Diskussion im Stadtrat Kein weiteres Archiv in der Stadt Freren

Prall gefüllt ist der rund 25 Quadratmeter große Archivraum der Samtgemeinde Freren. In dem Raum werden Gesetzesblätter, Festschriften, Urkunden, alte Ratsprotokolle und die Chroniken früherer Schulen aufbewahrt. Hauptamtsleiter Klaus Schröder ist dafür zuständig. Foto: Carsten van BevernPrall gefüllt ist der rund 25 Quadratmeter große Archivraum der Samtgemeinde Freren. In dem Raum werden Gesetzesblätter, Festschriften, Urkunden, alte Ratsprotokolle und die Chroniken früherer Schulen aufbewahrt. Hauptamtsleiter Klaus Schröder ist dafür zuständig. Foto: Carsten van Bevern
Carsten van Bevern

Freren. Zwei hauptamtlich betreute öffentliche Archive gibt es im Emsland. Dabei wird es auch bleiben: Der Frerener Stadtrat hat jetzt die beantragte Einrichtung eines Archivs abgelehnt. Der örtliche Heimatverein soll aber unterstützt werden, um künftig verstärkt auch private Nachlässe annehmen zu können.

"Das Stadtarchiv Lingen ist das Gedächtnis der Stadt", heißt es auf dem städtischen Internetauftritt. Auf rund 1.200 Regalmetern werden dort historische Überlieferungen vom Mittelalter bis zur Neuzeit bewahrt. Laufend kommen von der Verwaltung nicht mehr benötigte Akten, Urkunden, Protokolle oder Pläne hinzu. Darüber hinaus werden dort historisch bedeutsame Quellen zur Geschichte Lingens, wie private Nachlässe, Firmen- und Vereinsakten, Zeitungen, Fotos, Fest- und Jubiläumsschriften gesammelt und allen interessierten Bürgern zur Verfügung gestellt. Zudem gibt es das Kreisarchiv in Meppen, welches vornehmlich Archivgut der Landkreisverwaltung verzeichnet, aufbewahrt und Nutzern zugänglich macht. 

Archivraum im Frerener Rathaus

Über ein solches Archiv verfügt aber nicht die Kleinstadt Freren. Dort gibt es laut der Verwaltung im Rathaus einen Archivraum, in dem zumeist Gesetze, Protokolle und Jubiläumsschriften aufbewahrt werden. "Damit ist der Raum auch voll, für Familiennachlässe reicht die Raumkapazität nicht", erklärte der zuständige Hauptamtsleiter Klaus Schröder in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Ähnlich ist die Situation in vielen emsländischen Kommunen und in kleinen Mitgliedsgemeinden "wandert" das "Dorfarchiv" eh von Bürgermeister zu Bürgermeister.

Darüber hinaus verfügt der Heimatverein Freren über ein ehrenamtlich geführtes Archiv mit einer Bibliothek, historischen Fotos und einzelnen privaten Nachlässen. "Wenn wir den Platz und ehrenamtliche Helfer hätten, würden wir auch gerne weitere Nachlässe annehmen", erklärte Hubert Grave, der seit 16 Jahren Vorsitzender des Vereins ist. Die dortigen Archivalien können derzeit auch an zwei Abenden pro Monat von Interessierten genutzt werden.

Über Bücher, Fotos und die einzige Originalausgabe des "Frerener Volksblattes" verfügt der Frerener Heimatverein, hier der Vorsitzende Hubert Grave im Nutzerraum des Heimathauses. Foto: Carsten van Bevern


"Wir benötigen aber ein Archiv auch für Familiennachlässe wie es zum Beispiel in Emsbüren vorbildlich geführt wird", erläuterte Ratsmitglied Wendelin Wintering (AfD) seinen Antrag zur Einrichtung eines solchen Archivs in Freren. Zum Beispiel umfasse der Nachlass seiner seit mindestens dem 16. Jahrhundert in Freren ansässigen Familie derzeit rund drei Umzugskartons: "Und es gibt sicher noch viele weitere interessante Nachlässe in unserer Stadt, die für die Nachwelt erhalten werden sollten."

"Archiv übersteigt unsere Möglichkeiten"Klaus Prekel, Bürgermeister der Stadt Freren



Dieser Ansicht schlossen sich mehrere Ratsmitglieder an, die Einrichtung eines Archivs mit entsprechendem Personal wurde aber abgelehnt. "Das übersteigt unsere Möglichkeiten", erklärte Bürgermeister Klaus Prekel. Zumindest ein Raum müsse sich in der Stadt doch aber finden lassen, entgegnete CDU-Ratsherr Alfons Krümpelmann. Zum Beispiel in Schulen oder im Heimathaus, in dem bald das Büro des Touristikvereins frei werden könnte. 

Nach längerer Diskussion lehnte der Rat bei einer Enthaltung des Antragstellers die Einrichtung eines Archivs ab. "Wir werden uns aber mit dem Heimatverein in Verbindung setzen und mit diesem diskutieren, wie wir sie unterstützen können, damit künftig auch weitere Familiennachlässe angenommen werden können", erklärte der Bürgermeister: "Das Gedächtnis unserer Stadt zu pflegen ist uns allen wichtig. Gerade im Jubiläumsjahr 2019."

Eine Professionalisierung des öffentlichen Archivwesens im Emsland mahnte in einem Gespräch mit unserer Redaktion der stellvertretende Leiter des Standortes Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs, Dr. Thomas Brakmann, an: "Wir beobachten die Situation der Archivierung in einigen Kommunen des Landkreises mit einer gewissen Sorge." So sind in Niedersachsen alle Kommunen verpflichtet, ihr Archivgut zu sichern. "Dazu zählt, die Unterlagen dauerhaft und sicher zu verwahren, für ihren physischen Erhalt zu sorgen, sie vor unbefugter Nutzung zu schützen und für eine Auswertung durch Wissenschaft und Öffentlichkeit bereit zu stellen."

"Wir beobachten die Situation der Archivierung in einigen Kommunen des Landkreises mit einer gewissen Sorge."Dr. Thomas Brakmann, stellvertretender Leiter des Standortes Osnabrück des Niedersächsischen Landesarchivs


Analog einer Forderung des Niedersächsischen Heimatbundes hält der Fachmann sogenannte Verbundarchive auf kommunaler Ebene für sinnvoll: "Zahlreiche Beispiele nicht nur in Niedersachsen zeigen, dass Archivverbünde aus Kommunen oder Kommunen und Kreisen aus ökonomischer und organisatorischer Sicht eine überaus sinnvolle Möglichkeit bietet, der gesetzlich verankerten Pflichtaufgabe der Archivierung nachzukommen. Ein gutes Beispiel für eine gelungene interkommunale Zusammenarbeit ist das im April 2017 eröffnete Kreis- und Kommunalarchiv in Nordhorn." 



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