Projekt „Dorfgespräch“ Emsbüren-Leschede richtet Blick in die Zukunft

Von Ludger Jungeblut


Emsbüren. „Dialogprozess in Leschede - Einsatz für das Dorf“ – unter diesem Titel findet am Donnerstag, 5. November, um 19 Uhr im Saal Breloh eine in Emsbüren-Leschede eine Bürgerversammlung statt. Veranstalter sind der Aktionskreis Leschede, die Katholische Landvolkhochschule (KLVHS) Oesede und der Ortsrat Leschede.

Einzelheiten der umfassenden Initiative erläuterten in einem Gespräch mit der Redaktion der Vorsitzende des Aktionskreises, Bernd Drente, Ortsbürgermeister Heinz Sager, Michael Ripperda, Projektreferent des „Dorfgesprächs“ sowie dessen Kollege Tim Strakeljahn. Ziel des Projektes sei es, durch eine verbesserte Kommunikation weitere Potenziale der Bewohner zu nutzen, um durch eine Stärkung der Gemeinschaft den Ortsteil voranzubringen, betonten die Gesprächspartner unisono.

Entwicklungschance

Sager hatte seinerzeit in der Lingener Tagespost einen Bericht über das niedersächsische Modellprojekt „Dorfgespräch “ gelesen, das von der KLVHS initiiert wurde. Schnell konnte er den Ortsrat, den Aktionskreis und die Gemeinde Emsbüren davon überzeugen, diese Entwicklungschance für den 2000 Einwohner zählenden Ortsteil zu nutzen. Mit der konkreten Umsetzung hat die KLVHS das Projektbüro pro-t-in aus Lingen beauftragt. Mit finanzieller Unterstützung des Landes, des Bistums Osnabrück, des Landkreises Emsland sowie der Gemeinde Emsbüren wurde das Projekt im September mit einem zweitägigen Workshop in Oesede gestartet. 15 sogenannte Dorfbeobachter, die repräsentativ für die verschiedenen Lescheder Bevölkerungsgruppen sind, stellten die Ist-Situation vor und eine Ideensammlung auf. Unter dem Titel „Leschede – das Dorf“ konnten erste Ziele und Ansatzpunkte entwickelt werden: Barrierefreiheit im öffentlichen und privaten Raum, Entwicklung des Verkehrs, Erhalt der hohen Lebensqualität (Bildungs-/Betreuungseinrichtungen), Nahversorgung, Freizeitangebote, Erschließung touristischer Potenziale, gastronomische Angebote, Gestaltung/Instandhaltung öffentlicher Flächen, industrielle und gewerbliche Entwicklung, Wohnraum für alle Generationen und Zielgruppen, Schaffung eines zentralen Treffpunktes beziehungsweise Dorfplatzes.

Nahversorgung ausbauen

Die Umsetzung weiterer Ziele beziehungsweise die Bearbeitung von Themen kann durch die Dorfgemeinschaft erfolgen. Genannt werden: die Einbindung aller Bürger in die Entwicklung Leschedes, Freizeitangebote für alle Generationen (auch zielgruppenspezifisch), Integration und Unterstützung von Neubürgern, regelmäßiger Meinungsaustausch in der Gemeinschaft, Rolle der Landwirtschaft in Leschede, Stärkung des Ehrenamts, Unterstützung von Vereinen und Verbänden/Vernetzung mit bestehenden Einrichtungen, Vernetzung mit der Gemeinde Emsbüren.

Heinz Sager unterstrich die Notwendigkeit, die Eigenentwicklung von Leschede vor allem durch den Ausbau der Nahversorgung und eine vorausschauende Wohnungsbaupolitik zu sichern. Bernd Drente ergänzte: „Was für die Emsbürener Ortsteile gut ist, stärkt die Gemeinde als Ganzes.“

Ripperda und Strakeljahn lobten den ausgeprägten Gemeinsinn und das rege Vereinsleben, die in Leschede anzutreffen seien. Ripperda zufolge ist eine bessere Integration von Neubürgern wünschenswert. Drente verwies darauf, dass sich Bürger ehrenamtlich lieber für eine befristete Zeit projektbezogen als jahrelang in einem Vereinsvorstand engagieren möchten. Dem müsse Rechnung getragen werden.

Dorfabend im Frühjahr 2016

Nach der Bürgerversammlung am 5. November soll der Dialogprozess durch Treffen von Arbeitsgruppen im Februar vertieft werden. Offiziell endet das Projekt im März oder April 2016 mit einem Dorfabend – in der Hoffnung, dass der „Einsatz für das Dorf“ dann zum Selbstläufer wird. Sager würde sich freuen, wenn sich Bürger durch das Projekt ermuntert fühlen, sich als Kandidaten für die Ortsratswahl am 11. September 2016 zur Verfügung zu stellen.

Zukunftsweisende Entwicklung

Bürgermeister Bernhard Overberg betonte auf Anfrage der Redaktion: „Die Gemeinde Emsbüren hat im Rahmen des demografischen Wandels und den daraus resultierenden Konsequenzen ein großes Interesse daran, auch die Bevölkerung aktiv in diesen Prozess einzubinden.“

Aus diesem Grunde werde aktuell eine gemeindeweite Sozial- und Lebensraumanalyse durchgeführt, um die Zukunftssicherung langfristig zu gewährleisten, hob der Bürgermeister hervor.

Die zusätzliche Initiative „Dorfgespräch“ aus dem Ortsteil Leschede heraus werde von der Gemeinde und auch ihm persönlich außerordentlich begrüßt.

Das Projekt mache deutlich, dass den Bürgern die weitere zukunftsweisende Entwicklung des Ortsteils sehr am Herzen liege. Aus diesem Grunde habe sich die Gemeinde Emsbüren auch mit einem angemessenen Zuschuss an diesem sinnvollen Projekt beteiligt, erklärte Overberg.

Weitere Berichte aus Emsbüren finden Sie unter www.noz.de/lokales/emsbüren


Auch der Lingener Ortsteil Clusorth-Bramhar mit 877 Einwohnern (Stand1. Oktober 2015) beteiligt sich an dem Projekt „Dialogprozess – Einsatz für das Dorf“ und wird von pro-t-in betreut. Start ist am kommenden Wochenende (31. Oktober) mit einem Workshop der rund 15 „Dorfbeobachter“ in der Katholischen Landvolkhochschule Oesede. Im Dezember soll dann noch nach Möglichkeit eine Bürgerversammlung stattfinden, auf der die Ergebnisse des Workshops vorgestellt und Arbeitsgruppen gegründet werden sollen. Die Veranstalter hoffen auf eine rege Beteiligung. Die Arbeitsgruppen werden dann zum ersten Mal Anfang nächsten Jahres in Clusorth-Bramhar tagen.

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