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„Judenkasten“ renoviert Kluse von Berge in Emsbüren feierlich eingesegnet

Von Anne Bremenkamp | 16.06.2016, 20:32 Uhr

Im Gedenken an die Leiden Jesu steht die frisch renovierte Kluse von Berge mit neu installierter Infotafel inklusive QR-Code, deren feierliche Einsegnung trotz örtlicher Unwetterwarnung gut besucht war.

Unter den Gästen waren auch Abordnungen dreier Emsbürener Schützenvereine in vollem Ornat, von denen der Bürgerschützenverein die katholische Tradition des Kleppens zu den Angelus-Gebeten heute noch aufrecht erhält. Denn die Kirchenglocken verstummen am Gründonnerstag und das sogenannte Kleppen ist bis zum Karsamstag Teil der katholischen Osterliturgie. Der Nachwuchs des Vereins betet an den Kartagen an der Kluse von Berge ein „Vater Unser“. Dieses wurde auch gebetet, nachdem Pfarrer Stephan Schwegmann und Pastor Marcus Droste die Segnung der im Volksmund einst als „Judenkasten“ benannten Kluse vorgenommen hatten.

„Wertvolle Stätte“

„Dat givt nich alle Dage“, freute sich Berges Ortsbürgermeister Benno Brinker über die große Resonanz und das gelungene Ergebnis, das insbesondere dem Engagement der elfköpfigen Arbeitsgruppe (AG) zu verdanken sei, die sich nach einer Ortsratssitzung im Januar 2015 für den Erhalt und den geschichtlichen Hintergrund der Kluse gebildet hatte. Neben Akteuren aus Kirchen und Ortsräten gehören der AG viele Aktive aus der Geschichtswerkstatt des Heimatvereins Kirchspiel Emsbüren an. Seinen Respekt über das neu Geschaffene unterstrich auch Emsbürens Bürgermeister Bernhard Overberg. Über die bewegte und dennoch wenig belegte Geschichte der Kluse, um 1930 von Lehrer Wellmann erstmals als „Judenkasten“ benannt , berichtete die AG-Aktive Maria Theissing: „Wir wissen nicht, wann, wie und warum dieser zurecht Empfindlichkeiten auslösende Name entstanden ist.“

Berührende Predigt

Möglicherweise ist er begründet im christlichen Antijudaismus früherer Zeiten, der fälschlicherweise behauptete, Menschen jüdischen Glaubens statt römischer Soldaten hätten Jesus Christus gekreuzigt. „Jesus war ein Jude und ist immer einer geblieben. In ihrer langen Geschichte haben die Christen unendliches Leid über das jüdische Volk gebracht, erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit sechs Millionen ermordeten Juden wird die Versöhnungs- und Begegnungsarbeit intensiv gelebt“, sagte Pfarrer Stephan Schwegmann in seiner Predigt, während sich Pastor Marcus Droste eher ihrem Innern, der Figurengruppe „Geißelung Christi“, widmete: „Ich schaue auf die Kluse und sehe im Gesicht Jesu sinnloses Leid.“ Als Notfallseelsorger treffe er selbst oft auf Menschen, die das Gefühl haben, sinnloses Leid zu erfahren. „Die in dieser Kluse festgehaltene Szene lädt dazu ein, sich einzufinden und sich selbst wiederzufinden“, unterstrich Pastor Droste die Gedanken des AG-Mitglieds Clemens Kirsch, der in seiner impulsgebenden Deutung Papst Benedikt XVI. zitierte: „Gott steht auf der Seite der Leidenden.“

Offen für Sorgen und Nöte

AG-Akteurin Cäcilia Schwennen dankte allen ideell und finanziell am Projekt Beteiligten und betonte: „Die Kluse von Berge ist eine Erinnerung daran, dass sich Geschichte nicht wiederholen darf, sondern lehren muss. Jetzt, wo Menschen verschiedenster Nationalitäten zu uns kommen, müssen wir ihnen vorbehaltlos und offen für ihre Sorgen und Nöte gegenübertreten.“

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