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Einblicke in eine andere Welt Konrad Kuiter aus Thuine sechs Monate in Indien: Sogar der Ärmste bietet Essen an

Von Bernd Jolitz

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<em>Erfahrungen fürs Leben</em> machte Konrad Kuiter aus Thuine bei seinem Aufenthalt in Indien. Foto: privatErfahrungen fürs Leben machte Konrad Kuiter aus Thuine bei seinem Aufenthalt in Indien. Foto: privat

Thuine. Ein sechsmonatiger Aufenthalt in Indien hat für den Schulabgänger Konrad Kuiter aus Thuine nicht nur Einblicke in eine andere Welt eröffnet, sondern auch sein Leben nachhaltig verändert.

Letztes Jahr im September machte sich der 19-Jährige auf den Weg in den zentralindischen Staat Maharashtra, um dort in einem Schulprojekt zu arbeiten. Vor etwa 25 Jahren gründeten die Ärzte Stefan und Claudia Gemen aus Freren, die damals in Indien arbeiteten, mit dem dort lebenden Bajirao Gawai die Schule Panchsheel Home. Ziel des Projekts ist es, Kindern der ärmsten Schicht durch Bildung eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Neben der Schule gibt es mittlerweile auch einen Kindergarten.

Kuiter, der während dieser Zeit in der Familie des Schulleiters lebte, hatte verschiedene Aufgaben an der Schule, zu denen vor allem der Englischunterricht gehörte. Circa 500 Schüler gehen dort in die erste bis zwölfte Klasse, wobei es lange nicht allen Eltern möglich ist, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Viele müssen arbeiten, um das Überleben der Familie zu sichern.

Obwohl in einer Klasse 50 bis 60 Schüler sind, sei das Arbeitsklima sehr angenehm. „Selbst die Kleinsten hören aufmerksam zu“, erklärt Kuiter, „sie haben Spaß am Unterricht und wollen etwas lernen.“ Bildung sei in Indien das höchste Gut, denn für die Kinder ist es der einzige Weg aus dem Leben in Armut, weiß der 19-Jährige. Die Schule leiste dabei noch mehr als die Vermittlung von Bildung. „Dort bekommen die Kinder dreimal täglich Essen. Außerhalb der Schule ist das nicht die Normalität“, sagt Kuiter, der regelmäßig mit den Schülern aß.

Bildung ist höchstes Gut

Seine Gastfamilie unterstütze Kuiter bei seiner Arbeit und hatte stets ein offenes Ohr. „Ich habe dort eine zweite Familie gewonnen“, findet er.

Die Hilfsbereitschaft und der starke Zusammenhalt unter den Menschen waren für den Europäer besonders beeindruckend. „Das Motto dort lautet ‚Alle Inder sind Brüder und Schwestern‘“, erklärt Kuiter, der selbst viel Entgegenkommen erfuhr: „Sogar der ärmste Mensch bietet Dir etwas zu essen an. Das hat mich überwältigt.“

In dem Staat mit 120 Millionen Einwohnern wächst der Unterschied zwischen der armen und reichen Bevölkerung extrem. „Für uns geht es darum, welchen Fernseher oder welches Handy wir kaufen. Dort müssen viele überlegen, ob sie morgen noch etwas zu essen haben“, berichtet Kuiter.

„Mr. Konni“, wie er in Indien genannt wurde, landete inzwischen wieder im kalten Deutschland und ist sehr froh, den Schritt in die Ferne gewagt zu haben. „Die Dankbarkeit der Kinder war wundervoll. Manchmal waren es die einfachsten Dinge wie Ball spielen, mit denen ich ihnen eine Freude machen konnte“, sagt Kuiter, „und durch den Unterricht konnte ich etwas Wichtiges bewirken.“

Nach dem Fachabitur an der Hüberts’schen Schule in Hopsten strebte der 19-Jährige zunächst einen handwerklichen Beruf an. Nun sieht er seine berufliche Zukunft im sozialen Bereich. Die Zeit in Indien hat diese Entscheidung sicherlich beeinflusst. „Eine solche Reise kann ich jedem empfehlen, der bereit ist, sich anzupassen und die Deutschen Standards komplett zu vergessen“, meint Konrad Kuiter nach der Rückkehr in die Heimat.

Das Spendenkonto zugunsten des Schulprojekts: Stichwort „Indienhilfe“, Kontonummer 15051941, Bankleitzahl 40164618.


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