Gesangssextett Auftakt in Freren Von den Harmonists bis zur Neuen Deutschen Welle

Von Peter Löning

„Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“ – Die Gruppe „Auftakt“ begeisterte ihr Publikum in Frerens Alten Molkerei bei ihrem siebten Auftritt nicht nur mit Hits der Comedian Harmonists. Foto: Peter Löning„Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“ – Die Gruppe „Auftakt“ begeisterte ihr Publikum in Frerens Alten Molkerei bei ihrem siebten Auftritt nicht nur mit Hits der Comedian Harmonists. Foto: Peter Löning

Freren. Es ist ihr siebter Auftritt in der Frerener Alten Molkerei. Längst sind sie Kult: Wenn sich das Handruper Gesangssextett „Auftakt“ ankündigt, ist die Butterhalle voll besetzt. In der ersten Reihe begeistert dabei sind die Mitglieder des Musik-Leistungskurses vom Leoninum – immerhin singen bei Auftakt mehrheitlich Lehrer des Gymnasiums.

Sechs Herren mit Frack und Zylinder – Benno Hüer zumeist am Klavier – zeigen bereits in ihrer Besetzung ihre Verehrung für die großartigen „Comedian Harmonists“. Mit dessen ‚kleinem grünen Kaktus‘ soll ihr Programm denn auch beginnen. Ein kleiner solcher ziert daher an diesem Abend liebevoll das Tasteninstrument.

„Flieg, Gedanke“

Es folgt ein bis ins Detail durchchoreografierter Abend mit Liedern und Texten in enger Verwebung und zusammengebracht von einer Moderation, der man in dieser geistreich konzentrierten Form anderen Orts allenfalls bei Radiogiganten begegnet wie vielleicht Götz Alsmann oder dem leider verstorbenen Roger Willemsen. Franz-Josef Hanneken – in Handrup ist er Schulleiter – legt hier sprachlich bravourös vor, kurzweilig und inhaltlich beeindruckend weitgreifend. Er philosophiert über Liedtexte und das Thema des Abends „Flieg, Gedanke“, und er liefert („wir sind ja schließlich Lehrer“) so manches Lehrreiches. Dabei geht es gern auch einmal tief hinein in die Griechische Mythologie.

Spontaneität war gefragt

Bei alledem aber bleiben seine Kommentare mit Klamauk affinem Auftreten stets unterhaltsam, lustig und spontan. So ist es ein Vergnügen, seinen Reaktionen auf die den Abend begleitenden Schwierigkeiten mit den das Bühnenbild gestaltenden Videoprojektionen zu folgen. Sein Kommentar: „Stellen Sie sich das jetzt einfach mal vor...“ Hier findet sich ein herrliches, wie zentrales Element in der Programmgestaltung. Gespickt wird dieses lustig mit einigen bei den Muppets entlehnten Kommentaren von ‚Statler‘ und ‚Waldorf‘.

Von Mörike bis Heinz Erhardt

Auch so manches Gedicht wird abwechselnd rezitiert von den Sängern vorgetragen. So gab es manch stillen, lyrisch tief gehenden Moment. Texte von Eichendorff, Hoffmann und Mörike trafen auf Heinz Erhardt.

Musikalisch zeigt sich das gut gearbeitete Vokalensemble beglückend wandlungsfähig. Natürlich singen die Herren Hits aus den 20ern und 30ern. Es geht aber unerschrocken weiter bis hin zu Songs von Reinhard Mey und Blüten der ‚Neuen Deutschen Welle‘.

Für Nicoles „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“ gibt es einen brüllend komischen Sketsch mit selbst modifiziertem Text. Herrlich! In einem solchen Rahmen hört man gern und überzeugt auch das ein oder andere schon totgesagte Volkslied. Hut ab, denn hier versteckt sich ungemein Reizvolles.

Doppelte Freude in Freren

Ein toller, ein lustiger wie geistreicher Abend. Ein beeindruckend runder Abend gar, der natürlich nicht ohne Zugaben beendet werden darf. Bravo!

„Auftakt“ spendet seine Gagen offensichtlich traditionell einer gemeinnützigen Organisation. Dieses Mal „trifft es“ den örtlichen Kulturkreis Impulse. Worüber man sich im Saal natürlich gleich doppelt freut nach solch einem Abend.


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