Vorbeugende Maßnahmen geplant Fast 1000 Meldungen zum Eichenprozessionsspinner im Emsland

Von Jessica Lehbrink und Carsten van Bevern


vb/jleh Lingen. Der Eichenprozessionsspinner hat sich im Jahr 2018 extrem stark ausgebreitet. Wer den Tieren zu nahe kommt, kann Probleme bekommen: Die Haare können Symptome wie Ausschläge oder allergische Reaktionen auslösen. Nun werden im südlichen Emsland erste Stimmen laut, die gemeindeübergreifende Maßnahmen gegen die Raupen im Emsland fordern.

So sind auch in der Samtgemeinde Lengerich in diesem Jahr sehr viele Nester des Eichenprozessionsspinners gemeldet worden. „Bis jetzt hatten wir in diesem Jahr in der Samtgemeindeverwaltung insgesamt 116 Meldungen, im ganzen letzten Jahr waren es 14 Meldungen“, erklärte die allgemeine Vertreterin vom Samtgemeindebürgermeister, Angelika Lügering, auf Nachfrage unserer Redaktion. 21 gemeldete Fälle waren es bis jetzt in Bawinkel, 22 in Gersten, 19 in Handrup, 23 in Langen, 22 in Lengerich und 9 in Wettrup.

Warnschilder

„In 22 Fällen befanden sich die Nester auf privaten Grundstücken. Zuständig für die Bekämpfung sind in diesen Fällen die privaten Eigentümer“, ergänzte Lügering. Bei Nestern an Bäumen an Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen werden die Meldungen zuständigkeitshalber an die jeweiligen Straßenmeistereien in Bawinkel und Meppen weitergeleitet. „In von vielen Personen genutzten Bereichen wie zum Beispiel bei Schulen, Kindergärten, in den Ortskernen und Parks und bei touristischen Zielen wird von uns auch unverzüglich eine Fachfirma mit der Absaugung der Nester beauftragt“, sagte Lügering – meist die vor Ort in Lengerich ansässige Schädlingsbekämpfung Groß GmbH. Auf öffentlichen Grundstücken werde der betroffene Bereich auch durch Warnschilder ausgeschildert.

Viel zu tun

Ähnlich ist die Situation in der benachbarten Samtgemeinde Freren. „In den vergangenen Wochen haben wir an einigen Tagen fast nur noch Anrufe zum Thema Eichenprozessionsspinner angenommen“, berichtet der Leiter des Ordnungsamtes, Hermann Quae, in einem Gespräch mit unserer Redaktion. In 50 bis 100 Fällen waren die Nester auf Privatgrundstücken. „In 52 Straßenzügen haben wir aber auch bereits Unternehmen mit der Absaugung der Nester beauftragt. Da die Firmen so viel zu tun haben und telefonisch kaum noch erreichbar sind, läuft das inzwischen ganz automatisch per E-Mail.“ Betroffen seien vor allem Bäume in Andervenne und Freren. Beesten, Messingen und Thuine seien „eher weniger betroffen“.

Das Problem hat laut dem Ordnungsamtsleiter gegenüber den Vorjahren „erheblich zugenommen.“ Er erwartet auch, dass sich der Spinner noch weiter verbreitet. „Sinnvoll wäre es daher aus meiner Sicht, wenn es künftig eine gemeindeübergreifende Bekämpfungsaktion geben würde. Damit könnte man dem Problem eventuell noch Herr werden.“

Fälle in Lingen kartiert

Über das weitere Vorgehen in Sachen Eichenprozessionsspinner möchten sich nach den Sommerferien auch Stefan Altmeppen, Erster Stadtrat der Stadt Lingen, sowie Frank Schöttmer, Leiter des Fachdienstes Recht und Ordnung, Gedanken machen. Geplant sei ein Zusammenkommen mit Vertretern des Umweltamtes, des Bauhofes und Fachleuten. Der Befall von Eichen durch die kleinen Schädlinge soll laut Schöttmer im nächsten Jahr möglichst schon im Vorfeld verhindert werden. Schon jetzt wird darauf hingearbeitet. „Wir haben alle gemeldeten Fälle erfasst und sie kartiert, damit wir wissen, wo wir im nächsten Jahr ansetzen müssen“, erläutert Altmeppen. Auch wenn es sich nicht um städtisches, sondern um privates Grundstück handelt, bitten Altmeppen und Schöttmer darum, den Befall von Bäumen bei der Stadt zu melden. Dies diene einer besseren Übersicht. Ein Meldungsformular steht unter anderem online auf der Internetseite der Stadt Lingen zur Verfügung.

Sache des Fachmanns

Mehr als 300 Meldungen gab es in diesem Jahr bislang in Lingen. Vor allem in den Monaten Mai und Juni hätten die Telefone nicht stillgestanden. „Das Schlimmste ist vorbei“, meint Altmeppen. Dennoch: Die Meldungen zum Befall von Eichen durch die giftige Raupenart seien – im Vergleich zum vergangenen Jahr – deutlich angestiegen. Ein Herd des Eichenprozessionsspinners in bestimmten Orts- und Stadtteilen sei Schöttmers Aussage zufolge nicht auszumachen. Mit der Zusammenarbeit des Bauhofes sowie des mit der Stadt kooperierenden Schädlingsbekämpfungsunternehmens zeigt sich Altmeppen sehr zufrieden, weist aber darauf hin, dass nicht das Personal des Bauhofes für das Entfernen der Nester zuständig ist. Dies solle, aufgrund der Gefahr von allergischen Reaktionen, Fachleuten überlassen werden, sind sich Schöttmer und der Stadrat einig.

Knapp 1000 Meldungen beim Landkreis

Der Landkreis Emsland teilte auf Nachfrage mit, dass „bis heute (Stand 3. Juli) dem Landkreis Emsland durch Privatpersonen, Städte und Gemeinden insgesamt 984 Befallsherde gemeldet worden sind“. Die Anzahl der Meldungen ist aber auch deutlich zurückgegangen, bestätigt eine Sprecherin. Maßnahmen zur Bekämpfung und die Kennzeichnung der Befallsherde würden weiterhin laufen. Zudem sei laut Sprecherin des Landkreises beobachtet worden, dass zum Teil abgesaugte Bereiche nach einigen Tagen wieder befallen waren.

Weshalb sich der Spinner in großen Mengen verbreitet

Weshalb sich der Eichenprozessionsspinner zu solch einem akuten Problem entwickelt hat, weiß Thomas Weber vom Naturschutzbund Emsland-Süd (Nabu): „Es ist bei Insekten so, dass sogenannte Kalamitäten entstehen. Das bedeutet, sie entstehen in einer großen Menge, um Fressfeinden entgegenzuwirken.“ Es ist ein Instinkt der Tiere, damit die Fortpflanzung gewährleistet wird, erklärt der Experte. Ähnliches könne bei Juni-Käfern oder einer bestimmten Mottenart beobachtet werden. Vornehmlich wohl fühle sich der Eichenprozessionsspinner in warmen und trockenen Gebieten. Deshalb sei der Süden Deutschlands laut Weber auch stärker betroffen.

Der Landkreis Emsland informiert und berät Bürger umfassend über den Eichenprozessionsspinner, seine Bekämpfung und die möglichen Gefahren. Dafür stehen zwei Mitarbeiter im Fachbereich Gesundheit bereit. Sie sind unter den Tel. 05931/442187 und 05931/441187 sowie unter stephanie.korfage@emsland.de und christoph.nefe@emsland.de zu erreichen.