518000 Euro werden investiert St. Servatiuskirche in Beesten wird saniert

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Beesten. Ab Mitte April wird die geschichtsträchtige St.-Servatius-Kirche in Beesten wenigstens teilweise zur Baustelle: 518000 Euro werden unter anderem in die Heizung, einen Beichtraum, die Glockenstube, die Beleuchtung und neue Technik investiert.

Der größte Teil der Bausumme wird jedoch für die Neuausmalung der Kirche inklusive der dafür notwendigen Restaurierungsarbeiten benötigt: In der aktuellen Kostenberechnung sind dafür knapp 174000 Euro veranschlagt worden. „Die letzte Neuausmalung der Kirche ist mehr als 30 Jahre her“, hatte Pfarrer Jürgen Krallmann bereits auf der Bürgerversammlung im Saal Giesbrecht erklärt. Dort hatte er auch die Finanzierung der Baumaßnahme erläutert.

518000 Euro werden investiert

Auf insgesamt 518000 Euro werden die Kosten aktuell geschätzt – diese Summe teilen sich das Bistum Osnabrück und die Kirchengemeinde St. Servatius. Den Eigenanteil bringt die Kirchengemeinde unter anderem durch die Auflösung allgemeiner Rücklagen über 74000 Euro und zu diesem Zweck angesparten 35000 Euro auf. Der verbliebene Rest über 150000 Euro soll zumindest zum Teil über Spenden der aktuell rund 1400 Gemeindemitglieder und von Institutionen vor Ort finanziert werden.

Volksbank Süd-Emsland spendete 5000 Euro

„Die Volksbank Süd-Emsland hat bereits 5000 Euro gespendet. Und die Emsländische Sparkassenstiftung haben wir auch bereits angeschrieben und um eine Spende gebeten“, erklärte Franz Weßling vom Kirchenvorstand in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Laut Pfarrer Krallmann soll auch jedes Gemeindemitglied noch angeschrieben und über die geplanten Maßnahmen informiert werden. Zudem ist der Erlös einer Kollekte pro Monat für die Sanierung vorgesehen. Weitere Aktionen seien bereits angedacht. „Über die Restsumme werden wir dann als Kirchengemeinde einen Kredit aufnehmen“, erklärte Weßling.

Bis Weihnachten fertig

Neben der Neuausmalung der Kirche soll ein Beichtraum entstehen, der Boden ausgebessert, die Glockenstube repariert, die Heizungsanlage erneuert und die Auslässe der Luftheizung saniert werden. Weiter ist geplant, die Elektroinstallationen zu erneuern, die Lautsprecheranlage im Chorraum zu erweitern, die Beleuchtung mit einer Lichtsteuerung zu versehen, einen weiteren Liedanzeiger sowie eine Turmuhr- und eine Glockensteuerung zu installieren. Abschließend soll die Orgel grundgereinigt werden. Architekt wird in Absprache mit dem Bistum der in Kirchensanierungen erfahrene Jürgen Hinse von Ahrens + Pörtner in Hilter sein.

Weiter Gottesdienste möglich

Bis Weihnachten sollen die Baumaßnahmen abgeschlossen sein. Teile der Kirche werden aber auch in dieser Zeit für Gottesdienste und besondere Feiern nutzbar sein. „Und bei sehr großen Ereignissen können wir auch auf eine benachbarte Kirche ausweichen“, sagte Krallmann.


St. Servatius – die wechselvolle Geschichte einer Kirche

Die 1400 Mitglieder der katholischen St. Servatius-Kirchengemeinde in Beesten können auf eine wechselvolle Geschichte ihrer Gemeinde und ihrer markanten Kirche zurückschauen. Die verschiedensten Bauabschnitte sind dabei noch heute zu erkennen.

So stammt die frühere Sakristei, die heutige Kriegergedächtniskapelle, aus dem 13. Jahrhundert und ist damit der älteste Teil und „Ur-Kapelle“ der Beestener Pfarrkirche. Zunächst stand in Beesten nach Angaben von Kirchenvorstandsmitglied Heinrich Herbers wohl auch eine Kapelle auf einer Insel in der Großen Aa.

Das Kirchspiel Beesten entstand dabei um 1200 nach Vereinigung des Ortes mit den Bauernschaften Schardingen und Talge-Wilsten. Die heutige Kirche war anfangs wohl eine kleine romanische Kirche in Ost-West-Ausrichtung. Nach einer Gotisierung wurde die Kirche in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Ost- und Südrichtung erheblich erweitert – zwei sogenannte Sterngewölbe und ein Chor mit gotischen Fenstern zeugen laut dem kleinen Kirchenführer noch heute davon.

Spannend ist die Gemeinde- beziehungsweise Glaubensgeschichte in dieser Zeit, so haben die Beestener schon um 1540 unter der Herrschaft des Grafen Konrad von Tecklenburg schon für etwa zehn Jahre der protestantischen Religion angehört, nach 1546 wurden die früheren religiösen Verhältnisse wieder hergestellt.

Zeitweise Simultankirche

Ab 1674 wurde die Ausübung der katholischen Religion auf dem Gebiet der Grafschaft Lingen aber komplett untersagt und die Beestener Katholiken folgten ihren ausgewiesenen Geistlichen und errichteten bei Hopsten auf dem Hof Luster eine sogenannte Notkirche . Ab 1718 durften in Beestener Privathäusern wieder katholische Gottesdienste gefeiert werden, 1729 wurde auf dem heutigen Hof Lonnemann auch eine Notkirche eingerichtet.

Unter hannoverscher Herrschaft wurde die Dorfkirche zwischen 1825 und 1857 als Simultankirche sowohl von Katholiken als auch von reformierten Christen genutzt. Anschließend übernahm die katholische Kirche wieder das Gebäude. Und die Gemeinde wuchs stetig, sodass die Kirche 1874 erweitert werden musste. Im Zuge dieser Erweiterung entstand auch ein neuer 50 Meter hoher Turm. Dieser wurde 1897 von einem Blitz getroffen und brannte komplett aus. Alle Glocken gingen dabei zu Bruch, darunter zwei aus dem 16. Jahrhundert.

Die Einwohnerzahl der Gemeinde wuchs weiter und so erfolgte in der NS-Zeit 1936/37 eine weitere Kirchenerweiterung. Eingeweiht wurde sie am 18. Mai 1937 durch den Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning.

Letzte große Baumaßnahmen war 1980 die Renovierung des Kircheninneren und von 1986 bis 1990 nach einem Sturmschaden die Komplettsanierung des Kirchturms. 2012 wurde schließlich das Ziegeldach der Erweiterung aus dem Jahr 1936 erneuert – auch als Vorbereitung für die jetzt anstehende Innenrenovierung.

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