Check auf Herz und Nieren 22-Jähriger spendet Stammzellen: Von Messingen in die USA

Von Jessica Lehbrink

Sebastian Rolfes aus Messingen hat die Prozedur der Stammzellenspende gut überstanden. Nun hofft er, dass seine Spende ein Leben in den USA retten kann. Foto: Jessica LehbrinkSebastian Rolfes aus Messingen hat die Prozedur der Stammzellenspende gut überstanden. Nun hofft er, dass seine Spende ein Leben in den USA retten kann. Foto: Jessica Lehbrink

Messingen. 22 Jahre alt, Student für Agrarwirtschaft und Fußballspieler: Das sind die Eckdaten zu Sebastian Rolfes aus Messingen. Vielleicht steht auf dieser Liste auch bald „Lebensretter“, denn Rolfes hat kürzlich Stammzellen für eine Frau in den USA gespendet. Nun hofft er auf baldige Nachricht, ob die Patientin ihren Kampf gegen den Krebs überlebt hat.

13.000 Menschen erkranken laut der Deutschen Stammzellspenderdatei (DSD) jährlich in Deutschland an Leukämie (Blutkrebs). Lediglich 30 Prozent der Patienten finden einen Stammzellenspender innerhalb der Familie. Die verbleibenden 70 Prozent sind demnach auf einen nicht verwandten Spender angewiesen.

Nachricht nach nicht mal einem Jahr

Die Typisierung: Zu Beginn einer möglichen Spende steht zunächst die Typisierung. Oft findet diese in Kombination mit einer Blutspendeaktion statt – so auch im Fall von Rolfes. Damals noch an der Berufsschule in der Klasse für Landwirtschaft, ließ sich die ganze Klasse gemeinschaftlich typisieren. „Die meisten Leute, die ich kenne – zum Beispiel meine Freunde – sind typisiert“, berichtet Rolfes.

Im Dezember, nicht mal ein Jahr nach der Registrierung bei der DSD, erhält der Messinger Nachricht: Er käme als Spender für eine Patientin in den USA in Frage. Rolfes erster Gedanke: „Ich war echt begeistert, dass es so schnell geklappt hat.“ Auch seine Familie habe sich mitgefreut, dass er nun einem Menschen möglicherweise das Leben retten kann.

Formulare, Formulare

Die Vorbereitung: Es folgt ein Termin beim Hausarzt, der dem potenziellen Spender zunächst eine Blutprobe entnimmt. Anfang Januar dann die erfreuliche Nachricht: eine perfekte Kongruenz – Rolfes kommt zu 100 Prozent als Stammzellenspender in Frage.

In der Uni-Klinik Münster wird der Student bei einem Körpercheck auf Herz und Nieren untersucht. „Vor allem waren es aber viele Formulare, die ich ausfüllen musste“, erinnert sich Rolfes. Sein Körper ist in einem einwandfrei gesunden Zustand. Es kann also mit den Vorbereitungen für die Stammzellenspende begonnen werden.

„Fünf Tage vor der Spende bekam ich ein Medikament, das die Stammzellenproduktion anregt. Das musste ich mir zwei Mal täglich in den Bauch spritzen“, erklärt der 22-Jährige. Bei jedem können Nebenwirkungen wie Kopf- oder Rückenschmerzen unterschiedlich stark auftreten. „Man merkt schon, dass im Beckenbereich mehr Stammzellen produziert werden“, meint Rolfes. Unter Verabreichung des Wachstumsfaktors G-CSF wird dem Körper vorgetäuscht, dass er krank sei. Doch bis auf ein paar Rückenschmerzen erträgt Rolfes das Ganze ohne Komplikationen und konzentriert sich nebenbei sogar auf seine anstehenden Klausuren für das Studium.

Geschwächtes Immunsystem

Die Spende: Nur fünf Stunden verbringt Rolfes erneut in der Uni-Klinik Münster. Die Stammzellen werden ihm über das Blut entnommen. „Aus dem einen Arm hinaus und den anderen wieder hinein“, beschreibt es der Spender. Mithilfe einer Zentrifuge, dem sogenannten Zellseparator, werden die entsprechenden Zellen gesammelt. Danach fließt das Blut wieder zurück in den Körper. „Etwas schwach“ fühlt man sich nach der Stammzellenentnahme, so Rolfes. „Danach muss man auch etwas aufpassen, da natürlich das Immunsystem geschwächt ist.“

Krankheit schlimmer als Spende

Der Abschluss: Einen Monat später folgt für den jungen Mann eine Nachuntersuchung beim Hausarzt, wobei besonders auf die Blutwerte geachtet wird. Doch auch nach seiner Spende bestätigt Rolfes, dass es ihm gut geht. „Selbst wenn es Komplikationen gibt, ist es nicht so schlimm, wie die Krankheit, die man dadurch heilen kann“, sagt der Stammzellenspender mit fester Überzeugung.

Sollte sich die Patientin, für die der Messinger gespendet hat, bei ihm melden, ist er bereit, ihr von sich zu erzählen, sagt er. Auch einem späteren persönlichen Treffen ist er nicht abgeneigt. Für die nächsten Monate jedoch steht für Rolfes eines im Vordergrund: „Mich interessiert in erster Linie, ob die Frau überlebt hat.“


Typisierung und Stammzellenspende

Jeder gesunde Mensch ab 17 Jahren kann sich bei der Deutschen Stammzellspenderdatei registrieren. Gespendet werden dürfen Stammzellen jedoch erst ab einem Alter von 18 Jahren. Eine Typisierung ist nicht nur wie im Fall von Sebastian Rolfes vor Ort im Rahmen einer Blutspendeaktion möglich. Auch können unter www.deutsche-stammzellspenderdatei.de oder unter www.dkms.de Typisierungspakete online angefordert werden. Kommt eine typisierte Person für eine Stammzellenspende in Frage, werden der DKMS zufolge 80 Prozent der Stammzellenentnahmen peripher und nicht über das Knochenmark entnommen. Das bedeutet: Die Stammzellen werden mit Venenzugängen über das Blut entnommen. Mit Verabreichung des Medikaments G-CSF wird die Produktion der Blutstammzellen zuvor beim Patienten angeregt. So werden die Zellen in das zirkulierende Blut gelockt und anschließend bei der Entnahme gefiltert und gesammelt. Eine Operation ist somit in den meisten Fällen nicht nötig.