Agnes Schröder feiert Geburtstag Emsbürener Wirtin mit 90 Jahren noch am Zapfhahn


Emsbüren. Mit Queen Elizabeth II und Wirtin Agnes Schröder haben im April 1926 zwei gestandene „Staatsfrauen“ das Licht der Welt erblickt. Während die eine seit 1952 über das britische Commonwealth regiert, ist das Reich der anderen seit 1951 die Gastwirtschaft Kunkemühle im Emsbürener Ortsteil Moorlage. Dort schwingt Agnes Schröder noch heute mit Leidenschaft den Zapfhahn und das Zepter hinter der Theke. Am Donnerstag feiert sie mit 120 Gästen ihren 90. Geburtstag, morgen wird sie für lieb gewonnene Stammgäste wie „ihre“ Varenrodener wieder pünktlich um 17 Uhr die Türen der Kunkemühle öffnen.

Ein Besuch in der urigen Kneipe gleicht einer Zeitreise in die 1950er Jahre. An sechs Tagen in der Woche hat die vor mehr als hundert Jahren von Gustav Schröder gegründete Gastwirtschaft geöffnet. Sonntags kommen morgens die Frühschoppler, um über Aktuelles und alte Zeiten zu klönen. Als typische Dorfkneipe ist die Kunkemühle noch immer ein beliebter Ort des Informationsaustausches – Klatsch und Tratsch werden vor dem Tresen ebenso geteilt wie Freud und Leid. Und Wirtin Agnes ist bis heute eine treue Begleiterin in allen Lebenslagen, die sie selbst auch durch bewegte Jahre führten.

In Schlesien geboren

Als Agnes Schindler erblickte sie am 28. April 1926 als zehntes von 14 Kindern im schlesischen Friedersdorf das Licht der Welt und verbindet viele glückliche Kindheitserinnerungen mit ihrer Heimat. Die Eltern betrieben in bescheidenen Verhältnissen eine kleine Landwirtschaft, dann kam der Zweite Weltkrieg und mit seinem Ende auch für Familie Schindler die Flucht aus Schlesien. In Viehwaggons gepfercht traten sie ihre Reise ins Ungewisse an.

Als Flüchtling nach Moorlage

Ihr Weg führte die Vertriebenen, die Haus, Hab und Gut zurücklassen mussten, im November 1945 bis in die Bauernschaft Moorlage, wo sie auf die vom Krieg ebenfalls gebeutelten Höfe verteilt wurden. Die Flüchtlinge kamen mit nichts und mussten es sich hart erarbeiten, einigermaßen satt zu essen zu bekommen. Die damals 19-jährige Agnes verdingte sich als Magd, bis sie auf dem benachbarten Hof Schröder, der neben der Landwirtschaft auch eine Sägemühle und die Kneipe Kunkemühle umfasste, den Hoferben Fritz Schröder kennen und lieben lernte. Für ihn wechselte die gebürtige Katholikin zum evangelischen Glauben, die evangelisch-reformierte Kirche in Lünne ist ihr längst ein zweites Zuhause geworden.

Nach der Arbeit hinter die Theke

1951 heiratete das Paar und nach getaner Arbeit im Haus, in den Ställen, auf den Feldern, in der Sägemühle oder auf den Schützenfesten stand Agnes seitdem jeden Abend neben ihrem 1998 verstorbenen Mann Fritz hinter der Theke, der vielen noch als echtes Original bekannt sein dürfte. „Nebenbei“ bekam Agnes drei Kinder und widmete sich ihnen liebevoll. Obwohl es nie ein offizielles Speisenangebot in der Kunkemühle gab, so beherrscht Agnes das Kochen hervorragend. Und wenn sie damals ihre Familie verköstigte oder gerade geschlachtet wurde, kochte sie auch schon mal spontan Deftiges für die Kneipengäste mit.

Legendäres Grünkohlrezept

Legendär ist ihr Grünkohlrezept, mit dem sie früher die Moorlager Jägerschaft und heute nur noch die sogenannten „Doktors“ verwöhnt. Und wenn, was nicht selten vorkam, der ein oder andere zu tief ins Glas geschaut hatte, chauffierte sie die Kneipengänger auch spät in der Nacht noch zuverlässig nach Hause. Dabei stand Agnes immer selbstbewusst und ideenreich „ihren Mann“ zwischen gestandenen Männern. Heimlich in eine Schnapsflasche abgefüllter kalter Kaffee half ihr, die Trinkfesten zu beeindrucken, ohne selbst die Balance zu verlieren. Eine immer wieder aufs Neue kränkelnde Blume bereitete ihr zunächst Kopfzerbrechen, bis sie beobachtete, wie einer, der mit den Hartgesottenen mithalten wollte, regelmäßig sein Schnapspinneken in dem Blumentopf entleerte, während seine Mitzecher gerade den „Kopp im Nacken“ hatten.

Den Schalk im Nacken

Ihren Schalk im Nacken hat sich Agnes bis heute erhalten, auch wenn die Arbeit ihr nicht mehr ganz so leicht von der Hand geht. Dafür packen neben ihrer Familie, zu der auch fünf Enkel und vier Urenkel gehören, mittlerweile auch die Stammgäste tatkräftig mit an, damit sie noch lange gemeinsam auf das Wohl „ihrer“ Kunkemühle-Wirtin anstoßen können.

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