechs älteren Polen sind Überlebende verschiedener Konzentrationslager , und sie sind gekommen, um von ihren Erlebnissen zu erzählen. Sie haben mehrere Schulen besucht, sich mit Gruppen im LWH getroffen, sind von Bürgermeistern in Lingen und Haren empfangen worden. Jedes Mal wird dabei die schreckliche Vergangenheit wieder neu lebendig.

Abwechslungsreiches Freizeitprogramm

Doch die zwei Wochen im LWH dienen auch der Entspannung und Erholung. Markus Wellmann (LWH), der die Polen während ihres Aufenthaltes in Lingen begleitet, hat ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm ausgearbeitet, das unter anderem Ausflüge in die nähere Umgebung, an die Nordsee und nach Holland beinhaltet. Kreatives Gestalten in der SpuK ist ein Überraschungsangebot, das zunächst auf gewisse Skepsis stößt.

Kreatives Gestalten

Als die Kunstpädagogin Karen Prekel ein gruppendynamisches Farbspiel vorschlägt, sind alle etwas zurückhaltend. Doch sie lassen sich darauf ein und merken, wie viel Spaß es macht, eine Kugel über Farbkleckse und Papier rollen zu lassen und zu beobachten, wie sich die Farben verbinden.

Anschließend gestalten die Gäste individuell ihre eigenen Farbkompositionen und bewundern sie gegenseitig. Barbara Piotrowska schwärmt: „Es ist wunderbar! Ich komme hier richtig zur Ruhe“. Auch Alodia Witaszek genießt den Nachmittag, der „ganz anders ist als sonst“ und sagt: „Es ist sehr entspannend“.

Für Karen Prekel ist es die erste Gruppe aus dem Ausland, mit der sie in der SpuK gestalterisch arbeitet. „Ich bin fasziniert, wie selbstverständlich und neugierig sie sich auf die Malerei eingelassen haben“, sagt sie.

Neugier auf etwas Neues

Auch Markus Wellmann freut sich, dass die Gruppe das Freizeit-Programm interessiert mitgestaltet und sich mit Neugier auf etwas Neues einlässt. Er organisiert die Zeitzeugen-Begegnung zum zweiten Mal und bewundert die innere Kraft dieser Menschen, die immer wieder von ihren traumatischen Erlebnissen berichten, um Jugendliche zu mahnen, sich für den Frieden einzusetzen. „Trotzdem strahlen sie ansteckende Lebensfreude aus“, staunt er. Die farbenfrohen Bilder, die später beim Abschlussabend den Raum im LWH schmücken, zeugen davon.

LWH-Direktor Michael Reitemeyer dankt den Gästen, dass sie auch in diesem Jahr gekommen sind. „Für uns ist es ein Geschenk, dass sie immer wieder bereit sind, jungen Menschen ihre Erfahrungen mitzuteilen. Kein Buch und kein Film können eine persönliche Begegnung ersetzen“, betont er.


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