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Schnittwaffe benutzt? Emsländer wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht

Von Ullrich Schellhaas, Ullrich Schellhaas | 14.06.2016, 21:01 Uhr

Wegen mehrerer Fälle von gefährlicher Körperverletzung muss sich nun ein 35-jähriger Mann aus dem südlichen Emsland vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Die Taten, bei denen der Angeklagte seine Opfer in einem Fall geschnitten und in einem weiteren Fall mit Pfefferspray malträtiert haben soll, könnten zu einer Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt führen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, am Abend des 27. Januar 2015 auf dem Parkplatz einer Gaststätte in Emsbüren seinem Opfer mit einem nicht näher identifizierten Gegenstand mehrere Schnittverletzungen im Gesicht und an der Hand zugefügt zu haben. Nachdem er das Opfer zu Boden gebracht hatte, soll er ihm außerdem in das Gesicht getreten haben. Als ein weiterer Zeuge dem Opfer, seinem Arbeitskollegen, zu Hilfe gekommen sei, soll der Angeklagte diesem in die Körperseite getreten haben.

Pfeffersprayattacke auf Schulbus

Am 14. September 2015 soll der 35-jährige zudem an einer Bushaltestelle an der Pauluskirche in Meppen mehrere dort wartenden Schüler angepöbelt haben. Nachdem ein Schulbus dort angekommen war, soll er der Busfahrerin plötzlich und ohne Grund Pfefferspray mitten in das Gesicht gesprüht haben. Einem Zeugen, der daraufhin eingegriffen hat, soll der Angeklagte ebenfalls in das Gesicht gesprüht haben.

Verschwommene Erinnerung

Der Beschuldigte ließ durch seinen Anwalt erklären, dass er an das zweite Tatgeschehen nur noch eine verschwommene Erinnerung habe, bei der er sich daran erinnere, dass er geglaubt habe, die Menschen im Bus wollten ihn verhaften. Nach dem vorherigen Genuss einer Flasche Cognac habe er sich dann mit dem Pfefferspray gegen diese vermeintliche Verhaftung wehren wollen.

Kein Messer, dafür gewürgt worden?

Im Hinblick auf den ersten Tatkomplex erklärte der Verteidiger, dass sein Mandant das Geschehen anders erinnere. Zunächst habe er die im Auto sitzenden Männer gefragt, ob er ihnen ein Bier abkaufen könne. Das hätten diese nicht nur verneint, sondern den 35-Jährigen angeschnauzt sowie an seiner Halskette gepackt und gewürgt. Zunächst sei der Angeklagte dann weggegangen, habe aber später ein klärendes Gespräch suchen wollen. Als dieses wieder eskalierte, habe er die Opfer geschlagen und getreten, aber keine Schnittwaffe benutzt.

Einen Angriff seinerseits verneinte das erste Opfer bei der Vernehmung, betonte aber auch, dass er sich nicht besonders gut erinnere und dass er die Sache nicht zu hoch hängen wolle. Weitere Zeugen bestätigten zumeist die äußeren Umstände der Anklageschrift, aber auch, dass bei dem 35-Jährigen keine Waffe gefunden wurde.

Schuldfähigkeit

Hinsichtlich der Frage der Schuldfähigkeit und der Unterbringung in einer Klinik – seit dem Vorfall mit dem Schulbus ist der Angeklagte in einem Landeskrankenhaus untergebracht – hörte das Gericht einen psychiatrischen Sachverständigen. Auf Antrag der Verteidigung erfolgte dieses Gutachten sowie die Erörterung der persönlichen Verhältnisse des Angeklagten jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Der Prozess wird am Dienstag, 21. Juni 2016, um 11 Uhr am Landgericht Osnabrück fortgesetzt. Dann sind die Schlussanträge der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung sowie das Urteil der Kammer geplant.