Spender ermöglichen Ankauf Gemälde von August Flinker im Frerener Heimathaus

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Ein Gemälde des in Freren geborenen Malers August Flinker (1853 bis 1908) ist im sogenannten Holtzkamp-Zimmer des Heimathauses aufgehängt worden. Hans-Joachim Fritz (r.) als Sponsorenvertreter bei der Übergabe an Hubert Grave als Vorsitzendem des Heimatvereins Freren. Foto: C van BevernEin Gemälde des in Freren geborenen Malers August Flinker (1853 bis 1908) ist im sogenannten Holtzkamp-Zimmer des Heimathauses aufgehängt worden. Hans-Joachim Fritz (r.) als Sponsorenvertreter bei der Übergabe an Hubert Grave als Vorsitzendem des Heimatvereins Freren. Foto: C van Bevern

Freren. August Flinker* ist der bislang bekannteste aus der Stadt Freren stammende Maler. Vor allem Waldmotive und idyllische Felsschluchten, aber zum Beispiel auch eine großformatige Dorfansicht von Lünne mit Schmeings Mühle hat der 1853 in Freren geborene Kaufmannssohn gemalt. Ab sofort hängt ein Gemälde von Flinker auch im Frerener Heimathaus: 15 Bürger und ortsansässige Unternehmen haben den Ankauf der Waldlandschaft mit röhrendem Hirsch in einer Galerie in Mönchengladbach ermöglicht.

Flinker entstammt dabei nach Angaben von Hans-Joachim Fritz – dieser ist seit vielen Jahren im örtlichen Heimatverein sowie im Lions Club Lingener Land engagiert – der Kaufmannsfamilie Flinker, deren Geschäft sich auf der anderen Straßenseite des Marktes und der heutigen Sparkasse befand. Eine Tochter des Kaufmanns Sleumer heiratete in die Familie Flinker ein, aus dieser Ehe ging August Flinker hervor. Nach dem Besuch der Handelsschule erlernte August Flinker auch zunächst den Kaufmannsberuf, den er für sieben Jahre auch in Bremen ausübte.

„Er entdeckte aber sehr bald seine Vorliebe und sein Talent für die Malerei und nahm 1880 in Düsseldorf eine künstlerische Ausbildung bei dem Landschaftsmaler Fritz Ebel auf“, erklärte Fritz bei der offiziellen Übergabe des Gemäldes. Ein ganzes Jahrzehnt habe Flinker in Düsseldorf, dem seinerzeit bekanntesten deutschen Kunstzentrum, gelebt und dort dem Kunstverein „Malkasten“ angehört.

Laut Angaben von Christiane Kerrutt in ihrem Artikel „Freren und die Düsseldorfer Malerschule“ im Jahrbuch des Jahres 2000* soll sich Flinker aus Anlass der Feierlichkeiten zum 50. Priesterjubiläum von Papst Leo XIII. im Jahr 1887 auch als Dekorationsmaler für eine sogenannte „Lebende Bilder“-Ausstellung betätigt haben. In seiner Düsseldorfer Zeit war Flinker auch mit den Malern Heinrich Gabriel und Fritz Thöne befreundet – von beiden Malern hängen Bilder im Frerener Töddenzimmer.

In Amerika gestorben

Nur von August Flinker gab es kein Bild in seiner Geburtsstadt – bislang. „Ich habe dann einmal nach Bildern von ihm gegoogelt und habe vor etwa einem Jahr ein Bild von ihm in einer Mönchengladbacher Galerie gefunden. 1900 Euro sollte es kosten. Eine Stange Geld, welches der Heimatverein nicht hatte“, erklärt Fritz in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Um Geschmacksfragen ging es Fritz dabei nicht, wie er schmunzelnd betont: „Nun ja, ich würde das Bild sicher nicht in meinen privaten Räumen aufhängen.“

Eine zunächst angedachte Umlage unter allen Mitgliedern wurde wieder verworfen. Sponsoren sollten helfen, das Gemälde für den Heimatverein kaufen zu können. Im Freundeskreis unterstützten ihn sofort Hermann Jansen und Willi Königschulte. „Und wir haben bei vielen Personen und Unternehmen offene Türen eingerannt, nach lediglich 14 Tagen hatten wir das benötigte Geld von 15 Privatpersonen und ortsansässigen Unternehmen zusammen“, erklärt Fritz. Zudem konnte der Kaufpreis auch noch auf 1500 Euro heruntergehandelt werden. Im Holtzkamp-Zimmer im ersten Stock des Heimathauses hat das Gemälde nun seinen Platz gefunden.

Und August Flinker? Dieser wanderte um 1890 nach Amerika aus und war dort zumindest so erfolgreich, dass er nach der Jahrhundertwende noch einmal seine Heimatstadt Freren besuchen konnte. Und nach seinem Tod 1908 hinterließ er seiner Heimatgemeinde ein stattliches Vermögen von 42000 Reichsmark (1900 lag der Jahreslohn eines Hafenarbeiters bei rund 750 Reichsmark) für einen geplanten Krankenhausbau.

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Das Gebäude vom ehemaligen Amtsgericht ist heute das Frerener Heimathaus

Aktuell rund 340 Mitglieder zählt der am 7. März 1963 gegründete Heimatverein Freren. Seit dem 13. Juni 2003 steht dem Heimatverein ein Teil des früheren Amtsgerichts mit Nebengebäuden an der Mühlenstraße 39 zur Verfügung.

Das Anwesen wurde in den Jahren 1830/1832 nach Musterplänen des Königlich Hannoverschen Baudirektors Georg Laves unter der Leitung des Landesbauverwalters Friedrich Doeltz errichtet und diente dem jeweiligen Amtmann als Dienstwohnung. Erster Frerener Amtsrichter war Max Mulert, der von 1852 bis 1879 dort wohnte.

Im Jahre 1971 erwarb der letzte Amtsrichter von Freren, Reinhard Holzkamp, das heute unter Denkmalschutz stehende Anwesen und vermachte es im Jahre 1998 dem Heimatverein Freren.

Im Nebengebäude hat der Heimatverein ein Handwerkermuseum eingerichtet. Im Haupthaus gibt es einen Versammlungsraum, eine Bibliothek mit rund 3000 Büchern, dem alten Frerener Geburts-, Heirats- und Sterberegister und einer kompletten Sammlung des „Frerener Volksblattes“ aus den Jahren 1894 bis 1933 und ein Büro vom Touristikverein Freren-Lengerich-Spelle. Zudem können dort standesamtliche Hochzeiten stattfinden. vb

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