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Einweihung am 15. Juni Künftig Kluse von Berge statt Judenkasten

Von Carsten van Bevern | 14.06.2016, 10:48 Uhr

Als „Judenkasten“ ist im Volksmund lange die Kluse in Berge mit der Darstellung der Auspeitschung von Jesus durch zwei römische Soldaten bezeichnet worden. Nach längerer Erforschung der Hintergründe dieses Namens und des dazu gehörigen Brauchs „Joden kleppen“ wird am Mittwoch die teilsanierte Kluse sowie eine Infotafel eingeweiht.

„Judenkasten“. Hinweisschilder mit dieser Aufschrift haben bislang beim Ortseingang von Emsbüren aus Richtung Schüttorf kommend auf eine 1979 neu errichtete Backsteinkluse hingewiesen. In dem neben einem historischen Schafstall im Ortsteil Berge befindlichen Art Wegekreuz stehen hinter einer durch ein Metallgitter geschützten Glasscheibe drei geschnitzte Figuren: In der Mitte Jesus, der von zwei offensichtlich römischen Soldaten ausgepeitscht („gegeißelt“) wird.

Figuren gestohlen

1980 ist die Backsteinkluse mit den vom sauerländischen Künstler Ernst Suberg aus Eichenholz geschnitzten Figuren eingeweiht worden. Diese hatte einen in unmittelbarer Nähe des heutigen Standortes im Kreuzungsbereich der Straßen „Am Ludgerus“ und „Drievordener Weg“ baufällig gewordenen Vorgängerbau ersetzt. In diesem stand lange Zeit eine barocke Figurengruppe des im 17. Jahrhundert lebenden Künstlers Bernd Meiering – diese Figuren sind allerdings 1977 gestohlen worden und nie wieder aufgetaucht.

Warum „Judenkasten„

Warum aber der Name „Judenkasten“? „Diesen Namen haben neben mir vor einigen Jahren auch viele Besucher der Gemeinde hinterfragt und Gästeführer darauf aufmerksam gemacht“, erklärte die in Emsbüren lebende und an einer katholischen Grundschule in Rheine arbeitende Lehrerin Angela Prenger bei einem Gespräch mit unserer Redaktion. Nicht nur sie habe den „verfänglichen Begriff“ als Ärgernis empfunden. „Zumal in Emsbüren anders als zum Beispiel in Freren, Lengerich oder Lingen nie Menschen jüdischen Glaubens gelebt haben“, erklärte Prenger, die sich auch im Forum Juden Christen im Altkreis Lingen engagiert.

Brauch „Joden kleppen“

Seit mehr als einem Jahr nun arbeitet Prenger als „sachkundige Person“ in einem aus Mitgliedern der Ortsräte Berge und Emsbüren, der Geschichtswerkstatt Emsbüren sowie der zwei Kirchengemeinden bestehenden Arbeitskreis mit. Diskutiert wurde dort auch Bedeutung und der Name des „Klappern“-Brauchs: In der Karwoche gehen seit vielen Jahren Kinder und Jugendliche aus Emsbüren mit hölzernen Klappern auf einem festgelegten Weg zu verschiedenen Punkten in der Gemeinde, darunter als entferntestem Punkt auch zu dieser Kluse. Dieser heute noch vom Bürgerschützenverein gepflegte Brauch wurde auch „Joden kleppen“ genannt. Heißt „kleppen“ aber nun „klappern“ oder aber „man geht Juden verkloppen“?

Neue Infotafel

Auf der neuen Infotafel neben der teilsanierten Kluse heißt es dazu jetzt nach längerer Diskussion und Abstimmung im Arbeitskreis: „Die Kluse wurde im Volksmund lange als ,Judenkasten´ bezeichnet. Die Herkunft dieser Bezeichnung ist nicht eindeutig geklärt. Hintergrund dieser Namensgebung ist vermutlich ein christlicher Antijudaismus, der fälschlicherweise behauptete, Menschen jüdischen Glaubens hätten Jesus Christus gekreuzigt.“ Im Arbeitskreis hat man sich auch geeinigt, den „Judenkasten“ künftig offiziell als „Die Kluse von Berge“ zu benennen.

„Die Schilder sind schon bestellt und werden bald aufgestellt“, erklärte dazu der Berger Ortsbürgermeister Benno Brinker. Ortsrat und die Geschichtswerkstatt des Heimatvereins Kirchspiel Emsbüren laden alle interessierten Bürger nun am Mittwoch, 15. Juni, um 19 Uhr zur Einweihung der Kluse in den Emsbürener Ortsteil Berge ein.