Politik hautnah Frerener Schüler diskutieren mit Bundestagsabgeordnetem

Von Carsten van Bevern


Freren. Politische Bildung spielt an der Franziskus-Demann-Oberschule in Freren eine wichtige Rolle. So führt die Abschlussfahrt die zehnten Klassen jedes Jahr nach Berlin. Anlässlich des Europatages diskutierten die Neuntklässler der Schule jetzt mit dem regionalen Bundestagsabgeordneten Albert Stegemann.

Sie waren gut vorbereitet: Neben mehreren Fragen zu seiner Person hatten die Schüler allein 30 Fragen zur Europapolitik. In der sowohl von den Schülern als auch vom Berufspolitiker engagiert geführten Diskussion kamen noch weitere aktuelle Themen dazu – letztlich reichten die eingeplanten gut eineinhalb Stunden noch nicht einmal aus, um alle Fragen zu diskutieren.

Lob für den Abgeordneten

Von den Folgen des Brexit über europaweite Umweltprobleme bis zur Flüchtlingssituation und der Politik des US-Präsidenten Donald Trump reichte die Bandbreite der zuvor ausführlich im Unterricht vorbereiteten Fragen. „Ich fand die Diskussion mit ihm sehr hilfreich. Man konnte seine Argumente gut verstehen – auch, wenn es einmal vom Thema her komplizierter wurde“, lobte die Schülerin Antonia Wecks aus der 9b nach dem Treffen. Es sei halt schon etwas Besonderes, wenn man nicht „nur“ mit den Lehrern, sondern auch mit jemandem diskutieren könne, der tagtäglich mit politischen Themen zu tun habe, ergänzte Jessica Wübbels aus der 9a.

Ein Abgeordneter mit Realschulabschluss

Zuvor gekannt hatten den 41-jährigen Christdemokraten aus Ringe in der Grafschaft Bentheim nur wenige Schüler. Eher nur den Namen, wie Nele Scheffer aus der 9b erklärte. Seit 2013 vertritt der gelernte Landwirt die Interessen der Grafschaft und des südlichen Emslandes im Deutschen Bundestag. Überrascht waren viele Schüler dabei zu hören, dass Stegemann einer der wenigen Abgeordneten ist, der nicht studiert hat: „Ich habe zunächst ein Gymnasium besucht, musste dieses aber verlassen [Raunen unter den Schülern]. Anschließend habe ich einen Realschulabschluss und eine Aus- und Weiterbildung zum Landwirtschaftsmeister gemacht.“ Vor seiner Abgeordnetentätigkeit als Nachfolger des aus Lingen stammenden Hermann Kues war er hauptberuflich Betriebsleiter eines Milchviehbetriebs.

„Interesse für Politik wecken“

Früh in der Jungen Union und in der CDU aktiv (seit 1994 beziehungsweise 2002) ist er aktuell Mitglied im Bundestagsausschuss Ernährung und Landwirtschaft und für diese Bereiche in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auch als Vorsitzender der entsprechenden Arbeitsgruppe zuständig. Doch nicht nur die politische Arbeit in den jährlich 22 bis 23 Sitzungswochen mit durchgetakteten Arbeitstagen in Berlin gehöre zu seinen Aufgaben: „Sehr wichtig ist mir auch die Arbeit und die Vernetzung im Wahlkreis.“ Dort besuche er Betriebe, soziale Einrichtungen und Bürger oder versuche an Tagen wie diesen, politische Themen zu erläutern und Interesse dafür zu wecken. „Gerade in Gesprächen mit Schülern erlebe ich, dass die Entwicklungen in Berlin die Gesellschaft wieder stärker politisieren. Das Interesse der Schüler ist dabei eine absolut positive Entwicklung“, hatte Stegemann erst im März nach einer Diskussion mit Schülern des Gymnasiums Leoninum in Handrup erklärt.

„Fan“ der Europäischen Union

In Freren outete sich Stegemann dabei als „Fan“ der Europäischen Union: „Es läuft sicher nicht alles optimal, aber die EU hat uns sehr viel Gutes gebracht – vor allem Frieden, geringere Handelsschranken und vor allem aufgrund der Größe stärkere Einflussmöglichkeiten.“ Bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise hätte er sich aber auch mehr Solidarität seitens der europäischen Nachbarn gewünscht.

2019 Besuch in Berlin

Eine Fortführung der Diskussion kann es im kommenden Jahr geben. Wahrscheinlich im Juni 2019 werden die Neuntklässler als Mitglieder der Abschlussklassen nach Berlin fahren. Auch der Besuch von Bundestag und Bundesrat stehen dann auf dem Programm. „Ich freue mich schon darauf, Euch dort persönlich zu treffen. Das war heute schon eine tolle Diskussion“, erklärte Stegemann zum Abschluss seines Besuches in Freren.


Politik, Geschichte und Erdkunde im Unterricht

Politik, Geschichte und auch Erdkunde werden in Niedersachsen an Oberschulen jeweils eine Stunde pro Woche unterrichtet. Im Bereich Geschichte wird dabei von Klasse 5 bis 10 die Geschichte von der Frühzeit bis zur Gegenwart behandelt. So werden in der Jahrgangsstufe 9 der Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg behandelt, in der 10 folgt die neue deutsche Geschichte mit der Teilung und der deutschen Einheit.

Politik wird erst ab Klasse 7 unterrichtet. Themen sind: Demokratie, Wahlen, Umweltpolitik, Soziale Sicherheit, Mitbestimmung, EU, Internationale Sicherheit und Extremismus.

In Erdkunde wird mit dem Nahraum angefangen. Niedersachsen, Deutschland, Europa und die Welt schließen sich an. In den höheren Klassen folgen Themen wie Naturkatastrophen, Tourismus, Hungergebiete, die weltweite Bevölkerungsentwicklung oder der Klimawandel.

Ergänzt wird der Lehrplan in Freren immer wieder durch aktuelle Themen und zum Beispiel jüngst durch eine Fahrt zur Gedenkstätte Esterwegen. Und auch die jährliche Abschlussfahrt der zehnten Klassen nach Berlin hat an der Franziskus-Demann-Schule mit dem Besuch von Bundestag und Bundesrat, dem Stasigefängnis in Hohenschönhausen und dem KZ Sachsenhausen eine stark historisch-politische Ausrichtung. vb