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„Sternschnuppen“ praktizieren Integration Emsbüren: Behinderte ließen sich den Fahrtwind um die Nase wehen

Von Anne Bremenkamp | 21.09.2011, 09:02 Uhr

Den Fahrtwind um die Nase wehen lassen, die Geschwindigkeit spüren, Freiheit empfinden – seit 1993 setzen die Menschen der integrativen Behindertengruppe „Sternschnuppen“ aus dem Kirchspiel Emsbüren regelmäßig einmal im Jahr den Helm auf, nehmen auf dem Sozius oder im Beiwagen eines PS-starken Motorrads Platz und genießen die Tour durch die Landschaft.

„Menschen mit Behinderungen wollen wie alle anderen Menschen ihr Leben selbst gestalten, eigenständig handeln und selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sein. Sie wollen einfach das Leben erleben“, betonte Angelika Kamphus, Sprecherin der Ende der 1980er-Jahre gegründeten „Sternschnuppen“. Sie räumte so gleich mit dem Vorurteil auf, dass sich die Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen auf bloßes Kaffeetrinken beschränken.

Die Motorradtour gilt bei den „Sternschnuppen“ als ein absolutes Highlight in einem eh schon abwechslungsreichen Jahresverlauf. „Dass wir sogar unter die Biker gegangen sind, haben wir den „Heckenrosen“ aus Rheine und der Förder- und Freizeitgruppe der Behinderten aus Neuenkirchen zu verdanken, die dank ehrenamtlicher Fahrer schon länger solche Touren unternehmen. Wir sind damals sozusagen nicht auf den fahrenden Zug, aber aufs rollende Motorrad aufgesprungen“, sagte Angelika Kamphus. Sie freute sich darüber, dass die befreundeten Integrationsgruppen ihre Kontakte über Länder- und Bistumsgrenzen hinweg weiter ausbauen, indem sich jetzt rund 70 Menschen mit und ohne Behinderungen zu einem lebendigen Tag der Begegnung im Dorfgemeinschaftshaus in Mehringen trafen.

„Auf dem Motorrad ist jeder für sich allein mit seinen Glücksgefühlen, hier steht das Zusammengehörigkeitsgefühl einer tollen Gemeinschaft im Mittelpunkt“, hatte Kamphus viele Ideen im Gepäck, die das gegenseitige Kennenlernen zu einem Kinderspiel machten. „Viel Freude und viele Freundschaften“, wünschten denn auch Kaplan Markus Brinker und Pater Anthony als Vertreter der katholischen Kirchengemeinde Emsbüren. Bürgermeister Bernhard Overberg betonte, dass die „Sternschnuppen“ auf vorbildliche Weise das Für- und Miteinander in Emsbüren fördern, was besondere Unterstützung durch die Gemeinde verdiene. Wie vielfältig ein Jahr mit den „Sternschnuppen“ ist, wurde eindrucksvoll anhand des ausgetüftelten Jahresplans bewiesen, der neben gemeinsamen Kirchgängen und Wochenendfreizeiten auch spezielle Männer- und Frauentage, Cocktailabende beim Kreuzbund, eine Karnevalssitzung, das traditionelle Ostereiersuchen, das Sommerfest, winterliches Klootscheeten, die Weihnachtsfeier und viele weitere Aktivitäten für ein grenzenloses menschliches Miteinander umfasst.