Interview mit Sarah Prenger Emsbürenerin an der Spitze der Internationalen CAJ

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Emsbüren . Die neue Präsidentin der Internationalen Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), Sarah Prenger (30) aus Emsbüren hat im Interview mit der Redaktion betont, das sich die CAJ generell für die Verbesserung der sozialen Lage von jungen Menschen einsetzt.

Mit welchen Erwartungen treten Sie das neue hauptamtliche Amt am 16. Februar in Brüssel an? Wie bereiten Sie sich auf das Amt vor?

Ich bin sehr gespannt auf die vier Jahre Amtszeit als internationale Präsidentin der CAJ. Ich weiß, dass die Tätigkeiten vielseitig sind und nicht wenige Herausforderungen vor mir liegen. Die beste Vorbereitung darauf habe ich bereits bekommen: Es ist der Bildungsprozess, den ich in und durch die CAJ durchlaufen habe; die Erfahrungen, die ich sammeln durfte. Das Wichtigste dabei war die Durchführung von langfristigen Aktionen; diese Erfahrungen sind wesentlich, um andere Verantwortliche bei der Durchführung ihrer Aktionen und Projekte beraten zu können und Bildungsarbeit im Verband machen zu können. Auch habe ich bereits auf anderen Ebenen Erfahrungen in politischer Leitung und ihren Facetten, wie zum Beispiel der Außenvertretung gemacht. Als Koordinatorin der europäischen CAJ war ich bereits vier Jahr Mitglied der internationalen Leitung der CAJ. Ich hoffe, dass dies mir dabei helfen wird, das Internationale Leitungsteam zu leiten.

Wofür steht die CAJ?

Jeder Mensch hat das Recht auf Lebens-und Arbeitsbedingungen, die den Kriterien von Menschenwürde, Gerechtigkeit und Solidarität entsprechen und ein entsprechendes Leben und Handeln ermöglichen. Zugleich sind wir als CAJ davon überzeugt, dass jeder (junge) Mensch die Fähigkeit hat, das eigene Lebensumfeld zu verbessern, und auch durch das eigene Handeln zu einer guten Situation beizutragen. Dafür ist es aber wichtig, sich mit anderen jungen Menschen zusammenzutun, um voneinander zu lernen, um durch gemeinsame Diskussionen festzustellen, was man als nicht richtig empfindet, um bei Bedarf gemeinsam zu handeln. Ein Ort dafür ist die CAJ.

Sind nur Christen in der CAJ aktiv?

Unser Gründer, der Priester Joseph Cardijn, der 1882 in Brüssel geboren wurde und 1967 starb, kam aus einer christlichen Arbeiterfamilie. Er glaubte, dass jeder Mensch von Gott berufen sei, Gottes Reich auf Erden zu realisieren. Für Cardijn hatte jeder Mensch eine göttliche Würde, unabhängig von Religionszugehörigkeit, Geschlecht oder Ethnie. So gibt es auch heute auf allen Ebenen nicht ausschließlich Christen und Christinnen, sondern selbstverständlich ebenso CAJler und CAJlerinnen, die sich keiner Religion zugehörig fühlen, Muslims oder auch Buddhisten sind.

Die CAJ kümmert sich nicht nur um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen?

Aufgrund des Namens „Arbeiterjugend“ gelten wir nicht selten als ein Verband, der sich thematisch vor allem mit Erwerbsarbeit beschäftigt. Dies ist aber nur insofern der Fall, dass Erwerbsarbeit und ihre Bedingungen wesentliche Auswirkungen auf das gesamte Leben haben. Wenn CAJler/innen den Bedarf sehen, an ihrer Schule etwas zu verändern, ist dies genauso eine CAJ-Aktion. In einem Diözesanverband treten zum Beispiel derzeit CAJlerinnen, die Migrationshintergrund haben, dafür ein, dass sie bei Klassenarbeiten Wörterbücher benutzen dürfen. Die CAJ Deutschland setzt sich in den vergangenen Jahren vor allem gegen die Prekarisierung der Erwerbsarbeitsverhältnisse in Deutschland und Europa ein. Unsere Kampagne dazu lautet: „fair statt prekär“. Außerdem organisieren sich bereits seit einigen Jahren junge Menschen mit und ohne Fluchthintergrund für die Rechte junger Menschen mit ungesichertem Aufenthaltsstatus und gegen Rassismus.

Wo werden die Schwerpunkte Ihrer Arbeit liegen?

Die CAJ ist eine internationale Bewegung und hat entsprechend auch eine internationale Leitung. Diese besteht aus den Koordinator/innen der Kontinente und dem Internationalen Sekretariat. Dieses Team begleitet die Nationalbewegungen bei der Umsetzung des sogenannten Internationalen Aktionsplans, der auf dem alle vier Jahre statt findenden Weltrat beschlossen wird. Ebenso sorgt es für die Umsetzung des 2016 beschlossenen Aktionsplans auf der kontinentalen und der internationalen Ebene. Themen sind prekäre Erwerbsarbeit und die vielen dazu gehörenden Facetten, informelle Erwerbsarbeit, Flucht und Migration, Geschlechterungerechtigkeit und die Forderung nach sozialem Schutz.


Sarah Prenger wurde 1986 in Bochum geboren und wuchs in Emsbüren auf. 2006 bestand sie das Abitur am Gymnasium Georgianum in Lingen. Nachhaltig prägte sie der freiwillige Friedensdienst für die Aktion Sühnezeichen. In der tschechischen Stadt Ostrava kümmerte sie von September 2006 bis August 2007 sich in einem Jugendtreff des Ordens der Salesianer Don Boscos um junge Roma. Danach studierte sie katholische Theologie sowie Kultur- und Sozialanthropologie. 2004 trat sie in die Christliche Arbeiterjugend (CAJ) ein. Einen Namen machte sie sich vor allem als Initiatorin und Leiterin des Projekts „So keres?“ („Was machst du“?) zur Situation junger Roma in Deutschland. Die verschiedenen Initiativen der CAJ sind unter dem Begriff „Praktiker Weltna(h)/rr“ zusammengefasst. Im November 2014 wurde Sarah Prenger hauptamtliche Bundesvorsitzende der CAJ. Am 7. Oktober 2016 wählte sie der Weltrat als Nachfolgerin des Indonesiers Ludovicus Mardiyono zur neuen Präsidentin der Internationalen CAJ und vertritt rund 30000 Mitglieder, die weltweit engagiert sind.

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