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Mit dem Trecker zur Ratssitzung Landwirte lehnen Pilot-Biogasanlage in Freren-Bardel weiterhin ab

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Die Verwertungs- und Entsorgungszentrum (VEZ) Freren GmbH betreibt auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehrdepots in Freren eine Anlage zur Klärschlammtrocknung – nun soll eine mit vier Megawatt dimensionierte Biogasanlage gebaut werden. Foto: Carsten van BevernDie Verwertungs- und Entsorgungszentrum (VEZ) Freren GmbH betreibt auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehrdepots in Freren eine Anlage zur Klärschlammtrocknung – nun soll eine mit vier Megawatt dimensionierte Biogasanlage gebaut werden. Foto: Carsten van Bevern

Freren. „Was passiert eigentlich, wenn diese Pilotanlage, die fast zehnmal so groß ist wie gewöhnliche Biogasanlagen, nicht so funktioniert, wie sie geplant wurde?“ Unter anderem diese Frage hat Bernhard Barkmann, der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Messingen, zu der zwischen Freren und Schapen im ehemaligen Bundeswehr-Depot geplanten Vier-Megawatt-Biogasanlage.

Und es gibt noch etliche weitere Kollegen, die so denken wie der Landwirt aus Messingen. Aus diesem Grund könnte es am kommenden Montag ab 18.30 Uhr im Frerener Rathaus auch voller werden als gewöhnlich, wenn der Stadtrat tagt: An diesem Abend werden die Ratsmitglieder über eingegangene Anregungen zu diesem „Sondergebiet Energiepark Freren“ beraten und über einen Satzungsbeschluss abstimmen. Mit 30 bis 40 Landwirten rechnet Barkmann dabei als Zuhörer. „Einige werden auch mit ihrem Traktor kommen. Wir wollen da nicht groß demonstrieren, aber schon unsere Ängste und Sorgen verdeutlichen“, erklärte der Landwirt in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

So will die Biene Service GmbH mit Sitz in Hopsten die Biogasanlage mit einer installierten elektrischen Leistung von bis zu vier Megawatt mit angeschlossenem Blockheizkraftwerk auf dem ehemaligen Depotgelände errichten. Die hier entstehende Wärme soll in erster Linie dazu dienen, die auf dem Gelände bereits vorhandene Anlage zur Klärschlammtrocknung zu betreiben. Gleichzeitig ist geplant, einen Teil des Biogases über eine Leitung zur externen Verstromung nach Freren zu leiten. Mit der dabei gewonnenen Abwärme sollen einzelne kommunale Einrichtungen wie das Waldfreibad mit Energie versorgt werden. „Gefüttert“ werden soll die Vier-Megawatt-Anlage mit biologisch abbaubaren Roh- und Abfallstoffen der Landwirtschaft, der Nahrungsmittel- und Lebensmittelindustrie sowie vergleichbaren Produkten. Ausgeschlossen werden sollen nachwachsende Rohstoffe wie Mais, sodass nach Aussagen der Betreiber keine Konkurrenz zur regionalen Landwirtschaft entsteht.

„Eine große Gefahr“

Laut einer Pressemitteilung des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Messingen stellt diese Anlage aber für die über 100 bäuerlichen Familienbetriebe „eine große Gefahr“ dar – wenn als Inputstoffe doch nachwachsende Rohstoffe verwendet werden oder die Gärreste-Aufbereitung nicht so funktioniert wie geplant. „Dann wird die Existenz von Dutzenden landwirtschaftlichen Betrieben durch diese riesige Pilotanlage bedroht“, erklärte Barkmann.

„Was passiert eigentlich nach einer Insolvenz des Betreibers?“, „Kann bzw. wird die Stadt Freren dann auf die kostengünstige Wärmelieferung verzichten?“ oder „Was wird in fünf oder zehn Jahren sein, wenn sich die Rahmenbedingungen möglicherweise geändert haben?“ sind laut Barkmann offene Fragen, die bislang noch nicht ausreichend geklärt worden sind.

„Und leider ist der Forderung des Landvolks nach einer unabhängigen Plausibilitätsüberprüfung noch nicht entsprochen worden. Deshalb wird innerhalb der Landwirtschaft weiterhin an der Seriosität des Projektes gezweifelt“, erklärte Barkmann in einer Pressemitteilung des Ortsvereins. Weiterhin kritisiert der Verein eine „mangelnde Informationspolitik seitens der Betreiber und der Samtgemeinde.“ So seien bislang unterschiedliche Kosten für die Aufbereitung der Gärreste sowie die benötigten Inputmengen genannt worden. Aber auch ohne Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen gebe es massive Berührungspunkte mit der heimischen Landwirtschaft: Der geplante Einsatz von Altbroten, Backwaren, Trebern oder Fetten werde vielen Betrieben preisgünstige Futtermittel entziehen. „Daher fordern wir ein Nein zu diesem Pilotprojekt“, fordert Barkmann.

Weitere Infos und Artikel zum Thema unter http://barkmann.org/biogas


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