Konzert mit Kaffehausatmosphäre Sinti-Swing mit „Chapeau Manouche“ in Freren

Meine Nachrichten

Um das Thema Freren Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Die Kultur und die Musik der Sinti werden von „Chapeau Manouche“ mit (von links) Clemens Schneider, Benjamin Bökesch und Manolito Steinbach nachempfunden.Foto: H. KrüsselDie Kultur und die Musik der Sinti werden von „Chapeau Manouche“ mit (von links) Clemens Schneider, Benjamin Bökesch und Manolito Steinbach nachempfunden.Foto: H. Krüssel

Kr Freren. Konzertanter Swing zwischen Tradition und Moderne – damit haben die Jazzmusiker von „Chapeau Manouche“ in einem Konzert des Kulturkreises Impulse am Samstag das Publikum in der Alten Molkerei in Freren begeistert und die Herzen der Besucher erobert.

Während es draußen bitterkalt war, lauschte drinnen das Publikum im Kaffeehausambiente fasziniert dem gekonnten Zusammenspiel. Beim Rhythmus des Sinti-Swing aus den 1920er und 1930er Jahren wurden die Zuhörer schnell von den drei Musikern animiert, mit den Füßen und Hüften zu wippen und somit auf Betriebstemperatur zu kommen.

Lebensfrohe Swing-Musik

Gitarrist Manolito Steinbach verlieh mit seinem energiegeladenen treibenden Rhythmus- und Solospiel dem Ensemble die charakteristische Prägung des Sinti-Swing. Die in der Jazzmusik selten zu hörende Geige – gespielt von Clemens Schneider – verfeinerte den Klang, während Benjamin Bökesch mit seinem erdenden Bassspiel das Fundament dieser mitreißenden und lebensfrohen Swing-Musik bildete. Eigentlich tritt Chapeau Manouche als Quartett auf. Doch Gitarrist Wilhelm Magnus musste beim Auftritt in Freren passen. Ihn hatte die Grippewelle erfasst und er hatte zuhause das Bett zu hüten, bedauerte Clemens Schneider, der neben der Geige auch für das Melodicaspiel und den Gesang zuständig war.

Angelehnt an den Jazzgitarristen Django Reinhardt

Die Musik der vier Oldenburger ist angelehnt an den Jazzgitarristen Django Reinhardt (1910 bis 1953), der als Begründer des europäischen Jazz und seinerzeit als bester Jazzmusiker Europas galt. Das Neue und Besondere an der Musik Reinhardts war die Mischung aus drei verschiedenen Musikstilen: er schuf aus dem schon gängigen New-Orleans-Jazz der 1920er Jahre, den französischen Walzern und der traditionellen Spielweise der Sinti einen neuen Musikstil, den Zigeuner- oder Gypsy-Swing. Seine Berühmtheit und die Beliebtheit seiner Musik bei der französischen Bevölkerung (und auch bei einigen Besatzungsoffizieren) bewahrten ihn davor, wie viele seiner Verwandten als Zigeuner verfolgt und in einem Konzentrationslager umgebracht zu werden. Mit dem Gitarristen Manolito Steinbach gehört ein Sinti zu Chapeau Manouche. Der gebürtige Berliner lebt seit zwölf Jahren in Oldenburg und ist der Cousin des bekannten Jazz-Musikers Haensche Weiss. „Die Kultur und die Musik der Sinti wird in unseren Arrangements nicht nur nachempfunden, sondern auch gelebt“, betonte Clemens Schneider.

Zahlreiche Klassiker

Die Zuhörer erlebten in der Alten Molkerei zahlreiche Klassiker von Django Reinhardt. Zu hören waren Titel wie beispielsweise „I see you in my dreams“, „Sweet Georgia brown“ oder „Bye bye Blackbird“. Aber auch die Erkennungsmelodie der jungen Leute, den SwingKids, zu Zeiten des Nationalsozialismus, als der Jazz in Deutschland verboten war, gehörte zum Repertoire. Bei „Mister sandmann“ war das Publikum zum Mitsingen eingeladen, bevor ein anspruchsvolles Konzert mit diversen Zugaben seinen Abschluss fand. Übrigens: Clemens Schneider gratulierte den Frerenern zu einer tollen Kultureinrichtung: „Hut ab.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN