Kaufmannshaus aus dem Jahr 1512 Töddenhaus ist ein Treffpunkt in Beesten

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Beesten. Um 1750 haben allein 74 Beestener als umherziehende sogenannte Töddenhändler mit Waren gehandelt. Das einzige noch existierende Haus eines solchen Händlers ist das Töddenhaus Urschen. Für 420000 Euro ist dieses denkmalgeschützte Gebäude von 2011 bis 2013 grundlegend saniert worden und wird seitdem als Gemeindebüro und Heimathaus intensiv genutzt. Auch Hochzeiten finden dort statt.

Das Töddenhaus Urschen geht dabei in seinen ältesten Bauteilen auf das Jahr 1512 zurück und ist seit 1570 als Sitz der Kaufmannsfamilie Möller, genannt Urschen, nachweisbar. Die Besitzerfamilien führten über mehrere Jahrhunderte diesen Beinamen – Herkunft und Bedeutung sind allerdings bis heute unbekannt. Die Familie Urschen hatte intensive Handelsbeziehungen nach Groningen in den nördlichen Niederlanden. Sie war verwandt und verschwägert mit anderen Beestener Töddenfamilien wie den Familien Meier, Preun, Weemeyer, Haakmann, Lodtmann und Sand.

Bislang fünf Hochzeiten

Typisch für die Bauweise der Kaufmannshäuser ist der relativ kleine Dielenteil für die Landwirtschaft, dem ein ausgeprägter Wohnteil mit hohen Fenstern gegenübersteht. In der Stube erledigte der Kaufmann seine Schreibarbeiten und die Buchhaltung. Im 18. Jahrhundert wurde das Haus schließlich mehrfach umgebaut. 1792 erhielt die große Küche eine reich dekorierte Herdwand mit den Initialen der Hauserbin Maria Aleid Urschen und ihres Ehemanns Johann Bernhard Sand, der ebenfalls aus einer alten emsländischen Kaufmannsdynastie stammte. Das äußere Fachwerk des Hauses entstand bei einem weiteren Umbau im Jahr 1813. Die zweigeschossige „Butzenwand“ mit Schrankbetten in der Wand zwischen Stube und Upkammer soll im gleichen Jahr erbaut worden sein.

Der Heimatverein Beesten erwarb das Töddenhaus 2007 über die Gemeinde, und unter der Leitung der auf die Sanierung von historischen Gebäuden spezialisierten Architektin Petra Berning aus Lingen begann die Sanierung auch unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten vier Jahre später. Viele der rund 160 Mitglieder des Heimatvereins packten dabei kräftig mit an, erhebliche Fördermittel kamen dabei auch aus dem Leader-Programm.

Lohn der Mühen: Seit der feierlichen Eröffnung 2013 wird das Haus vielfältig genutzt. Das dort untergebrachte Gemeindebüro ist Anlaufstelle für alle Bürger. „ Paare können hier auch heiraten , bislang haben fünf Hochzeiten hier stattgefunden“, berichtet Beestens Bürgermeister Werner Achteresch. Zudem beherbergt es den örtlichen Heimatverein mit seinem Archiv, und auch die Trachten der ehemaligen Volkstanzgruppe warten dort auf ihre nächsten Einsätze. Und in der Zeit der Kita-Sanierung haben viele örtliche Vereine dort ihre Treffen durchgeführt. „Nur private Feiern können hier nicht stattfinden“, erklärt die Heimatvereinsvorsitzende Mathilde Duisen.

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Tödden sind Wanderhändler

C&A Brenninkmeyer sowie Peck & Cloppenburg sind und Hettlage war ein großes Textilunternehmen: Sie alle haben als ehemalige Töddenhändler ihren Ursprung in dieser Region – insbesondere in Mettingen, Recke, Ibbenbüren, in Hopsten, Schapen und Beesten.

Tödden waren Wanderhändler, die ab dem frühen 17. Jahrhundert ihre Waren meist mit Planwagen direkt an die Endverbraucher auslieferten. Erste urkundlichen Erwähnungen Beestener Tödden-Kaufleute datieren aus dem Jahr 1637.

Um 1750 handelten alleine 74 Beestener Tödden mit Waren in alle Welt.

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