Neue Station des Krankenhauses In Thuine hilft der Engel der Kranken Demenzpatienten

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Thuine. Die „Station Raphael“ des Elisabeth-Krankenhauses in Thuine ist eine Besondere: Die Menschen, die dort wegen internistischer oder chirurgischer Probleme behandelt werden, sind zugleich an Demenz erkrankt.

Raphael, der Namensgeber der Anfang 2012 im Thuiner Krankenhaus eröffneten Station, wird in der christlichen Tradition als „Engel der Kranken“ beschrieben. Für ihre nicht nur an Demenz erkrankten Patienten, die dort behandelt werden, bedeutet diese Station, die bei ihrer Gründung niedersachsenweit einmalig war, eine Qualitätssteigerung in der Versorgung.

Davon ist Ingo Rühlmann, Pflegedienstleiter des Krankenhauses, überzeugt. „Demenzerkrankte haben einen Unruhe- und Bewegungsdrang und können auf normalen Stationen nur schwer versorgt und beaufsichtigt werden.“ Es entschärfe die Situation für alle Beteiligten, wenn demenziell Erkrankte, egal ob nach chirurgischen Eingriffen oder internistischen Erkrankungen, auf einer eigenen Station behandelt werden könnten.

Dass es eine Herausforderung für das Personal darstelle, auf solch einer Station zu arbeiten, verschweigt Ruth Frölich, Oberärztin in der Chirurgie des Elisabeth-Krankenhauses, nicht. „Bei einer solch interdisziplinären Arbeit ist das Team sehr wichtig.“ Schließlich sei jeder Patient ganz anders, müsse „ganz anders abgeholt werden“. Bei einer durchschnittlichen Verweildauer der Patienten von neun Tagen auf der Station sei es für alle auf der Station tätigen Berufsgruppen eine große Herausforderung, auf die Demenz der ihnen Anvertrauten einzugehen. Dazu zählten neben den Ärzten und dem Pflegepersonal auch eine Physiotherapeutin und ein Sozialarbeiter, der die Angehörigen der Patienten berate. „Der regelmäßige Austausch der Erfahrungen gemeinsam mit unserer Psychologin Andrea Bischof ist für die Menschen, die auf der Station arbeiten, sehr wichtig“, betont Frölich.

Der individuelle Betreuungsaufwand auf der Station „Raphael“ sei höher als auf normalen Stationen. Rühlmann erklärt: „Einen höheren Personalschlüssel haben und brauchen wir auch.“ Und er macht deutlich, wofür: „Wir versuchen, uns auf die Tagesstruktur der Patienten einzustellen.“ Dazu gehöre es auch, dass die Patienten ihr Mittagessen in einem eigens auf der Station geschaffenen Wohnzimmer einnehmen könnten. Hinzu kämen Beschäftigungs- und Physiotherapie sowohl als Einzel- als auch Gruppenangebot.

Die Türen der Station Raphael sind übrigens im Gegensatz zu manchen Demenzstationen in Pflegeheimen offen. „Wir sind keine geschlossene Abteilung“, so Frölich. Aber auf der Station gibt es einige Hilfsmittel, damit die an Demenz erkrankten Patienten ihrem Drang, irgendwohin zu laufen, nachgehen können. „Sie wollen nicht weglaufen, sondern zu ihrem zu Hause hinlaufen“, betont die Oberärztin.

Die Türen der Station sind mit Folien verklebt und als solche nicht erkennbar. Mit Einverständnis der Angehörigen wird den Patienten ein Armband angelegt, das mittels hinter der Tür angebrachter Sensoren alarmiert, wenn ein Patient die Station verlässt.“ Das ist unser Schutzengelsystem“, erläutert Rühlmann. „Denn dann ist ‚Holland in Not‘, wenn ein Patient die Station trotzdem, was selten vorkommt, verlässt“, begründet der Pflegedienstleiter die Maßnahme. Dann würden schnellstmöglich alle nach dem Patienten suchen und ihn in der Regel auch schnell wiederfinden.

Und auch auf der Station selber wird alles getan, um die im Durchschnitt 85 Jahre alten Patienten zu schützen. Niederflurbetten, die bis fast auf den Boden herabgefahren werden können, verringern die Folgen eines Sturzes. „Wir müssen den Bewegungsdrang nur selten mit Medikamenten dämpfen“, sagt Frölich. Und Pflegedienstleiter Rühlmann ergänzt: „Eine Fixierung der Patienten kommt bei uns kaum noch vor.“


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