Keine Jubiläumsfeier 2019 Gefälschte Urkunde: Emsbüren ist 362 Jahre jünger

Echt ist die Urkunde aus dem Jahr 1181. Davon zeugt der Taufbrunnen aus dem 12. Jahrhundert, wie (von links) Hermann-Josef Niehoff, Pfarrer Stefan Schwegmann und Ludger Mönch-Tegeder erläutern. Foto: Heinz KrüsselEcht ist die Urkunde aus dem Jahr 1181. Davon zeugt der Taufbrunnen aus dem 12. Jahrhundert, wie (von links) Hermann-Josef Niehoff, Pfarrer Stefan Schwegmann und Ludger Mönch-Tegeder erläutern. Foto: Heinz Krüssel

Emsbüren. Die Geschichte Emsbürens muss neu geschrieben werden: Die Kirchengemeinde St. Andreas Emsbüren ist nämlich jünger als angenommen. Die bislang zugrundegelegte Urkunde aus dem Jahr 819 ist eine Fälschung. Die älteste echte Urkunde, in der die Kirchengemeinde erwähnt wird, stammt aus dem Jahr 1181. Damit sind erste Planungen hinfällig, im Jahr 2019 eine 1200-Jahr-Feier zu organisieren.

„Bisher sind wir und viele Generationen zuvor davon ausgegangen, dass die Kirche und die Kirchengemeinde erstmals in einer Urkunde von Kaiser Ludwig den Frommen, dem Sohn Karls des Großen, aus dem Jahr 819 erwähnt ist“, erläuterte Pfarrer Stefan Schwegmann die Hintergründe der neuen Erkenntnisse. Erstmals sind jetzt Urkunden von Kaiser Ludwig den Frommen wissenschaftlich untersucht worden. Dabei haben die Wissenschaftler festgestellt, dass viele bekannte Urkunden echt sind. Ein Drittel der Urkunden von Kaiser Ludwig sind aber gefälscht oder manipuliert. Zu den als Fälschung erkannten Urkunden zählt auch die Urkunde aus dem Jahr 819, in der von Emsbüren, Freren und Visbeck die Rede ist: Die Schrift ist falsch, die Datierung ist falsch und der Inhalt stimmt nicht, so das Ergebnis der Untersuchungen.

„Fake News keine Erfindung des 21. Jahrhunderts“

„Wir sehen, dass es die heute ‚Fake News‘ genannten gefälschten Informationen schon immer gab und keine Erfindung des 21. Jahrhunderts sind“, stellten Hermann-Josef Niehoff (Kirchenvorstand) und Ludger Mönch-Tegeder (Pfarrgemeinderat) angesichts der neuen Situation fest. Dabei sei das Ganze im Mittelalter noch einfacher gewesen, denn es gab kein Katasteramt und keine Grundbücher. Entsprechend mussten die Eigentumsrechte mit alten Urkunden belegt und geklärt werden. Je älter die Urkunde war, umso besser. Das sei nach Meinung der Wissenschaftler nicht immer Betrug im eigentlichen Sinne und aus heutigem Verständnis gewesen.

Oftmals gehörten Ländereien und Grundstücke wirklich schon seit Urzeiten einem Fürsten oder einer Familie. Nur hatten sie nichts in der Hand und konnten nichts beweisen. Also ist nachgeholfen worden: Urkunden und Dokumente wurden gefälscht oder ganz neu geschrieben.

„Die Sachlage ist eindeutig“

Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat haben sich nach Auskunft von Pfarrer Schwegmann mit der neuen Gegebenheiten intensiv auseinandergesetzt. Zunächst habe man mit Historikern wie Georg Wilhelm vom Bischöflichen Archiv in Osnabrück, Andreas Eiynck vom Emslandmuseum in Lingen sowie Thomas Vogtherr, Professor für die Erforschung des Mittelalters an der Universität Osnabrück, gesprochen und um deren Einschätzung gebeten.

Alle haben bestätigt: Die Sachlage ist eindeutig und die Urkunde von 819 eine Fälschung. Die Urkunde aus dem Jahr 1181 ist auf jeden Fall echt. In der Kirche zeugen der alte Taufstein und das zugemauerte Nordportal davon, dass es im 12. Jahrhundert bereits eine Steinkirche in Emsbüren gegeben hat.

„Wir können es aber nicht nachweisen“

Die Verantwortlichen in der Kirchengemeinde waren einstimmig der Meinung, dass man sich an der ältesten bekannten Urkunde orientieren werde. Die Geschichtsforschung könne nicht definitiv sagen, ob es im 9. Jahrhundert schon eine Kirchengemeinde und eine Kirche gegeben habe, wenngleich dieses angesichts der Christianisierung durch Ludgerus vermutet werde. „Wir können es aber nicht nachweisen“, sagt Pfarrer Schwegmann.

Keine Feier im Jahr 2019

Das bedeute auch, dass das angedachte Jubiläum im Jahr 2019 nicht stattfinden könne. In der Kirchengemeinde seien ebenso wie in der poltischen Gemeinde sowie in Vereinen und Verbänden in Erinnerung an die gelungene 1175-Jahr-Feier im Jahr 1994 erste Überlegungen zu einer 1200-Jahr-Feier angestellt worden. Das nächste Jubiläum folgt im Jahr 2031: Dann wird ein „jugendliches“ Alter von 850 Jahren gefeiert.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN