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Urkundlich belegt Hof Wellen in Emsbüren-Berge 500 Jahre alt

Von Heinz Krüssel, Heinz Krüssel | 15.06.2016, 19:51 Uhr

Der Hof Wellen in Emsbüren-Berge besteht seit 500 Jahre. In einer Urkunde ist die Existenz des Hofes im Jahr 1516 belegt.

„Geben im Jahre unsern Heren Dusent vyffhundert und sestenne“ (1516). So endet ein Text einer auf Schweinsleder geschriebenen Originalurkunde aus dem Besitz der Familie Bernhard Wellen in Emsbüren-Berge. Damit kann der Beginn der Familiengeschichte zumindest bis auf das Jahr 1516, also genau vor 500 Jahren, angenommen werden.

Diese Urkunde ist neben anderen Dokumenten aus dem Familienbesitz Wellen im 1990 vom Lingener Heimatforscher Walter Tenfelde veröffentlichten Buch „Urkunden und sonstige schriftliche Quellen zur Geschichte des Kirchspiels Emsbüren“ unter „Urkunden der Familie Heinrich Wellen in Berge“ registriert worden. In den Urkunden geht es meistens um gerichtliche Urteile und um Freibriefe, die ein Paar zum Beispiel benötigte, um heiraten zu können. „Eine so alte Urkunde im Familienbesitz ist sehr selten und schon etwas ganz Besonderes“, urteilt der Leiter des Emslandmuseums in Lingen, Andreas Eiynck.

Familientreffen am Wochenende

Für die Familie Wellen ist dieses runde und ausgesprochen seltene Jubiläum ein Anlass, die Familienmitglieder an diesem Wochenende zu einem Vettern- und Cousinentreffen auf dem Hof an der Hanwischer Straße in Emsbüren-Berge einzuladen, gemeinsam zu feiern und auch Rückschau auf die Wurzeln der Familie zu halten.

Im Flur des Hauses Wellen hängt ein Familienstammbaum, der 15 Generationen umfasst. Auf dieser Ahnentafel ist der im Jahr 1595 geborene Bernhard Wellen der Stammvater, der 1622 eine Susann heiratete, deren Nachname nicht überliefert ist. Auffällig sind die vielen weiblichen Nachfahren in den einzelnen Generationen. Im Ersten Weltkrieg sind zwei Söhne und im Zweiten Weltkrieg ist ein Sohn gefallen.

Quelle entspringt neben dem Wohnhaus

Der Familienname „Wellen“ hat höchstwahrscheinlich etwas mit der auf dem Hof entspringenden „Ohm-Welle“ (Atemquelle) zu tun. Diese sprudelt auch heute noch recht intensiv in einer mit Gras und Kräutern bewachsenen kleinen Fläche dicht neben dem Wohnhaus. Das Quellwasser kommt immer mit einer Temperatur von 4 bis 6 Grad aus der Erde und ist auch in strengen Wintern noch nie zugefroren gewesen. Das Quellewasser dampft förmlich, es scheint zu atmen. Das Wasser speist seit vielen Jahren mehrere Fisch- und Badeteiche.

In früheren Jahren wurde das Wasser aufgestaut und durch eine Becke zur etwa 400 Meter entfernt liegenden Getreidemühle der Familie Sand auf dem Hörtel in Leschede geführt. Das Wasser reichte in der Regel für drei Stunden. Nur in diesen Phasen konnte das Getreide gemahlen werden. Die Mühle wurde Anfang des 20. Jahrhunderts abgebrochen. Die Sandsteine sind als Grundsteine in dem 1908 erbauten alten Wohnhaus der Familie Wellen verwendet worden.

In Büchern und Unterlagen nachgeforscht

„Wir haben in den vergangenen Monaten angesichts des geplanten Festes viel in Büchern und Unterlagen nachgeforscht“, erzählen Birgit und Bernhard Wellen in einem Gespräch mit der Redaktion. Dabei habe man zahlreiche Urkunden und verschiedene mündliche Überlieferungen entdeckt und zusammentragen können.

Eine interessante Information ist im Stadtarchiv Münster gefunden worden. Dort heißt es unter anderem: „Heinrich thor Werdt, geboren am Hofe Werdt in Bueren (Emsbüren), wird am 25. Oktober 1559 gehängt wegen einer Reihe von Diebstählen. Er hat mehrfach Vieh gestohlen und zum Teil in Münster verkauft; seinem Vater Wessel t.W. und seinem Halbbruder Gerrit t.W. hat er Geld gestohlen. Erwähnt werden Tebbe Geisinck in Ale bei Büren; Johan Wellen und Johann Busch in Büren….“

Unfriedlich ging es in den Nachbarschaften zu

Recht unfriedlich ging es offenbar in den Nachbarschaften der Gemeinden Engden sowie Leschede, Berge und Elbergen im 18. Jahrhundert zu. Der frühere Rektor der Volksschule in Leschede, Rudolf Schmitz, hat vor einigen Jahren einen umfangreichen Aufsatz zum Grenzstreit der Markgenossen veröffentlicht. Es ging im Wesentlichen um die Nutzung der Engdener Wüste als Viehweide und zur Gewinnung von Heideplaggen als Dünger sowie Torf als Brandmaterial.

Kriegerische Auseinandersetzungen

Die Auseinandersetzungen sollen bisweilen kriegerische Formen angenommen und es soll auch Tote gegeben haben. So ist bei Schmitz zu lesen: „Am 13. Juni 1737 erließ der Obervogt Gäns den Befehl an alle Bauernschulzen (Bürgermeister), in der Nacht vom 13. zum 14. Juni in die Engdener Mark einzufallen. Etwa 300 Mann beteiligten sich, brachten 100 Wagen mit und beluden sie mit Torf. Was nicht aufgeladen wurde, wird „ruinirt“, heißt es weiter.

Pferd getötet

Dabei gewesen ist augenscheinlich auch ein Vertreter der Familie Wellen. Zumindest gibt es ein Opfer zu beklagen: das beste Pferd namens „Dobbe“ wurde getötet. Als Ausgleich für den schmerzlichen Verlust erhielt die Familie eine etwa 0,75 Hektar große Ackerparzelle, die noch heute „Dobbenpäntken“ heißt und nach wie vor beackert wird. Am 18.10.1792 wurde ein Vergleich über die Markgrenzen geschlossen. Der nachbarliche Streit hatte 56 Jahre lang gedauert und den 30-jährigen Krieg in seiner Länge deutlich übertroffen. Schmitz stellt abschließend fest: „56 Jahre nachbarschaftlicher Streit unter Leuten, die des Sonntags alle zu ihrer Kirche in Emsbüren gingen und in ihrem Schatten zur ewigen Ruhe begraben wurden.“

4000 Jahre altes Steinbeil

Übrigens: Die Besiedlung der Hofstelle Wellen geht möglicherweise auf das Jahr um 2000 v. Chr. zurück. Maria Wellen hat vor einigen Jahren bei der Gartenarbeit einen Faustkeil entdeckt, der von Fachleuten auf ein Alter von etwa 4 000 Jahre geschätzt worden ist.

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